Den Krefelder NS-Tätern auf der Spur

Gedenkstätte : Den Mittätern auf der Spur 

Das NS-Dokumentationszentrum sucht nach privaten Nachlässen.

Das Dokumentationszentrum über den Nationalsozialismus möchte sich künftig noch mehr den Tätern und Mittätern aus Krefeld widmen. Dafür setzt die Gedenkstätte in der Villa Merländer an der Friedrich-Ebert-Straße auch auf die Mithilfe der Bürger. Allen voran Leiterin Sandra Franz, die sei 1. März dieses Jahres die Geschicke des Hauses führt. „Was ist auf lokaler Ebene passiert? Was ist auf alltäglicher Basis geschehen?“, fragt Franz.

Die Zeit vergeht, nicht nur die Opfer, sondern auch die Täter sind in die Jahre gekommen, viele sind bereits gestorben, auf beiden Seiten gibt es nicht mehr viele Zeitzeugen. Leute, die vielleicht Täter in ihrer Familie hatten, werden gebeten, der Ausstellung Nachlässe zur Verfügung zu stellen. Das können Bilder sein, alte Zeitungsartikel, Ausweise, Lebensmittelkarten oder gar Tagebücher. Wollten Familien auf die Namensnennung verzichten, sei das kein Problem. Franz: „Wir wollen niemanden an den Pranger stellen. Es geht für uns darum, auch Tätergeschichten besser zu ergründen. Wir wissen aber auch, dass der Begriff Täter nicht einfach einzugrenzen ist.“

Die Namen der großen Verbrecher sind bekannt. Aber auch die kleinen Mittäter, diejenigen, die das System der NS-Diktatur mit ihrer Mitarbeit gestützt haben, die mitgeholfen haben im Krefelder Alltag, stehen im Blickpunkt. Eine andere Frage könnte auch sein: „Wie ist die Jugend eingebunden worden. Wie ist sie instrumentalisiert worden?, fragt Franz. Neben den Tätern aber sollen auch weitere Opfergruppen in der Dauerausstellung bedacht werden: Neben Juden und Kommunisten auch Zwangssterilisierte, Homosexuelle – Frauen wie Männer – Sinti und Roma.

Der Pogrom vor 80 Jahren steht im November im Mittelpunkt

Das Programm hält in den nächsten Wochen allerhand bereit. Ferienworkshops am 15., 16. und 17. Oktober, in denen Jugendliche selbst Ausstellungstücke herstellen sollen. Noch bis Freitag ist die Anmeldung möglich. Im November steht dann die Erinnerung an das Pogrom im November 1938 an, ein Konzert am 6. November und Stolperstein-Rundgänge durch Cracau am 6., 13., und 18. November. Am 8. November ab 18.30 Uhr wird in einer Feier im Jüdischen Gemeindezentrum an der Wiedstraße der Opfer der Pogromnacht gedacht. Zudem wird es im kommenden Monat Lesungen und Vorträge am 14./15. November geben rund um das Pogrom vor 80 Jahren. Und auch im kleinen Filmsaal der Villa Merländer wird gespielt. Unter anderem der Kurzfilm „Anrath“, in dem ein pensionsreifer Gestapomann eine Jüdin auf dem Fahrrad von Anrath nach Krefeld bringt. Weitere Infos:

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