Hilden : Angeklagter gibt an, Eltern nicht zu kennen

Prozess: Hildener (28) soll nach Angriff auf Familie dauerhaft in Psychiatrie.

In dem Verfahren gegen einen 28-Jährigen, der seine Eltern und die Schwester in deren Haus angegriffen hatte, wurden nun die Opfer im Zeugenstand gehört. Sie schilderten übereinstimmend den Prozess einer familiären Entfremdung, der vor den Weihnachtstagen 2019 eskaliert sei. Da war der Beschuldigte in die Wohnung der Eltern eingedrungen und hatte erst die Mutter und später auch die Schwester geschlagen. Dem Vater soll er dazu auch noch ein Brotmesser an den Hals gehalten haben, er musste wegen eines Jochbeinbruchs operiert werden. Die Mutter wurde mit einer Schädelprellung und einer gebrochenen Hand im Krankenhaus behandelt.

Gegen den 28-Jährigen wird wegen einer psychischen Erkrankung in einem Sicherungsverfahren verhandelt, ihm droht die dauerhafte Unterbringung in der Psychiatrie. Bereits zu Prozessbeginn hatte er behauptet, dass es sich bei seinen Eltern um „Zieheltern“ handeln würde – und auch diesmal bekräftigte er vor Gericht „die Leute“ nicht zu kennen. Als er damals in deren Haus eindrang, soll er sie für Fremde gehalten haben, die er von dort habe vertreiben wollen.

Für Eltern muss es schmerzhaft sein, so etwas vom eigenen Sohn zu hören. Über dieses Stadium scheinen zumindest der Vater und die Schwester jedoch schon weit hinaus zu sein. „Er gehört nicht mehr zu unserer Familie“, ließ die Schwester das Gericht wissen. Vom Vater war zu hören, dass die Eltern ihren Sohn vor sieben Jahren rausgeworfen hätten. „Es ging einfach nicht mehr“, so der 63-Jährige, der von einer ganz normalen Kindheit berichtete. Kindergarten, Grundschule und der Wechsel zu Realschule: Das sei alles ganz normal gelaufen. Dann sei der damals 14-Jährige nach dem Wechsel auf die Hauptschule in die „falschen Kreise“ geraten und habe Marihuana geraucht. Von da an sei es nur noch bergab gegangen. Irgendwann habe man mit ihm einfach nicht mehr zusammenleben können, im letzten Jahr vor dem Gewaltausbruch des Sohnes habe der in einer städtischen Obdachlosenunterkunft gelebt. Dass er die Eltern nicht mehr erkenne? „Das scheint jetzt wieder eine ganz neue Sache zu sein“, so der Vater – er selbst sei ratlos und habe längst „zugemacht“. Der Mutter des Beschuldigten scheint das hingegen bis heute nicht wirklich gelungen zu sein. Sie schilderte unter Tränen eine lange Odyssee, sie selbst habe ihren Sohn immer wieder in die Psychiatrie nach Langenfeld gebracht. Der Prozess wird fortgesetzt, am Freitag will das Gericht sein Urteil verkünden.