Eine Ausstellung des Linner Männer-Gesang-Verein soll dessen Geschichte erzählen

Vereinsgeschichte : Wie vor 160 Jahren alles begann

1859 ist der Linner Männer-Gesang-Verein gegründet worden. Mitte der 1990er Jahre erfuhr er mit dem Shantychor eine Änderung. In einer Ausstellung wird die traditionsreiche Geschichte erzählt.

Das wohl schönste Exponat der Ausstellung zum 160. Geburtstag des „Linner Männer-Gesang-Vereins 1859 Shantychor“ rührt aus dem Jahr 1884. Es ist eine 60 mal 70 Zentimeter große gerahmte und per Hand beschriebene, mittlerweile vergilbte Pappe. Darauf stehen nicht nur die passiven und aktiven Mitglieder wie Bässe und Tenöre, sondern auch der Vorstand unter Präsident Joseph Weiergraf. Über einem mittlerweile vertrockneten Blumenkranz steht auf diesem Schmuckstück: „Zur Erinnerung an das 25-jährige Jubelfest des Linner Männer-Gesang-Verein“.

Es ist überhaupt eine interessante Dokumentation in Schrift und Bild, die Pressewart Charly Fonken zusammengetragen hat. Er ist dafür tief in die Geschichte der sangesfreudigen Herren eingetaucht. Eins der ersten Mitglieder war auch Samuel Daniels, nach dessen Familie die vor einiger Zeit eingeweihte Danielsgasse benannt ist. „Das 19. Jahrhundert gab dem alten deutschen Lied neue Formen und neuen Klang“, erzählt Fonken. „Sangesfroh war das deutsche Volk ja schon immer. Kein Wunder, dass sich dies im liederfrohen Rheinland schnell niederschlug.“

So kam es, dass sich am 27. Januar 1859 auch in Linn 25 Herren zur Gründung eines Männer-Gesang-Vereins (MGV) zusammenfanden. Theo Leurs, Zweiter Vorsitzender, berichtet: „Damals hatten wir schnell 30 aktive und 37 passive Sänger.“ Dann fügt er hinzu: „Wir sind der zweitälteste Verein in Linn nach den Schützen.“

Die Satzung von 1900 belegt den Zeitgeist. Darin heißt es: „Zweck des Vereins ist Ausbildung in Gesang, Verdrängung unanständiger Lieder und geselliges Vergnügen. Mitglieder müssen das 20. Lebensjahr erreicht haben.“ Der monatliche Mitgliedsbeitrag lag bei 25 Pfennigen. Wer zu spät kam, musste fünf berappen, wer fehlte, zahlte zehn Pfennige Strafgeld. Gründungslokal war die Gaststätte „Vlejefall“ an der früheren Rheinstraße, die heute Rheinbabenstraße heißt. Foncken erklärt mit einem Lachen: „Wir übersetzen mit ,Fliegenfalle`, denn hinter dem Haus stand ein Bauernhof . . . .“

Zahl der Mitglieder
nahm mehr und mehr ab

Mit den Jahren wurde das Durchschnittsalter des Chores immer höher, die Zahl der Mitglieder dagegen geringer. Das Ende der vierstimmigen Linner Gesangsgemeinschaft war abzusehen. Doch dann ergab es sich, dass ein Sänger zu einem Heimatabend des Hülser MGV eingeladen wurde und dort deren Shantychor hörte. Die Herren wagten den Versuch und hatten Erfolg.

„Am 28. November 1996 traten wir auf einer Konzertreise erstmals als Shantychor auf, unsere Geburtsstunde hatte geschlagen. Seitdem zählen wir wieder 45 Mitglieder.“ In dieser Formation singen sie Seemannslieder von Heim- und Fernweh, von schönen Frauen und der Südsee. Und sie treten authentisch in blauen Fischerhemden oder weißem Oberteil auf. Das rote Halstuch darf dabei auf keinen Fall fehlen.

Besonders stolz sind die Sänger auf ihren früheren Komponisten und Dirigenten Hans-Jakob Heuken, der auch als Organist in der Kirche St. Margareta wirkte. „Er wurde später Generalmusiker des Westdeutschen Rundfunks.“

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