In der Alten Post sind Bilder des Jazz-Musikers Sigi Oberlaender zu sehen

Jazz und Kunst : In der Alten Post sind Bilder des Jazz-Musikers Sigi Oberlaender zu sehen

Seine Jugend verbrachte er in Krefeld, seine Witwe hat den Bilderzyklus „Jazz“ dem Verein Kunst und Krefeld geschenkt.

Musik und Kunst waren zwei Passionen von Sigi Oberlaender. Der studierte Ingenieur, der seine Jugend in Krefeld verbrachte und später in Amerika lebte, vereinte seine Begeisterung in seinem Bilderzyklus „Jazz“. Seine Witwe Rosi Oberlaender hat diese Bilder dem Verein Kunst und Krefeld geschenkt. Ab Sonntag sind sie in einer Ausstellung in der Alten Post zu sehen.

Die vierzehn Arbeiten sind in Acryl auf Papier oder Leinwand gemalt. Farbintensiv und von expressivem Gestus zeigen sie verschiedene Jazzmusiker- und Sänger. Darunter sind Legenden wie Charlie Parker oder Billie Holiday. Im Fokus des jeweiligen Bildes steht der Künstler mit seinem Instrument, beziehungsweise einem Mikrofon. Körper und Instrument verschmelzen zu einer Einheit. Die Intensität des Spiels wird in jedem Bild spürbar. Die kräftigen Farben spiegeln die Energie der Musik wider.

Auf einem der Bilder hat Oberlaender die Riverside Jazzband porträtiert. Es handelt sich um jene Band, die er bereits als Jugendlicher in Krefeld gegründet hat. Er selbst spielte die Posaune, sein Zwillingsbruder Heinz spielte Banjo. Weitere Mitstreiter waren Karlheinz Burmeister (Schlagzeug), Horst „Big“ Bergmann (Klarinette), Peter Czepan (Trompete) und Rudi Walde (Waschbrett).

In Oppum gründete Oberlaender die Riverside Jazzband

Als langjähriger Freund und Weggefährte hat sich Walde gemeinsam mit einem weiteren Freund Paul Janßen auch um die jetzige Ausstellung gekümmert. „Er hätte Kunst studieren sollen“, meint Janßen, der zu der Ausstellung auch eine kleine Broschüre über Oberlaenders künstlerische Tätigkeit verfasst hat. Die drei lernten sich über die Jugendarbeit in der evangelischen Kirche in Oppum kennen. Dort gründete Oberlaender auch die Band, die sechs Jahre bestehen sollte.

Der Musiker wurde 1941 in Polen geboren, ist aber nach dem Krieg in Krefeld aufgewachsen. Nach einer Lehre als technischer Zeichner absolvierte er noch ein Studium und machte 1964 einen Abschluss als Ingenieur für Verfahrenstechnik. Dieser Brotberuf führte ihn in die ganze Welt und schließlich dauerhaft nach Amerika.

Auch dort spielte er in mehreren Bands Trompete und Posaune und war Mitbegründer der Band „Main Gags Summer Drops“, die von 2000 bis 2005 in Florida erfolgreich aktiv war. Aus dieser Zeit stammt auch der Zyklus der jetzt gezeigten Jazzbilder. Oberlaender hatte nie eine akademische künstlerische Ausbildung gemacht, verfolgte aber in seiner Freizeit und später in der Phase seines Ruhestandes eine intensive Weiterbildung und probierte sich in verschiedenen Techniken aus.

Neben Porträts malte er auch Stillleben, Landschaften und Blumenbilder. Seine Arbeiten konnte er in vielen Gruppen- und Einzelausstellungen – vor allem in Amerika – zeigen. Oberlaender starb 2012 an den Folgen einer langen Krankheit, gegen die er viele Jahre angekämpft hatte.

In Krefeld, der Stadt in der er sein künstlerischer und beruflicher Lebensweg seinen Anfang genommen hat, sind seine Werke jetzt erstmalig ausgestellt. Oberlaender selbst wollte nicht an den Ort seiner Jugend zurück. „Es war amerikanisiert“, sagt Walde über seinen Freund, den er oft besucht hat. Umso schöner ist es, dass seine Bilder hier jetzt dauerhaft bleiben können.

Die Ausstellung Sigi Oberlaender Jazz wird am Sonntag, 16. Juni, um 11.30 Uhr an der Steinstraße 5 eröffnet. Zur Einführung spricht Rudi Walde. Die Ausstellung ist jeweils Mittwoch und Donnerstag von 15 bis 18 Uhr und Sonntag von 13 bis 16 Uhr geöffnet. Die Werke sind bis zum 28. Juli zu sehen.

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