Entlastung der Ehrenamtler? Feuerwehren sind skeptisch

Kreis Mettmann : Feuerwehr soll sich auf wichtige Aufgaben konzentrieren

Die ehrenamtliche Feuerwehr soll bei Bagatell-Einsätzen durch Firmen entlastet werden.

Die Stadt Wülf-rath will die Freiwillige Feuerwehr nachts und am Wochenende von einfachen Aufgaben wie der Beseitigung von Ölspuren befreien. Ziel sei es, die ehrenamtlichen Einsatzkräfte zu entlasten und diese Tätigkeit insgesamt attraktiver zu gestalten. Das sagt der Erste Beigeordnete und Kämmerer der Stadt, Rainer Ritsche. Anstelle der Freiwilligen Feuerwehr könne der Baubetriebshof oder eine damit beauftragte Fremdfirma die Ölspuren im kommunalen Straßennetz beseitigen, findet Ritsche.

Der Bundesverband der Feuerwehren begrüßt das. „Bei der Freiwilligen Feuerwehr sind alle ehrenamtlich tätig und machen das neben ihrem normalen Beruf. Es wäre sehr gut, wenn sie nachts nicht mehr wegen der banalsten Sachen aufstehen müssten, die auch andere übernehmen könnten“, sagt ein Sprecher des Verbandes.

Ist dies ein Impuls auch für andere Feuerwehren des Kreises? „Jein“, sagen ihre Sprecher auf Nachfrage. Markus Steinacker von der Freiwilligen Feuerwehr in Erkrath begrüßt zwar die Überlegungen: „Eine Entlastung der ehrenamtlichen Feuerwehrangehörigen bei Bagatell-Einsätzen ist zu befürworten, um die Motivation der ehrenamtlichen Feuerwehrangehörigen und vor allem auch die Haltekraft im ehrenamtlichen Bereich zu sichern“, sagt er.

Doch das geltende Recht erlege einer Umverteilung der Aufgaben Grenzen auf: Die generelle Eilzuständigkeit der Feuerwehr könne nicht pauschal außer Kraft gesetzt werden, da die Feuerwehr für Unglücksfälle zuständig ist. „Die Beseitigung einer Ölspur auf öffentlichen Verkehrsflächen stellt eine Hilfeleistung bei einem Unglücksfall dar und ist somit eine originäre Aufgabe der Feuerwehr“, gibt Steinacker zu bedenken.

Allerdings übernehme bereits der städtische Bauhof während seiner wöchentlichen Arbeitszeit die Ölspurbeseitigung auf den kommunalen Verkehrsflächen der Stadt Erkrath.

Auch Marco Zerweiss, Leiter der Feuerwehr Mettmann, sieht Vorteile in den Überlegungen. Die Feuerwehr der Stadt Wülfrath sei eine Freiwillige Feuerwehr, die ihre Aufgaben mit rein ehrenamtlichem Personal stemmt. „So ein Einsatz kann dann schon mal den Tagesablauf durcheinander bringen, zu Diskussionen mit den Vorgesetzten führen, für Verstimmungen im familiären und partnerschaftlichen Umfeld sorgen, Termine platzen lassen oder auch viel Schlaf und Erholung kosten. Von daher ist die kritische Betrachtung nachvollziehbar und auch sinnvoll, um eine Entlastung im Ehrenamt zu erzielen“, sagt er.

Doch in der Kreisstadt habe man damit bereits schlechte Erfahrungen gemacht, berichtet Zerweiss: „In Mettmann war es längere Zeit üblich, dass gemeldete Ölspuren von einem Führungsdienst der Feuerwehr begutachtet und für die Beseitigung dann ein Unternehmen mit einem speziell ausgestatteten Reinigungsfahrzeug tätig wurde.“

Was anfangs wie ein Erfolgsmodell wirkte, entpuppte sich zu einem schwierigen Unterfangen: „Die Zuverlässigkeit, schnelle Erreichbarkeit und Verfügbarkeit des Unternehmers nahmen ab, oft musste die Feuerwehr an bereits abgearbeiteten Einsatzstellen erneut tätig werden. Finanzielle Forderungen gegenüber Dritten sorgten für eine hohe Zahl an Nachfragen der jeweiligen Versicherungen“, berichtet Zerweiss. Daher gebe es in Mettmann derzeit keinerlei weitere Gedanken in diese Richtung, zumal es in Mettmann eine mit Hauptamtlern besetzte Feuer- und Rettungswache gebe.

Stadt hat negative Erfahrung
mit Dienstleistern gemacht

„In den seltensten Fällen kommt es daher für dieses Aufgabenfeld zu einer Alarmierung der ehrenamtlichen Feuerwehrkräfte.“ Und auch der Kreisbrandmeister Torsten Schams ist skeptisch. „Ein Verzicht auf den Einsatz von Feuerwehren ist nur in wenigen Einzelfällen vorstellbar“, sagt er.

Und auch Torsten Schams verweist auf die negativen Erfahrungen der Stadt Mettmann: Die Feuerwehr sei trotzdem zu jeder Ölspur ausgerückt, „um die tatsächlich vorliegende Gefahr zu beurteilen. Im Gefahrfall wurde die Feuerwehr selbst tätig, um die Zeit bis zum Eintreffen des Dienstleisters zu überbrücken und die Gefahr zu minimieren. Aufgrund der geringen Effizienz musste von diesem System Abstand genommen werden.“

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