Schwimmen: Im Wasser ist sie ganz in ihrem Element

Schwimmen : Im Wasser ist sie ganz in ihrem Element

Das 14-jährige Schwimmtalent Charlotte Wendel trainiert beim TV Ratingen.

Wenn Charlotte Wendel eine Schwimmhalle betritt, dann wirkt es beinahe, als ob die Nachwuchs-Schwimmhoffnung des TV Ratingen in eines ihrer Wohnzimmer kommt. Was für andere Jugendliche eine Freizeitbeschäftigung ist, bedeutet für die 14-Jährige einen Mix aus Freizeit und harter Arbeit, der ihr trotz eines unheimlich großen Zeitaufwandes eine Menge Spaß bereitet und sich in zahlreichen Erfolgen widerspiegelt.

Bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften 2017 stand Wendel in drei Finalläufen und ist in einem der Finals ganz knapp an den Medaillenrängen vorbeigeschwommen, als sie Vierte wurde – ihr größter Erfolg. Dazu kommen ganze fünf NRW-Jahrgangstitel. Vier auf der 50-Meter-Bahn (Langbahn), einer auf der 25-Meter-Bahn (Kurzbahn). Zudem schwimmt sie seit zwei Jahren als einzige TV-Athletin im NRW-Nachwuchskader, ab dem neuen Jahr bereits im Landeskader.

Seit sie vier Jahre alt ist, tritt
sie für den Ratinger Verein an

„Die Atmosphäre in der Mannschaft ist etwas ganz Spezielles. Es ist ein großes Miteinander. Außerdem sind unsere Trainer sind sehr nett“, sagt Wendel, für die der TV Ratingen ein ganz besonderer Klub ist. Seitdem sie vier Jahre alt ist, steigt das Talent für den TVR ins Becken. Ein Wechsel zu einem anderen Verein kommt für die 14-Jährige nicht in Frage.

Der Trainingsaufwand ist immens hoch. Fünfmal in der Woche trainiert Wendel ganze zweieinhalb Stunden pro Einheit, eine Stunde „Landtraining“, eineinhalb im Becken. Dazu kommen die Wettkämpfe an den Wochenenden. Wenn andere Jugendliche die Hände über den Kopf zusammenschlagen würden, hat Wendel keinerlei Motivationsprobleme. „Eigentlich geht das. Meine Hausaufgaben mache ich direkt nach der Schule, lerne dann noch und gehe dann gleich zum Training. Also klappt das“, erklärt Wendel mit einem Grinsen. Neben dem zeitlichen Aufwand ist der finanzielle Faktor im Schwimmsport nicht zu unterschätzen. Charlotte besitzt vier Badeanzüge, der teuerste Wettkampfanzug kostet stolze 399 Euro. Ohne Sponsoring von Eltern, Oma und Co. nicht zu stemmen.

Die wichtigste sportliche Hürde hat die Zehntklässlerin in der laufenden Saison schon gemeistert. Die Qualifikation für die Deutschen Jahrgangsmeisterschaften Ende Mai in der Bundeshauptstadt Berlin. Direkt im Anschluss stehen für die Zehntklässlerin noch die NRW-Jahrgangsmeisterschaften an. Charlotte ist zufrieden und hat bereits einige Erfolge in diesem Jahr feiern dürfen. „Die aktuelle Saison war bis jetzt sehr gut. Bei den NRW-Meisterschaften auf der Kurzbahn habe ich sechs Medaillen geholt und einmal den NRW-Jahrgangstitel“, erklärt sie: „Die Verbandsmeisterschaften waren auch ganz gut, mit einigen ersten Plätzen.“

Wendel bleibt trotz ihrer zahlreichen Erfolge bescheiden

Faszinierende Ergebnisse für eine Schwimmsaison, die eigentlich noch in der Anfangsphase steht und, wie Charlotte erklärt, erst im Mai im Highlight in Berlin gipfelt. Trotz der zahlreichen Erfolge bleibt die junge Athletin bescheiden und denkt nicht schon an eine Profi-Laufbahn, so wie ihre hochdekorierten Vorbilder Sarah Sjöström (Schweden) und Michael Phelps (USA). „Ich setze mich überhaupt nicht unter Druck“, sagt Wendel: „Eine Profikarriere habe ich jetzt erstmal nicht so angestrebt. Aber bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften im Finale schwimmen und dann vielleicht eine Medaille gewinnen, das wäre schon schön.“

Die besten Chancen wird Wendel auf ihren Lieblingsstrecken haben – welche das sind, da muss die junge Schwimmerin erst gar nicht überlegen: „50 Meter Freistil, 50 Meter Schmetterling und 100 Meter Frei und 100 Meter Schmett. Also generell Freistil und Schmetterling über die kürzeren Distanzen“, sagt Wendel, die aber auch die anderen Lagen beherrscht: „Ja, Rücken geht auch noch. Da bin ich letztes Jahr bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften in Berlin auch im Finale geschwommen. Ist jetzt bei mir im Moment nicht mehr so gefragt, eher Kraul und Schmetterling“, untermauert Wendel. Ein Leben im Becken, oder wie Charlottes Mutter Silke treffend sagt: „Manchmal dünsten wir das Chlor schon aus, glaube ich.“

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