So schlimm sind Krefelds Buckelpisten

Selbstversuch : So schlimm sind Krefelds Buckelpisten

Mehr als ein Viertel der örtlichen Straßen ist in einem schlechten Zustand. Die Stadt verspricht Abhilfe. Unsere Redaktion hat sich auf Testfahrt begeben.

Mehr als ein Viertel aller Straßen in Krefeld sind in einem schlechten Zustand. Denn nach Jahren des Nothaushalts und personeller Engpässe gebe es erheblichen Nachholbedarf. Dieses Bekenntnis gab im April 2019 Norbert Hudde, Leiter des Fachbereichs Stadt- und Verkehrsplanung, im Gespräch mit unserer Zeitung ab. Hat sich daran etwas verbessert? Diese Frage stellte sich unsere Redaktion und hat deshalb mehrere Testfahrten kreuz und quer durch das Stadtgebiet unternommen. Auch über Facebook haben wir nach den schlimmsten Buckelpisten der Stadt gefragt. Das Ergebnis lesen Sie hier – ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Wer vom Osten über die Rheinbrücke in die Stadt kommt, wird sich nicht nur über die Baustellenampel auf der Brücke ärgern. Selbst wenn es auf der Berliner Straße später flüssig läuft, der permanente Schwerlastverkehr hat tiefgreifende Spuren hinterlassen. Und zwar buchstäblich: Auf der rechten Spur stadteinwärts sind die Gullydeckel längst nicht mehr auf den Niveau der offensichtlich intakten Asphaltdecke. Die rechten Räder der Autos rutschen dabei bedrohlich tief in die Kuhlen. Selbst Autofahrer, die sonst nicht besonders schlaglochsensibel sind nehmen lieber die linke Spur. Erst auf der Brücke vor der Gleisüberführung und Kreuzung zur Lange Straße endet der Frontalangriff auf Achsen und Stoßdämpfer.

Einem Abenteuer gleich kommt auch die Fahrt über die Oppumer Straße stadtauswärts. Eine Gemengelage aus unterschiedlichen Asphaltaufträgen und Schlaglöchern insbesondere am rechten Fahrbahnrand neben dem Rinnstein sorgen für ein holpriges Fahrvergnügen. Wer die Oppumer Straße von der Sprödentalstraße überquert, hat zudem mit deutlich unterschiedlichen Höhenverhältnissen zu kämpfen.

Der größte Teil der Mariannenstraße ist von extremen Dellen geprägt. Zwischen dem Albrechtplatz und der Dreikönigenstraße reihen sie sich aneinander. Zum Teil sind sie so tief, dass – wenn Autofahrer sie nicht rechtzeitig sehen und abbremsen – ihr Wagen Schaden nehmen könnte. Zum Beispiel auf dem Stück Fahrbahn zwischen der Kirche St. Stephan und der Kreuzung mit der Dreikönigenstraße.

Seit Jahren schon moniert der Bürgerverein Kliedbruch den Zustand des Appellwegs, der unter anderem von den zahlreichen Sportlern des KTSV Preussen Krefeld genutzt wird, die die Hubert-Houben-Kampfbahn erreichen wollen. Von dem Parkplatz vor der Sportanlage ganz zu schweigen, die die Vereinsmitglieder nach Regen als „Seenlandschaft“ bezeichnen.

Ungeklärt ist auch weiterhin, wie es mit der Holperstrecke Schroersdyk weitergeht. Seit Jahren soll die Fahrbahndecke gemacht werden. 2017 hatte es von Seiten der Stadt geheißen, der Ausbau werde noch im gleichen Jahr starten. Bisher sind keine Bagger angerollt. Die Anwohner warten auch noch immer auf eine Bürgerinformation zu den endgültigen Planungen, da sie an den Kosten beteiligt werden sollen.

Ein besonders drastisches Negativ-Beispiel ist die Elisabethstraße zwischen Neue Linner Straße und Schinkenplatz. Diese war zuletzt als Umleitungsstrecke besonders stark befahren, da man von der Philadelphiastraße aus nicht in die Neue Linner abbiegen konnte. Viele Verkehrsteilnehmer merkten erst dann, dass die Innenstadt-Straße eine Holpersrecke ist. Teils kommt das noch unter dem Asphalt liegende Pflaster wieder ans Tageslicht, allüberall finden sich Flicken. Im Moment laufen dort Tiefbauarbeiten.

Ganz schlimm ist auch jede Fahrt über den Flickenteppich der Dorfstraße in Hohenbudberg. Auch Kronenstraße und Bruchfeld fallen unangenehm auf.

Tiefe Schlaglöcher gibt es auf der Gerberstraße. Und darunter leiden nicht nur die Autofahrer. Wie eine Radfahrerin aus dem Redaktionsteam im wörtlichen Sinne erfahren hat, muss man dort höllisch aufpassen, um nicht beim Sturz in einen dieser „Krater“ einen Salto über den Lenker zu machen.

Eine regelrechte Buckelpiste ist jede Fahrt über die Philadelphiastraße. Das Pflaster zwischen den Schienen schüttelt einen während der Fahrt richtig durch, Anwohner leiden seit Jahren unter dem nervtötenden Lärm, der von der Straße in ihre Wohnungen schwappt. Die 5,3 Millionen Euro, die in die Sanierung der Straße investiert werden sollen, sind gut angelegtes Geld.

Krefeld rühmt sich gerne seines Bismarckviertels, mit Grünanlagen in der Mitte und jeweils gegenläufigen Fahrbahnen auf beiden Seiten. Auch hier tun sich Schlaglöcher auf, die im Dunkeln ebenso tückisch für Motorradfahrer und Radfahrer, wie auch Autofahrer sind. Auf den breiten Bürgersteigen darf längst der Fahrbahn geparkt werden. Zahlreiche Barken warnen hier schon seit fast einem Jahr vor losen kleinen Pflastersteinen, die immer zahlreicher und häufiger auf der Fahrbahn landen. Die angekündigte Reparatur ist bislang nicht erfolgt.

Ähnlich ist die Situation auf der Emil-Schäfer-Straße und der Hüttenallee. Seit Jahren weisen Bürger in der Bezirksvertretung Ost auf schlechte Straßenverhältnisse und Gefahrensituationen für Fußgänger, Radfahrer wie auch für Autofahrer hin. Nichts geschieht.

Übrigens: Um den Zustand der Straßen fachmännisch beurteilen zu können, hat die Verwaltung 2015 ein Straßenzustandskataster in Auftrag gegeben. Das Ergebnis ist eine Prioritätenliste, die jährlich im Bauausschuss vorgelegt und als Handlungsauftrag zur Kenntnis genommen wird. Zwei Millionen Euro im Jahr stehen für Straßenerneuerung zur Verfügung. Zuständig ist der Kommunalbetrieb.