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Hochzeit und Trauer in Zeiten von Corona

Erkrath : „Viele verschieben Hochzeit“

Natalie Sahm ist Hochzeits- und Trauerrednerin. Kein leichter Job in den Wochen der Corona-Pandemie.

Natalie Sahm arbeitet in Erkrath als Hochzeitsplanerin, Traurednerin und Trauerrednerin. Sie erzählt, wie sich ihre Arbeit in der Corona-Zeit verändert hat.

Wie kann man sich Ihre ­Arbeit vorstellen?

Natalie Sahm: Ich habe zwar ein Zertifikat als Hochzeitsplaner, bin aber voll und ganz auf die freie Trauung spezialisiert. Als freie Traurednerin gestalte ich die Abläufe und Inhalte der Trauzeremonien, wie eine Regisseurin, die sich darum kümmert, dass alle Inhalte perfekt aufeinander abgestimmt sind. Das Brautpaar und seine Gäste dürfen genießen und erhalten eine wunderbare Erinnerung. Die Arbeit als Trauerrednerin ist ganz anders. Auf der einen Seite erlebt man die Glücklichen und die Fröhlichen und auf der anderen Seite die Tieftraurigen. Beides ist für mich erfüllend. Dem Verstorbenen einen schönen Abschied zu bereiten, ist für die Angehörigen ein wichtiger Teil der Trauerbewältigung.

Sie sind selbständig?

Sahm: Ich habe mich 2017 allein selbständig gemacht. Mit der Zeit kamen dann aber so viele Anfragen, dass ich nicht alle bedienen konnte. Deshalb habe ich weitere Redner in mein Team geholt, zwei Männer und drei Frauen. Wir bieten auch mehrsprachige Trauungen an, in Spanisch, Portugiesisch, Polnisch und auch in Englisch. Ganz wichtig ist auch, dass die Chemie zwischen dem Redner und den Kunden stimmt.

Wie hat sich der ­Corona-Lockdown auf Ihre Arbeit ausgewirkt?

Sahm: Der Lockdown hat sich sehr ausgewirkt. Viele Paare haben ihre Hochzeit auf das nächste Jahr verschoben. Die meisten haben nicht abgesagt, aber verschoben. Manche haben von April oder Mai auf den Herbst verschoben und hoffen so, auf der sicheren Seite zu sein. Es gab ja fast täglich neue Maßnahmen und so konnte auch ich den Paaren nichts sagen. Deshalb habe ich den Paaren empfohlen, umzubuchen. Die Vorstellung, mit Maske und Abstand mit deinen Liebsten zu feiern, ist nicht schön. Es gibt aber auch welche, die ausgeharrt haben.

Haben Sie denn schon wieder eine Hochzeit zu planen?

Sahm: Am 4. Juli habe ich eine Trauung und da freue ich mich schon sehr drauf. Es ist ja inzwischen erlaubt, mit 50 Leuten zu feiern.

Wie sieht es mit geeigneten Locations für Hochzeiten aus?

Sahm: Die Locations haben es, aufgrund der Maßnahmen, die sie einhalten müssen, zurzeit sehr schwer. Es gibt auch tatsächlich Locations, die vor dem finanziellen Ruin stehen. Die Gastronomie hat der Lockdown ja sehr hart getroffen. Viele Locations für Hochzeiten haben auch einen großen Garten oder Außenanlage, da ist das kein Problem, so lange das Wetter mitspielt. Schloss Grünewald in Solingen zum Beispiel. Oder Hopmanns „Olive“ in Erkrath, Gut Höhne und das Grafengrün an der Rennbahn in Düsseldorf und viele mehr.

Haben Sie als Trauer­rednerin auch einen ­Corona-Fall begleitet?

Sahm: Nein, das hatte ich noch nicht. Aber was mir aufgefallen ist, ist, wie schwer es die Menschen durch die Corona-Zeit hatten, bei ihren Lieben zu sein. Ich habe ungefähr einen Trauerfall in der Woche und da bekommt man mit, wie das durch Corona war. Dass eine Frau nur eine bestimmte Zeit bei ihrem Mann im Krankenhaus bleiben durfte. Da haben sich Dramen ­abgespielt.