Mettmann : Kirchen verzeichnen Mitgliederschwund

Vor allem Erwachsene zwischen 25 und 45 Jahren treten aus den Gemeinden aus.

Der Trend ist unverkennbar. Sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche in Deutschland verlieren immer mehr Mitglieder. Doch wie sieht der Trend bei der evangelischen Kirchengemeinde in Mettmann und der katholischen Pfarrei St. Lambertus in Mettmann aus? „Wir konnten bis Ende 2018 keine signifikante Erhöhung der Kirchenaustritte in Mettmann feststellen“, berichtet Pfarrer Bertold Stark, fügt jedoch hinzu, dass es in den letzten sechs Jahren durchschnittlich 93 Austritte pro Jahr gegeben habe. Das Jahr 2014 hatte mit 112 Austritten die bisher höchste Zahl zu verzeichnen. „Alle Ausgetretenen werden seitens der Kirchengemeinde angeschrieben. Zum einen, um Dank zu sagen für oft langjährige Unterstützung, zum anderen aber auch, um unser Bedauern über den Austritt Ausdruck zu verleihen.“

Kirche fragt nach dem
Grund für den Austritt

Es werde zudem nach den Gründen des Austritts gefragt. „Es geben nicht alle ihren Grund bekannt, doch ist davon auszugehen, dass der weitaus überwiegende Teil keine Kirchensteuer mehr zahlen möchte.“ Pfarrer Stark vermutet, dass Menschen immer mehr darauf achten, ob das, wofür sie etwas zahlen müssen, ihnen einen persönlichen Nutzen bringt. Grund für einen Kirchenaustritt könne auch die Frage sein, ob die Institution Kirche noch als glaubwürdig in ihrem Gebaren und gesamtgesellschaftlichen Auftritt eingeschätzt wird. „Die Kernfrage lautet doch, inwieweit stimmen beim Kirchenpersonal und auch bei den bekennenden Kirchenmitgliedern das Reden und Handeln überein?“ Wenn dies nicht mehr erkennbar sei, „ist die Abkehr von der Kirche kaum noch zu verhindern“, sagt der Presbyteriums-Vorsitzende.

Monsignore Herbert Ullmann, Leitender Pfarrer von St. Lambertus, erklärt, dass in seiner Pfarrei, die aus etwa 12 500 Mitgliedern besteht, von 2012 bis 2018 genau 589 Menschen aus der Kirche ausgetreten seien. Vom Altersspektrum waren dies in der Mehrzahl Erwachsene zwischen 25 und 45 Jahren. Auch seitens der katholischen Kirche erhalten die Ausgetretenen einen von ihm persönlich unterschriebenen, freundlich gehaltenen sowie ansprechbar gestalteten Brief mit einem beigefügten Fragebogen zum Ankreuzen verschiedener möglicher Motive für den Austritt. Es bestehe aber auch die Möglichkeit, etwas Persönliches dazu zu schreiben. Die Rücklaufquote liege zwischen fünf und zehn Prozent.

Volle Kirchen sind auch in Mettmann eine Seltenheit

Als Gründe würden neben der Kirchensteuer auch Glaubensgründe genannt, wie beispielsweise das Argument, ich glaube nicht an Gott. Oder: Weshalb soll ich Kirchensteuer zahlen, wenn ich seit Jahren keinen kirchlichen Dienst wie den Besuch des Gottesdienstes oder der Spendung anderer Sakramente mehr wahrgenommen habe? „Auch die unzeitgemäße Verkündigung, was dann aber auch so unbestimmt im Raum stehen bleibt, gehört zu den Gründen“, bemerkt Ullmann. Er macht deutlich, dass es in Mettmann nicht erstes Bemühen sei, „die Kirche voll zu bekommen“. Gott lädt ein – diese Einladung könne man annehmen oder ablehnen. Im Zuge der wachsenden Säkularisierung aller Lebensbereiche und angesichts des Schwindens persönlich empfundener Religiosität seien volle Kirchen naturgemäß die Ausnahme – jenseits von besonderen Festen.

Pfarrer Bertold Stark verweist darauf, dass die evangelische Kirchengemeinde Mettmann durch direkte Einladung der Mitglieder in den letzten sechs Jahren sogar acht Menschen mehr gewinnen konnte, als insgesamt ausgetreten seien. Für ihn trägt wesentlich der demografische Wandel zum Mitgliederverlust in der Kirche bei.

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