Tanz mit dem Computer

Die Reihe „Twist“ hat in der Fabrik Heeder mit einem Stück aus den Niederlanden begonnen.

Die neue Kulturbüro-Reihe „Twist - Tanz im Westen“ startete jetzt in der Fabrik Heeder. Kulturbüroleiter Jürgen Sauerland-Freer begrüßte die Gäste und betonte noch einmal den Krefelder Grundgedanken der Reihe: die Vertiefung der Zusammenarbeit mit den Nachbarstaaten Niederlande und Belgien. Johanna Korgel vom Korzotheater in Den Haag, neben dem Brüsseler Tanzproduktionszentrum Les Brigittines Partner für die Fabrik Heeder bei „Twist“, richtete ebenfalls Grußworte ans Publikum.

Sauerland-Freer hatte schon erwähnt, dass es bei der Finanzierung der Reihe „etwas gehakt“ habe. Korgel berichtete von der Tradition des Korzo und seiner derzeit verzweifelten Lage. Das Theater ist stark betroffen von den drastischen Kürzungen im Kulturbereich, die die konservativ-liberale Regierung der Niederlande durchführt. Insbesondere der Bereich der Darstellenden Künste muss Einbußen von cirka 46 Prozent hinnehmen.

Eine Produktion des Korzo Theaters war dann künstlerischer Auftakt von „Twist“. MC Dance nennen Jérôme Meyer und Isabelle Chaffaud ihr Duo, das sich für das Stück „Imagine“ mit dem Softwarekünstler Marcus Graf zusammengetan hat. Graf hat Programme entwickelt, die es den Akteuren Meyer und Chaffaud auf der Bühne ermöglichen, kabellos Bild und Ton zu beeinflussen.

In die Toncollage zum Stück, eine Mixtur aus Ambient, Pop und Einsprengseln aus Tschaikowskys „Schwanensee“, konnten die Tänzer elelekronisch-metallische Akzente setzen, die sie anscheinend durch Armschwünge auslösten.

Ästhetisch ergiebiger war das Zusammenspiel der Akteure mit der animierten Computergraphik, die auf einer großen Projektionswand im Hintergrund, zusätzlich auf mehreren gebogenen und variabel positionierbaren Stellwänden auf der Bühne erstaunlich passgenau zum Einsatz kam.

Da bläst der Tänzer scheinbar einen kleinen Ball in die Projektion, der vermehrt sich und die Schar der Bälle scheint sich durch den Mund in den Tänzer zu ergießen. Die Tänzerin bekommt Flügel aus Licht, die ein verrücktes Eigenleben entwickeln.

Die Lichtspielereien vermochten zwar zu faszinieren, doch auf Dauer blieb nicht verborgen, dass die Form hier schon (fast) der ganze Inhalt war. Oft gingen die Akteure auch buchstäblich im Geflacker unter, die Frage nach dem Sinn der technischen Demonstration blieb inhaltlich unbeantwortet.

Mehr von Westdeutsche Zeitung