Meinung: Eingeschränkte Lenkersicht

Meinung : Eingeschränkte Lenkersicht

Zu: Lob und Ärger für die „Krefelder Fahrrad-Offensive“, WZ, 15. Mai 2019

Weil die Lkw-Flut den Radfahrer gefährdet, geht die „Krefelder Fahrrad-Offensive“ in die Offensive: Die ökologisch sinnvolle Bahn (und deren Schienen) sollen in Fischeln weichen, damit ein neuer Fahrradweg durch ein – dank der Krefelder Wirtschaftsförderung – zubetoniertes Areal komplettiert werden kann. Erst werden die Schienen herausgerissen, dann die Strecke entwidmet und das heißt, dass die Kommunen das ehemalige Bahngelände überbauen können.

Aber liebe Pedalritter mit eingeschränkter Lenkersicht, hier findet doch noch Eisenbahn-Verkehr statt, denn das Edelstahlwerk (heute Outokumpu) ist – noch – eines der wenigen Krefelder Unternehmen, das nicht allein Lkw auf die Straße schickt, sondern ihre Produkte und im Gegenzug die zu bearbeitenden Rohprodukte mit der Bahn transportiert.

Längst ist die Forderung nach Reaktivierung alter Bahnstrecken im Zuge der CO2-Diskussion wieder aufgekommen. Die Reaktivierung der Bahnstrecke von Mettmann nach Kaarst vor einigen Jahren war ein voller Erfolg; die Weiterführung nach Viersen in Planung. Warum will man sich die Möglichkeit einer Nahverkehrs-Pendlerstrecke nach Willich und darüber hinaus verbauen? Und außerdem wird diese Strecke, die zum Hbf Krefeld führt, in einer nicht mehr allzu weiten Zukunft die einzige Möglichkeit sein, die dann geforderte Anbindung der monströs flächenfressenden Gewerbegebiete in Fischeln Süd an das überregionale Schienennetz zu gewährleisten. Sollte diese Option ausgeschlagen werden, so werden schon bald die schlauen Vordenker der IHK zusammen mit diversen Interessensgruppen den sechsspurigen Ausbau der A44 sowie den achtspurigen Ausbau der A57 fordern.

Und bitte noch einmal nachdenken, liebe Pedalritter: Woher droht die Gefahr? Von einem – hoffentlich bald gesicherten – Bahnübergang oder von dem dank falscher Wirtschaftsförderungspolitik von Stadt Krefeld und Land überproportional stark ansteigenden LKW-Verkehr und das nicht nur im Krefelder Süden?

Martin Bender

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