Münzgeld : Parkscheinautomaten sind schon seit Monaten defekt

Die Stadt Ratingen muss auf Einnahmen in nicht geringem Ausmaß verzichten, weil die Technik streikt. Die Firma Siemens arbeitet daran, die Ursachen zu beheben.

Es klingt wie ein schlechter Witz, der sich da auf dem Parkplatz an der städtischen Musikschule auf der Poststraße abspielt. Ein Mann will ahnungslos den Parkscheinautomaten betätigen. Dann naht eine freundliche Frau von hinten heran und sagt, dass dieses Gerät bereits seit Monaten defekt sei. Der Fahrer solle doch eine Parkscheibe gut sichtbar ins Auto legen, das würde ausreichen. Das Problem: Das ist kein Scherz, sondern Realität – auch an anderen Standorten (zum Beispiel Hans-Böckler-Straße und Stadthalle). Die Verwaltung hat bisher auf eine öffentliche Information verzichtet und muss zur Kenntnis nehmen, dass Einnahmen in nicht geringem Ausmaß flöten gehen. Ulrike Trimborn, Sprecherin der Stadt, erklärte auf Anfrage, dass in der Tat zurzeit einige Parkscheinautomaten defekt seien. Die Ursachen würden in Abstimmung mit der Firma Siemens behoben, hieß es.

Die Geschichte mit den Parkscheinautomaten ist eine unendliche. Man erinnere sich: Es war im Jahr 2012. Schon damals kam das Geschäft mit den neuen Automaten nur sehr schwer in Fahrt: Zunächst hatte es Probleme beim Aufbau der Geräte gegeben, so manche Überraschung schlummerte im Boden, man war zum Beispiel plötzlich auf Leitungen gestoßen.

Und dann gab es obendrein Knatsch mit der Hersteller-Firma. Im Kern ging es um eine virtuelle Parkscheinautomatenzentrale, die im Baubetriebshof installiert werden sollte. Mit Hilfe dieser Technik kann man per Mausklick zum Beispiel prüfen, ob die Automaten störungsfrei funktionieren und wie viel Geld bereits eingenommen wurde. Zudem gehen Warnmeldungen ein: Die Papierrolle muss zum Beispiel gewechselt werden, die Geldkassette ist voll.

Mehrere Parkplätze sollten gebührenpflichtig werden

Jeder Automat kostet 5000 Euro. Der Rat hatte zunächst entschieden, dass die Parkplätze an der Musikschule (Poststraße), an der Minoritenstraße, auf dem Parkplatz Hans-Böckler-Straße (neben dem Stadthallenpark) und am Stadttheater gebührenpflichtig werden. Dort stellte die Stadt die Geräte auf. Neue Automaten gab es auch an der Stadthalle und an der Werdener Straße.

Zentrale Frage: Was bringen die einzelnen Groschengräber in der Stadt ein? Eine Antwort auf die Frage gab die Stadtverwaltung bereits vor einiger Zeit. Hintergrund war der Einnahmeausfall durch die mehrmonatige Verzögerung bei der Aufstellung der Parkautomaten im Bereich der Innenstadt.

Die Ratsmitglieder Rainer Vogt (BU) und Christian Wiglow (SPD) wollten wissen, wie hoch der Einnahmenausfall war. Er lag, wie die Verwaltung errechnete, bei etwa 35 000 Euro.

Ein weiteres Problem: Immer wieder hat die Verwaltung mit den Folgen mutwilliger Zerstörung zu tun. So war der Automat am Stadttheater häufiger defekt. Mittlerweile hat sich in der Stadt auch herumgesprochen, welche Automaten nicht funktionieren. Und so ist zum Beispiel der Parkplatz an der städtischen Musikschule immer gut gefüllt.

Technische Probleme haben sich auch bei den Pollern ergeben. Doch mittlerweile ist die Lage stabil.

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