Gemeinde : Pax Christi: Die Kunstkirche feiert ihr 40-jähriges Bestehen

Die im Innenraum und parkähnlichen Gelände untergebrachten Werke machen das Gotteshaus einzigartig.

Eine der schönsten Kirchen im Bistum, wenn nicht gar in der ganzen Republik, feiert in diesem Jahr ihren 40. Geburtstag. Pax Christi wurde so sorgsam konzipiert, dass die Erbauung nur rund 930 000 Mark kostete. Was das schlichte Gotteshaus in seiner Strahlkraft so einzigartig macht, sind die im Innenraum und auch im parkähnlichen Gelände zwischen Glockenspitz und Johansenaue wie verstreut untergebrachten Kunstwerke. Rund 40 ausgesuchte Exponate eröffnen den Dialog zwischen Religion und Kunst, zwischen Kirche und Gesellschaft.

Nicht nur die Kunst, auch das rege Gemeindeleben machen den Wert des Gotteshauses aus, dem der oft kantig wirkende Seelsorger und Kurator Pfarrer Karl Josef Maßen über die Jahre hinweg seinen Stempel aufdrückte. Gefeiert wird das Jubiläum an mehreren Terminen während des ganzen Jahres, bis es zum Festgottesdienst am  Sonntag, 27. Oktober, zu „40 Jahren Einweihung Pax Christi“ kommt. „Die Entscheidung für einen neuen Seelsorgebezirk im Bereich der Glockenspitz fiel schon Anfang der 1970er Jahre“, berichtet Pastoralreferent Theo Pannen. „Damals erfolgte in diesem Gebiet eine Bauverdichtung durch die Stadt, es entstand eine ganze Reihe von Häuser und Wohnungen, es zogen viele Leute hierher.“

Das damals genutzte Sportlerheim an der Johansenaue, in dem heute der Schachklub Turm untergebracht ist, wurde für den so genannten Seelsorgebezirk Glockenspitz und die sonntäglichen Gottesdienste zu klein. Pannen: „Es kamen dann noch Teile von Herz Jesu und St. Gertrudis Bockum hinzu, und im Anschluss an die Kirche Zu den heiligen Schutzengeln wurde das neue Gemeindezentrum gegründet. „Zur Grundsteinlegung beschloss der Pfarrgemeinderat den neuen Namen, die Kirche sollte Pax Christi heißen“, ergänzt Brigitte van Beek, die mit ihrem Mann Winfried Mitglied des Gemeinderates ist. „Dass wir in den Besitz derartig hochwertiger Kunstwerke kommen würden, dass die Kirche ein derartiges Kleinod werden würde, war damals nicht zu erkennen.“

Die Scheiben sind einfach
und  schnörkellos

Brigitte van Beek betont die geschlossene und nach vorne, in den Park hinein gerichtete, lichtstarke Architektur, für die Architekt Heinz Döhmen verantwortlich zeichnete. „Der Blick geht nach vorne in die Welt und in die Schöpfungsgeschichte. Deshalb gibt es hier auch keine Buntglasfenster, sondern klare Scheiben rechts und links vom Altar; einfach und schnörkellos.“

Dann kam Pfarrer Karl Josef Maßen, der als Militärseelsorger in Düsseldorf gewirkt hatte. Er wollte mit jungen Leuten ins Gespräch kommen und sah ein Mittel dazu in der Kunst. Pannen: „Er war mit Johannes Cladders, dem damaligen Leiter des Mönchengladbacher Museums Abteiberg, befreundet. Die beiden  hatten die Inspiration, Kunst in die Kirche zu bringen, die die Welt erzählt. Stück für Stück kamen die Exponate zusammen. Maßen lud zu jedem Werk zum Gespräch, zur Begegnung mit der zeitgenössischen Kunst, die auch zum Inhalt so mancher Predigt wurde.“

1980 zogen die ersten Kunstwerke ins Gotteshaus ein: „Chichicastenango“ von Günther Uecker wird auch gerne von den Betrachtern einfach „das Boot“ genannt. Es ist eine Dauerleihgabe des Künstlers und schon einige Male ausgezogen, aber immer wieder an seinen „Heimathafen“ zurückgekehrt. Es war beispielsweise auf der Expo in Hannover und in einer Werkschau des Künstlers im Düsseldorfer Museum K 20 zu sehen.

„Chichicastenango“ ist der Name einer Stadt und der korrekte Titel dieser Arbeit. Uecker hatte sie für den Berliner Katholikentag 1980 geschaffen, auf die Massaker der Diktatoren Ríos Montt und Mejía Víctores hingewiesen, denen die indigenen Völker Guatemalas damals ausgeliefert waren. Die Unmöglichkeit, den Mörderbanden zu entkommen, drückte er in dem durch die Nagelung unbrauchbar gemachten Boot aus und spannte darüber „das weiße Segel der Barmherzigkeit“.

Ebenfalls in diesem Jahr zog das Kreuz von Ewald Mataré aus dem Jahr 1939 in den Kirchenraum. Darunter wurde auch endlich der Altar gesetzt. Eine Spende machte ihn möglich. Der schwere Anröchter Dolomit des Düsseldorfer Künstlers  Ulrich Rückriem bekam seinen festen Platz zwischen den Fenstern.

Reaktion auf die Verhängung
des Kriegsrechtes

Ebenfalls eine Leihgabe ist das wandgroße grünliche Mutter/Hungertuch von Felix Droese im Foyer. Pannen: „Es wirkt nicht nur raumbeherrschend, sondern auch sehr eindringlich. Es ist eine politische Arbeit, entstand als direkte Reaktion auf die Verhängung des Kriegsrechtes im Zusammenhang mit der Solidarnocz-Bewegung in Polen.“

Es ist eine kniende Figur zu erkennen, der Kopf nach vorne geneigt, der Mund geöffnet, der Rücken gekrümmt, erschöpft, von Schmerz gepeinigt. Eine Schere ragt aus dem Kopf. „Mutter/Hungertuch ist ein Schmerzensbild unserer Zeit.“

Brigitte van Beek findet: „Dass zehn Werke draußen in der parkähnlichen Umgebung stehen, lässt uns nicht museal erscheinen.“ Auffällig und eine den Garten der Kirche bestimmende Außenskulptur ist Steig/Výstup von Magdalena Jetelova. Sie kam 2005 zu Pax Christi. Pannen: „Maßen interessierte sich schon lange für die Arbeiten der tschechischen Bildhauerin. 14 Meter ragen die eisernen Stufen in die Höhe und setzen ein gewaltiges Zeichen. Dennoch erscheint die Treppe nicht monumental wuchtig; führt ins Nichts, in den leeren Luftraum.“

Pfarrer Hans Russmann, der Moderator der Seelsorge, weiß, dass es Menschen gibt, die Pax Christi als einen der spannendsten Räume in Krefeld bezeichnen. Er selbst findet, dass ihre Strahlkraft weit über die Gemeinde bis in die ganze Bundesrepublik hinausgeht.

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