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Hans-Jürgen Mertens setzt sich in Krefeld für das Sportabzeichen ein

„Das Sportabzeichen hält mich jung“ : Hans-Jürgen Mertens setzt sich in Krefeld für das Sportabzeichen ein

Hans-Jürgen Mertens, ehemaliger Handballer, ist neuer Obmann für das Deutsche Sportabzeichen in Krefeld und will das Amt mit Leidenschaft ausfüllen

„Das sind ganz schön große Schuhe, die da vor mir stehen“, sagt Hans-Jürgen Mertens. Man könnte mit den Worten eines Lehrers wie ihm auch sagen: Seine Aufgabe ist durchaus anspruchsvoll, gemessen an den Taten seines Vorgängers. Im März hat Rolf Haferbengs seine Tätigkeit als Obmann für die Deutschen Sportabzeichen im Stadtsportbund nach 15 Jahren abgegeben. Mit ihm lag Krefeld in den vergangenen sieben Jahren bis zur Corona-Pandemie mit über 7500 absolvierten Prüfungen pro Jahr an der Spitze aller Städte in Nordrhein-Westfalen. In keiner Kommune des Landes erhielten mehr Menschen den Orden des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) ausgehändigt als in der Seidenstadt. Krefeld als Sportstadt mit einer sportbegeisterten Bevölkerung? Diese Botschaft ließ sich immer gerne werbewirksam transportieren.

Mertens will auch die Digitalisierung vorantreiben

Haferbengs’ alter Bekannter Hans-Jürgen Mertens ist ihm nun ins Amt nachgefolgt und will vor allem an die Arbeit seines Vorgängers in den Schulen anknüpfen. „Ich fände es gut, diese hohen Ziele wieder zu erreichen“, sagt der Fischelner Mertens, der mit seiner Frau im südlichsten Stadtteil lebt und auf der Bezirksportanlage an der Kölner Straße seit 2016 auch schon als Prüfer für die Sportabzeichen in Erscheinung getreten war. Mertens ist gewiss kein Neuling in seinem Metier.

Haferbengs hatte den 65-Jährigen empfohlen, sein Erbe anzutreten und die erfolgreiche Arbeit weiterzuführen. Beide Männer kennen sich seit über 45 Jahren, der Handball brachte sie einst zusammen. Beide arbeiteten später als Sportlehrer. Jens Sattler, Geschäftsführer des Stadtsportbundes, sagt zur Personalentscheidung: „Er ist ein super Mann, der mit seiner offenen und freundlichen Art den eingeschlagenen Weg weitergehen kann.“ Durch seine Anstellung am Berufskolleg Glockenspitz bringe Mertens die nötige Nähe und Affinität zu den Schulen mit, habe den richtigen Draht zu seinen Kollegen, um auch weiterhin junge Menschen und die Lehrerschaft für die Erlangung des Deutschen Sportabzeichen motivieren zu können. Mertens’ erstes Anliegen sei die Öffnung und Nutzung der Sportanlagen. Er will aber auch die Digitalisierung vorantreiben, um Kontakte schneller zu ermöglichen. Auch den Schulen will er persönliche Besuche abstatten, um dort für die höchste Auszeichnung abseits des Wettkampfsports zu werben.

„Wir wollen nicht weiter abfallen bei den Zahlen“

Mertens, der in diesem Sommer in Pension geht, ist schon früh mit dem Sportler-Orden in Berührung gekommen. Zum ersten Mal schaffte er als junger Mann zu seiner Studienzeit in den 1970er Jahren die Abnahmeprüfung. Bis heute sind 19 weitere Auszeichnungen hinzugekommen. Der diplomierte Bauingenieur spielte Handball beim CSV Marathon und später in Aachen für Borussia Brand. Seine beiden Söhne kickten zwölf Jahre Fußball beim VfR Fischeln. Mertens war zudem viele Jahre Geschäftsführer beim Radsportverein Staubwolke Fischeln. Radfahren und Laufen zählen noch heute zu seinen liebsten ausgeübten Sportarten, beim Thema Schwimmen muss Mertens mit seiner Antwort etwas zögern. „Das mache ich eigentlich nur im Rahmen der Abzeichen.“ Der baldige Pensionär will sich nicht auf sein Altenteil zurückziehen, sondern das Ehrenamt vorleben: „Ich finde es nicht gut, dass Leute sich zurückziehen, wenn sie Know-how besitzen.“ Vielmehr sollten sie sich fragen: Was kann man zurückgeben an die Gemeinschaft? „Ich freue mich auf die Aufgabe. Das hält mich jung“, sagt Mertens.

Immer noch machen Schüler den überwältigenden Löwenanteil an den Abnehmern der Deutschen Sportabzeichen in Krefeld aus. In der Altersgruppe von 20 bis 45 Jahren gäbe es dagegen kaum Absolventen, es sei denn, sie bräuchten die Ehrenplaketten für den Beruf. „Da fehlt einfach die Freiwilligkeit“, sagt Hans-Jürgen Mertens. Erst bei älteren Menschen nehme die Bereitschaft dann wieder zu. Der 65-Jährige sieht die Mundpropaganda als unerlässlich an, um die mittleren Altersgruppen für die Sportabzeichen zu gewinnen. Kinder und ihre Eltern, der persönliche Ehrgeiz, es einem Freund oder Freundin gleichzutun.

Das erste Halbjahr 2021 mit den langen Verboten und Schließungen der Sportanlagen war nicht förderlich im Sinne der Sportabzeichen. „Das ist schade. Wir hatten nur wenige Rückläufer.“ So hofft er auf die Prüfungen an den Schulen bis zu den Herbstferien und die Hilfe der Lehrer, noch weitere Schüler für die Auszeichnungen zu begeistern. Dann wäre sein erstes gestecktes Ziel schon fast erreicht: „Wir wollen nicht weiter abfallen bei den Zahlen“, sagt Mertens.

Auch im laufenden Jahr will er mit dem Stadtsportbund noch verstärkt angreifen, was die Abnahme der Prüfungen angeht. Und das wäre sicher ganz im Sinne Rolf Haferbengs’, der ihm die großen Schuhe da hinterlassen hat.