Krefelder Zoo: Mittagessen mit Flamingos

WZ-SERIE MA(H)L ANDERS ESSEN : Mittagessen mitten im Zoo

Das Café bei den Flamingos bietet mehr als die Gerichte, die Kinder bei Ausflügen lieben – meist aber nur für die Erwachsenen.

Die Beruhigung fürs Gewissen steckt in der Hosentasche. 9153 Schritte zeigt das Smartphone nach der Runde von den Tapiren bis zu den Flamingos und damit zum Buchstaben J auf dem Plan. Der steht für die Zoo-Gastronomie – so wie die 9153 Schritte für die absolute Freiheit bei der Auswahl von der Speisekarte. Die Kalorien wurden schließlich vorher schon verbrannt.

Wer dabei aus Richtung von Jaguar, Tiger und Schneeleopard kommt, dem kann folgender Hinweis helfen: Der Safari-Grill, auf den man dort zuläuft, ist nicht die einzige Möglichkeit, sich Essen für die Terrasse zu besorgen. Aber die erste, die die jüngeren Besucher entdecken. Der Stand bietet das komplette Kinderbeglückungs-Programm einschließlich pink-farbenem Slush-Eis – und ist auch mathematisch höchst dankbar, weil man jede Bestellung mit drei Euro kalkulieren kann.

Die Alternative zu Bratwurst und Hähnchen-Nuggets ist im benachbarten Haus Grotenburg beheimatet. Wo ab Mitte des 19. Jahrhundert die Familie de Greiff ihr Sommerhaus mit Aussichtsturm hatte, ist heute das eigentliche Zoo-Café beheimatet. Das bietet für meteorologisch wenig schöne Tage auch ein paar überdachte Plätze, vor allem aber eine erweiterte Speisekarte für die erwähnte Terrasse.

Das erste Angebot bringt den Gast erheblich in Gefahr, sich selbst zu weiteren 9153 Schritten zu verpflichten. Denn die Torten in der Glastheke sind erkennbar in große Stücke geschnitten und aus dem Sahnespender kommen hörbar Portionen, die die Backwaren mindestens in der Höhe übertreffen.

Also lieber den Blick nach oben lenken und schauen, was dort für den Spontan-Vegetarier oder den Trotz-all-der-Tiere-immer-noch-Fleischesser geboten wird. Und das ist eben viel mehr, als es sonst in Freizeitparks und sonstigen Ausflugszielen geboten wird: ein paar Nudelgerichte, verschiedene dekorierte Salate, echte Hauptgerichte und die vegetarische Version einer sonst aus Möbelhäusern bekannten schwedischen Spezialität.

Wer rechts an der Theke bestellt und bezahlt hat (für jedes Geschirrstück wird ein Euro Pfand fällig), darf sich auf die linke Seite begeben, zur Futterstelle. So heißt das Fenster, durch das man den Gastronomie-Mitarbeitern einige Minuten bei der Arbeit zugucken kann und aus dem irgendwann die Nummer der eigenen Bestellung schallt.

Für die anschließende Sitzplatz-Suche auf der Terrasse ein weiterer, akustisch nicht unwertvoller Hinweis: Flamingos sind zwar schön anzusehen, all zu nah sollte man aber nicht bei ihnen sitzen. Sie schnattern. Und zwar heftig. An deren Futterstelle und auch im sonstigen Zusammenleben geht es rüpeliger zu als bei den Menschen, und das sorgt für den Lärm. So wird der Gast dann plötzlich zum Fan der neumodischen Fahrstuhlmusik, die in der Nähe des Gebäudes dezent aus den Boxen kommt.

Die Küche kennt ihre Hauptkundschaft offensichtlich gut. Denn die Gerichte sind kindgerecht gewürzt und zugleich so großzügig, dass jeweils ein großer und ein kleiner Gast gut satt werden. Oder eben noch Platz haben, um sich der Waffelkarte und der Kuchentheke zuzuwenden. Spätestens dann wird einem bewusst, warum ein Zoo- und Zoo-Gastronomie-Besuch in diesen Tagen plötzlich ungewohnt entspannt ist: Die Wespen sind weg, Apfelschorle und Stiel-Eis lassen sich plötzlich plagefrei konsumieren.

Die Terrasse mag akkustisch suboptimal liegen, ansonsten aber ist sie von einem absoluten Strategen drapiert worden. Denn direkt daneben liegt ein Spielplatz, der den Nachwuchs für mindestens eine Kaffee-Länge begeistert. Damit bleibt Zeit, darüber nachzudenken, ob man beim nächsten Mal vom Eingang nicht einfach die Abkürzung über den Holzsteg bei den Bienen nimmt und das Schrittezählen einfach lässt.

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