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Krefeld-Hüls wurde zur Trödel-Hochburg

Krefeld-Hüls : Hüls wird zur Trödel-Hochburg

Über 250 Teilnehmer machten mit und öffneten zum zweiten Mal Haus und Hof. Mit Los-Aktion unterstützte man das Theater „Blaues Haus“.

Ganz Hüls, so scheint es, ist an diesem sonnigen Samstag auf der Jagd nach Schnäppchen unterwegs. Mit Fahrrad und Bollerwagen oder zu Fuß fahren und schlendern wahre Menschenscharen beim zweiten „Privaten Haus- und Hoftrödel“ von Orbroich bis Schützenhof, von Legoland bis Hubertushof. Viele wollen auch nur plaudern oder einen neugierigen Blick in blühende Hinterhöfe werfen, die für Passanten sonst im Verborgenen liegen.

Am Wochenende hätte eigentlich der Bottermaat stattgefunden

„Waren es bei der ersten Aktion im vergangenen Jahr noch 80 Teilnehmer, können die Besucher nun über 250 Punkte anlaufen“, freut sich Klaus-Dieter Ohlig, der im Vorstand sowohl des Werberings als auch des Bürgervereins sitzt, die beide als Veranstalter zeichnen. „Wir haben die Koordination übernommen und die Veranstaltung beworben. Sonst ist in diesen Zeiten jeder Teilnehmer für sich selbst verantwortlich.“ Demnach gibt es nirgendwo etwas zu essen oder zu trinken. Dafür müssen die AHA-Regeln, Atemschutz, Hygiene und Abstand, eingehalten werden. Damit hat keiner ein Problem. Alle freuen sich auf das Angebot, das anstelle des eigentlichen Bottermaat-Wochenendes – am dritten Sonntag im September - stattfindet; Bottermaat fällt wegen Corona aus.

Das Wetter passt – wie immer. Die Leute sitzen draußen in den Cafés und genießen. Renate Stenmans und Nadine Lewanschkowski fragen nach einem Flyer, auf dem die grünen Anlaufpunkte verzeichnet sind, und gehen mit großer Tasche und kleinem Geld ab Marktplatz, Richtung Konventstraße, los. „Wir suchen nichts Bestimmtes, sondern werden verstaubte Schätze suchen und Spontankäufe tätigen. Wir lassen uns inspirieren. Für den Garten geht immer etwas.“ Auch sie wollen schöne Höfe besuchen.

Luftballons deuten den Weg in die Toreinfahrt von Reyes Vega und Lebensgefährtin Karin Petrick. „Es ist eine schöne Idee, den Bürgern etwas anzubieten“, findet der Hausherr. „Es ist schade, etwas wegzuwerfen, was andere gebrauchen können. Ramsch ist nicht dabei, sondern Spiele und Bilderbücher der Enkelkinder, Rasenmäher, glitzernder Modeschmuck, Nagellack und Kleidung.“ Alles wechselt für einige wenige Euro – auf Verhandlungsbasis – den Besitzer. „Bald ist Weihnachten“, sagt Petrick. „Die Enkelkinder werden vom Erlös profitieren.“

Monika Albers ist dort auf der Suche nach einem Kettcar für den Enkel. Stattdessen hat sie bisher fünf Spielzeug-Kühe erstanden. „Mein Enkel liebt diese Tiere über alles“, erzählt sie. Marc Buchholz ist mit seiner Frau Bianca, Tochter Malou im Bollerwagen und Sohn Banne im Kinderwagen, samt Hund Caspar, unterwegs. „Wir suchen ein Einstiegfahrrad für Malou und die typischen Kindersachen, die man immer braucht“, berichtet er und erklärt auch: „Es ist super, quer durch Hüls zu schlendern. So lernen wir gleichzeitig die Nachbarn besser kennen, kommen ins Gespräch.“

Die Unterhaltung mit den Leuten mag auch ein 47-jähriger Hülser Besucher Am Hagelkreuz gerne. Dort hat sich eine kleine Trödel-Hochburg mit 15 Teilnehmern gebildet. „Es entspricht nicht der deutschen Kultur vor der Haustüre zu sitzen und zu erzählen“, findet er. „Dies ist auch eine andere Art des Trödelns als es sie auf einem kompakten Flohmarkt gibt“, findet er. „Hier fahre ich einige Kilometer auf dem Fahrrad.“ Ein Deko-Zapfen für den Garten aus Beton fährt ab Am Hagelkreuz mit.

Michael Cunen bietet zum zweiten Mal seine Waren auf großen Tischen vor dem Haus an. „Es ist eine schöne Veranstaltung, so lautete das Feedback im vergangenen Jahr. Alle sind freundlich und gut drauf, dass es sowas gibt. Die Geschäfte gehen gut, hier im Kreis der Nachbarschaft“, sagt er und lächelt. Kindermöbel und -kleidung, Porzellan, Gegenstände aus Steingut und auch rot-gold-grün leuchtende Advents- und Weihnachtsdeko leuchtet im satten Sonnenschein im Karton.

Verkaufsoffener Sonntag war zuvor abgesagt worden

Kathrin Fuldner, die Vorsitzende des Werberings, ist in ihrem Bekleidungsgeschäft tätig. „Wir haben schon alle Lose verkauft“, berichtet sie. „Sie sind für eine Belüftungsanlage für das Blaue Haus bestimmt, die dort für das Hygienekonzept in Corona-Zeiten benötigt wird“, führt Fuldner weiter aus. Sie habe durch die Trödel-Aktion gut zu tun, viele Kunden würden von außerhalb kommen, berichtet sie weiter.

„Es ist ein kleiner Ersatz für das Bottermaat-Wochenende und den verkaufsoffenen Sonntag. Die Stadt Krefeld hatte die Genehmigung dafür wieder zurückgezogen, da die Gewerkschaft Verdi mit Klagen gedroht, und in anderen Städten vor Gericht gewonnen hat“, sagt Fuldner und ergänzt zum Schluss: „Hüls lebt.“