Nie bereut haben Thomas Zanders und Melanie Struve die Gründung von "Doctor Beat".

WZ-Serie: Neu am Start: Vom Tornado-Cockpit in die Tanzschule

Vor sechs Jahren hat der Major a.D. Thomas Zanders mit seiner Frau Melanie Struve „Doctor Beat“ eröffnet. Den Schritt in die Selbstständigkeit haben sie nie bereut – auch wenn es schwierige Zeiten gab.

Mit 41 Jahren ist Thomas Zanders in den Ruhestand gegangen: Als Waffensystem-Offizier im Tornado-Cockpit konnte der Major nicht mehr länger im aktiven Dienst bei der Bundeswehr bleiben. Einen Schreibtischjob wollte er dort nicht – also ging es mit etwas völlig Neuem an den Start. Gemeinsam mit seiner Frau Melanie Struve, eine gelernte Bankerin, gründete er 2012 die Tanzschule „Doctor Beat“.

Ehemalige Bankerin kümmert
sich um den kaufmännischen Teil

„Wir haben das nie bereut“, blickt die 50-Jährige sechs Jahre später zurück. Obwohl vor allem das erste Jahr ganz schön schwierig gewesen sei: Einen Namen musste sich die neue Tanzschule an der Mevissenstraße 62b in Krefeld erst einmal machen. Nach einem Jahr, so Struve, habe man aber schon schwarze Zahlen geschrieben.

Die Betriebswirtin und Investment-Bankerin hatte damals den Business-Plan des jungen Unternehmens ausgearbeitet und ist bis heute für die kaufmännische Seite verantwortlich. „Ich muss sehen, dass wir am Ende des Monats die Rechnungen bezahlen können und für uns noch etwas übrig bleibt“ sagt sie lächelnd. „Major Tom“ Thomas Zanders, mittlerweile 51, war von Anfang an für den Part des kreativen Tanzlehrers zuständig.

Pädagogische Erfahrungen aus seiner Zeit bei der Bundeswehr, wo er die taktische Erstausbildung leitete, brachte er mit. Die dreijährige Ausbildung zum ADTV-Tanzlehrer hatte Zanders ab 2007 gemacht.

„Wir haben schon früher sehr gerne und viel getanzt“, erinnert sich das Ehepaar. 2005 machte es gemeinsam einen Tanzkurs, später folgten Workshops – vor allem in ihrem Lieblingstanz Lindy Hop, der aus den 1930er Jahren stammt. Von dort war es dann nur noch ein kleiner Tanz-Schritt, das Ganze zum Beruf zu machen.

Heimat von „Doctor Beat“ ist
eine ehemalige Kaserne

Die Heimat ihrer Tanzschule passt gut zur Bundeswehrzeit von Thomas Zanders: Das ehemalige Kino der britischen Kaserne „Bradbury Barracks“ wurde zu einem denkmalgeschützten Tanzsaal umgebaut. Die schöne Location verfügt bei einer Größe von 400 Quadratmetern über viele eigene Parkplätze. 2011 hatte Melanie Stuve sie zufällig entdeckt und sich gleich in das Gebäude verliebt. Bis dann dort im Januar 2012 Eröffnung gefeiert werden konnte, musste viel Zeit in den Umbau und die notwendige bürokratische Vorbereitung gesteckt werden.

Seitdem sei „Doctor Beat“ organisch gewachsen, erzählt Melanie Struve. Zum Angebot gehören Kurse in klassischen Tänzen (etwa Discofox, Cha Cha Cha, Rumba, Tango und Walzer), aber auch Spezialkurse für Lindy Hop, Salsa und Jazz Dance. Kindertanzen ist seit einem Jahr im Repertoire. Hinzu kommen Feiern (Hochzeiten, Geburtstage, Firmenevents), Modenschauen, Moderationen und Comedy-Veranstaltungen.

Vor allem den Bereich Events, Livemusik und Comedy möchten Thomas Zanders und Melanie Struve weiter ausbauen. Zur Verstärkung befindet sich mittlerweile mit Jennifer Görzten eine zweite Tanzlehrerin im Team, die sogar bei „Doctor Beat“ ausgebildet wurde. Ziel ist es dabei nach eigenem Bekunden, eine coole „Gute-Laune-Tanzschule“ zu bleiben, in der man tanzen könne, „bis der Arzt kommt“. Wobei sich die gute Laune nicht immer selbstverständlich einstellt. Gerade Anfang dieses Jahres, so berichtet das Paar, mussten durch mehrere Erkrankungen im Team schwierige Monate überwunden werden.

Wie gesagt: Den Schritt in die Selbstständigkeit haben Melanie Struve und Thomas Zanders nie bereut. „Wir machen das mit total viel Herzblut“, berichtet die Chefin. Deshalb sei man auch bereit, zwölf Stunden und mehr zu investieren.

So viel Geld wie in ihrem frühen Job kann Melanie Struve mit Doctor Beat freilich nicht verdienen: „Mit Tanzen wird man nicht reich“ Aber im frühen Job sei sie „weg von mir selbst“ gewesen. Das ist heute ganz anders geworden. Und ihr Mann Thomas kann immerhin auch sechs Jahre nach dem Ende seiner Bundeswehrzeit sagen täglich sagen: „Ich fahre heute in die Kaserne.“