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Schüler erinnern an Erkrather Nazi-Opfer

Erkrath : Schüler legen Rosen bei Stolpersteinen ab

In Erkrath gibt es sechs Stolpersteine. Anlässlich des Holocaust-Gedenktages wurden diese gereinigt und damit an die Opfer erinnert.

Den alljährlichen Holocaust-Gedenktag am 27. Januar, dem Tag, an dem das Konzentrationslager Auschwitz befreit wurde, nehmen Schüler, Paten, Stadtverwaltung und Ratsmitglieder zum Anlass, um die hiesigen Stolpersteine, die an Opfer der Nationalsozialisten erinnern, zu reinigen, die Inschriften zu verlesen und die Ermordeten mit Vorträgen zu würdigen. Zum Abschluss wird jeweils eine Rose als Symbol für Frieden und Versöhnung niedergelegt – in diesem Jahr von Schülern des Gymnasiums Neandertal, der Realschule Erkrath und des Gymnasiums Hochdahl.

Sechs Stolpersteine sind zwischen 2007 und 2017 in Erkrath verlegt worden, um Bürger zum Innehalten im Gedenken an das Leid zu bewegen, das Menschen zu ertragen hatten. So findet sich zur Erinnerung an die im November 1867 in Erkrath geborene Jüdin Bertha Meyer ein Stein vor dem Haus Düsselstraße 13 in Alt-Erkrath. SS-Männer hatten die alte Frau aus dem Schlaf gerissen und aus ihrem Haus vertrieben. 1942 wurde sie nach Theresienstadt deportiert und dort drei Tage vor ihrem 78. Geburtstag ermordet. Bertha war die unverheiratete Tochter des Metzgers Samuel Mayer, der sein Geschäft an der Bahnstraße 56 hatte. Ihr älterer Bruder Nathan wurde in Hilden von der SS so schwer misshandelt, dass er am nächsten Tag starb. Die Stadt Hilden hatte 2004 für ihn einen Stolperstein verlegt.

Zurück nach Erkrath, wo sich vor dem Haus Rathelbecker Weg 17 ein Stein für Otto Lukat befindet. Lukat war im März 1934 in Düsseldorf enthauptet worden.

Opfer wurden hingerichtet, weil sie angeblich einen Mord planten

Mit ihm starben Emil Schmidt, dessen Stolperstein an der Schlüterstraße 1a zu finden ist, und Peter Hupertz, der am Rathelbecker Weg 11 gewürdigt wird. Die drei sollen an einem Mordkomplott gegen einen SS-Scharführer beteiligt gewesen sein. Obwohl die Beweislage für die Beschuldigten sprach, wurden sie hingerichtet.

Ein weiterer Stolperstein an der Kirchstraße auf dem Gelände der katholischen Kirche St. Johannes der Täufer vor dem ehemaligen St.-Josefs-Kloster erinnert an alte und behinderte Frauen, die 1941 deportiert und getötet wurden. Erst 2017 wurde ein Stolperstein für Tomasz Brzostovicz verlegt, der erste in Hochdahl. Brzostovicz kam 1911 als eines von neun Kindern einer Landarbeiterfamilie in Polen zur Welt. Am 28. Juni 1941 wurde er als Kriegsgefangener ohne ordentliche Gerichtsverhandlung von den Nationalsozialisten in Hochdahl hingerichtet.

Der Stolperstein auf dem Fußweg vor dem Haus an der Sedentaler Straße 18 erinnert an den Ort, wo Tomasz Brzostovicz zuletzt als Zwangsarbeiter untergebracht war, an das Schicksal des jungen Unschuldigen und mahnt als Beispiel für die Barbarei der Nazis. Heimatforscherin Hanna Eggerath war 2001 auf die Geschichte von Tomasz Brzostovicz gestoßen und hatte diesbezüglich Nachforschungen angestellt.