Nach Sparpaket: Nächste Krefelder Kirche wird geschlossen

GOTTESHÄUSER: Die nächste Kirche wird geschlossen

Durch den Bistums-Sparkurs landeten vor Jahren katholische Kirchen auf einer roten Liste. Für ihren Erhalt gibt es kein Geld aus Aachen, die Gemeinden müssen Lösungen finden. In Linn wird St. Maria Himmelfahrt zugemacht.

2019 ist für St. Maria Himmelfahrt gleichzeitig ein Jahr zum Feiern und zum Trauern. Die Kirche an der Boedikerstraße in Linn begeht dann ihr 60-jähriges Bestehen und voraussichtlich am gleichen Tag entwidmet wird und es wird Abschied gefeiert. Die Katholische Pfarrei St. Nikolaus – Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) Krefeld-Ost – muss ihr zum Teil denkmalgeschütztes Gotteshaus aufgeben.

Die Reaktionen nach dem Gottesdienst, bei dem Pfarrer Dr. Christoph Zettner die Entscheidung von Kirchenvorstand, GdG-Rat und Gemeinderat Süd zum Abschied von diesem Linner Sakralgebäude bekanntgegeben hatte, seien Bedenken, Trauer und Wut, aber alles in allem „faire Gespräche“ gewesen. Auch für ihn sei das „absolut nicht einfach“, sagt der 61-Jährige, der seit der Fusion der Gemeinden zur Pfarrei St. Nikolaus im Jahr 2010 dort GdG-Leiter ist. „Ich finde das schlimm, sehe aber auch keine andere Möglichkeit. Wir können wütend sein. Aber wen soll ich dafür verantwortlich machen. Es sind einfach die Umstände“, ergänzt Zettner.

Die Heizung ist komplett kaputt, die Orgel stark beschädigt

„Die Heizung ist kaputt, so sehr, dass wir sie laut Installateur auf keinen Fall mehr anmachen dürfen. Und die Orgel hat schwere Schäden, die Blasebälge sind gerissen“, berichtet Zettner. Die Heizung müsse komplett erneuert werden, bei der Orgel ginge es um einen fünfstelligen Betrag. „Das sind beides horrende Summen“, urteilt Zettner. „Vielleicht hätten wir das Geld irgendwie noch zusammenkratzen können und dann noch ein paar Jahre Gottesdienste feiern können“, schränkt Zettner ein. Aber eine solche Investition hätte man den „späteren Generationen“ nicht erklären können.

Vom Bistum gibt es kein Geld mehr für Gebäudeerhaltung

Denn dass man sich von St. Maria Himmelfahrt auf absehbare Zeit trennen müsse, sei immer klar gewesen. Man habe „in Ruhe darauf geschaut, aber nun ist es durch die aktuellen Ereignisse forciert worden“, sagt der GdG-Leiter. Denn für das Gotteshaus wie auch für St. Paul und St. Matthias in der GdG, die ebenfalls irgendwann „umgenutzt“ werden müssten, gibt es kein Geld mehr zur Gebäudeunterhaltung vom Bistum Aachen.

Vor einigen Jahren hatten auch die katholischen Gemeinden in Krefeld entscheiden müssen, welche ihrer Immobilien aus dieser Finanzierung des Bistums herausfallen und welche nicht. Hintergrund waren die Sparmaßnahmen des Bistums, das auf eigener Ebene zusammenstrich, aber auch vorgab: Auf lokaler Ebene muss um 30 Prozent gekürzt werden.

Ein Dutzend Sakralbauten in Krefeld wurden auf eine Art rote Liste gesetzt (siehe Kasten). Für die Gemeinden bedeutet das konkret: Sie müssen entweder alle anfallenden Kosten selbst gestemmt bekommen oder eine andere Lösung, eine gewinnbringende Nutzung finden oder verkaufen. Beispiele für Letzteres sind die teilweise Entwidmung und Umwandlung von St. Elisabeth von Thüringen in eine Grabeskirche oder der Verkauf von St. Franziskus an die russisch-orthodoxe Gemeinde. St. Norbertus war schon vorher in Wohnraum umgewandelt worden, der 2014 bezogen wurde.

Neue Nutzung nicht leicht
– wegen Denkmalschutz

Noch steht das Datum für Jubiläums- und Abschiedsfeier von St. Maria Himmelfahrt nicht fest. Klar ist, die Heizung wird bis dahin nicht mehr laufen. „Die Gottesdienstbesucher müssen sich warm anziehen“, so Zettner. Die fehlende Wärme sei fürs Gebäude selbst „auf lange Sicht gefährlich“. Deshalb müsse es nun mit der Suche nach einem neuen Nutzer „zügig gehen“.

Es sei aber „nicht so leicht, jemanden zu finden, der die zum Teil unter Denkmalschutz stehende Kirche so nutzen kann“. Denkmalgeschützt sind einige der Fenster, die von Georg Meistermann stammen, und Teile der Inneneinrichtung. Die Rumänisch-Griechisch-Katholische-Gemeinde habe vor kurzem Interesse gezeigt, den Unterhalt aber nicht finanzieren können – sie sind seit November in der Kapelle des Marianums untergekommen.

Wohnungen wie in St. Norbertus , ein Hotel im belgischen Mechelen, eine Buchhandlung mit Bistro im niederländischen Maastricht, ein Orgelbauer in Wuppertal, eine Kletterkirche in Mönchengladbach – es gibt viele Beispiele für ehemaligen Kirchenraum, der nun anderweitig mit Leben gefüllt wird. Bei der neuen Nutzung für St. Maria Himmelfahrt hält Zettner alles für möglich, „was im Rahmen bleibt und sozialverträglich ist, also zum Beispiel kulturelle oder karitative Geschichten“.