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Elektrobusse für Krefeld?

Mobilität : Elektrobusse für Krefeld?

Stadtwerke haben eine Woche lang ein leises, umweltfreundliches Fahrzeug getestet

Busse haben an der Umweltbelastung in den Städten einen nicht unbedeutenden Anteil. Das wurde in der Debatte um Feinstaub und Fahrverbote deutlich. Die Städte stehen unter Druck, hier zu Reduzierungen zu kommen. Dabei wurde der von der Krefelder Busflotte verursachte Stickstoffausstoß, so sagt es Dorothee Winkmann, Sprecherin der Stadtwerke, in der Zeit von 2010 bis 2018 bereits um zwei Drittel gesenkt. Mit Hilfe der bislang zehn eingesetzten Hybridbusse. Diese Busse – sieben weitere davon sind bestellt – haben einen Elektromotor, der auch die beim Bremsen entstehende Energie umwandelt, um sie dann beim immer wieder notwendigen Anfahren zu nutzen. So wird der Verbrennungsmotor unterstützt und der Schadstoffausstoß reduziert. Die weiteren der insgesamt 98 Krefelder Stadtwerke-Busse sind Diesel-getrieben.

Getestet wurde im normalen Linienverkehr der 057 und 051

Jetzt ist ein Exot hinzugekommen, dieser rollte jetzt eine Woche lang zu Testzwecken. Aber durchaus im Praxisbetrieb mit ganz normalen Alltags-Passagieren. Seit dem vergangenen Montag haben die SWK einen reinen Elektrobus getestet. Auf den Linien 057 und 051. Geprüft wurde unter anderem die Alltagstauglichkeit im Linienverkehr, vor allem im Berufs- und Schülerverkehr, weil dann ja auch die Belastung des Fahrzeuges am größten ist. Wie ist die Reichweite? Durch welche äußeren Faktoren wird sie beeinflusst? Wann muss der Bus zurück an die Stromtankstelle, wie lange dauert das Aufladen? All das wurde getestet.

Busse wie der „Citea SLF-120 Electric“ der niederländischen Firma VDL sind und waren zwar auch schon anderswo im Einsatz, so dass es entsprechende Werte geben dürfte. Doch diese sind nicht so leicht vergleichbar. Einsatzort und -bedingungen spielen eine große Rolle. In hügeligen Gebieten sind die Bedingungen anders als in einer niederrheinischen Stadt. Im dichten Stadtverkehr sind sie anders als bei Überlandfahrten. Auch die Intervalle, in denen immer wieder gebremst und angefahren werden muss, spielen eine Rolle. In Krefeld sind es manchmal nur 300 bis 400 Meter von einer Haltestelle zur nächsten. „Eben daher ist es wichtig, den Bus hier unter unseren Bedingungen zu testen, um valide Ergebnisse zu bekommen“, sagt Winkmann. Und um auf dieser Basis dann zu entscheiden, ob solche Elektorbusse in die Stadtwerke-Flotte übernommen werden.

Dabei spielen natürlich auch die Kosten eine Rolle. Während die Hybridbusse der Krefelder Busflotte rund 300 000 Euro pro Stück kosten, sind es bei einem Elektrobus 650 000 bis eine Million Euro. Noch liegen keine Ergebnisse des einwöchigen Tests vor, es gebe aber durchaus schon Reaktionen von Fahrgästen, über die die Busfahrer berichtet haben, sagt Winkmann.

Kameras sollen Sicherheitsgefühl der Fahrgäste steigern

Positiv hätten sich einige über die leise Fahrweise geäußert. Negativ sei aufgefallen, dass nicht so viele Fahrgäste Platz finden. Während ein normaler Bus 39 Sitzplätze und 55 Stehplätze hat, sind es bei dem getesteten Elektrobus nur 30 Sitzplätze und ebenfalls 55 Stehplätze. Die größeren Gelenkbusse der Stadtwerke (dies sind 69 der insgesamt 98 SWK-Busse), haben sogar 47 Sitzplätze und 110 Stehplätze.

An Bord des getesteten Elektrobusses sind vier Videokameras. Solche gibt es allerdings auch in den anderen städtischen Bussen. Weil der Busfahrer nicht den Überblick über den Fahrgastraum haben kann, sollen die Kameras das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste steigern, sagt Winkmann. Damit könnten dann auch Täter bei Vandalismus überführt werden.

Die Sprecherin weist darauf hin, dass die Stadtwerke auch über den Einsatz von wasserstoffgetriebenen Bussen nachdenken. Daran werde zurzeit noch gemeinsam mit der Hochschule Niederrhein geforscht. Bisher gebe es dafür nur wenige Prototypen, auch müsse dann ebenso wie beim Elektrobus eine Infrastruktur für die „Betankung“ neu geschaffen werden.