Ein letzter Tanz im Krefelder Kultclub „Meilenstein“

Nachtleben : Ein letzter Tanz im Krefelder Kultclub „Meilenstein“

Der Club „Meilenstein“ am Hauptbahnhof in Krefeld schließt nach 15 Jahren. Die Besitzer wollen etwas anderes machen.

Angefangen hat alles mit einem roten Reißverschluss auf weißen Grund. So warb das Meilenstein am Krefelder Hauptbahnhof auf einem Flugblatt im Dezember 2003 für seine Eröffnungsfeier. Schlicht und bescheiden im Stil gehalten, mit Datum und Uhrzeit. Das war´s. Nun, 15 Jahre später, geht diese Ära im Krefelder Nachtleben zu Ende. Am 18. Januar schließen die Pforten mit einer großen Abschlussfeier. Es wird ein Einschnitt in die Club-Landschaft sein. „Es war eine Hammerzeit. Wir haben das Nachtleben mit geprägt“, sagt Isayas Tedla mit etwas Wehmut, neben seinem Bruder Ermias Tedla und Hakan Kaplan Mitinhaber der Meilenstein GmbH.

Das Meilenstein avancierte ab 2003 neben dem Tribehouse in Neuss, das 2009 schloss und unter dem neuen Namen „102 Club“ in 2010 wiedereröffnete, zu den meist angesagten Clubs in NRW für Elektro-Musik. Bis zu 700 Gäste fanden Platz. In den 15 Jahren gaben sich viele bekannte Künstler die Ehre: Westbam, Samy Deluxe, Sydney Youngblood, Fedde Le Grand, Fanta Vier, Mousse T, Toccadisco oder auch Paul Kalkbrenner neben weiteren legten dort auf.

Mehr als eine Generation von Partygästen ging ein und aus. Hakan Kaplan, Ermias und Isayas Tedla brachten zudem ihre Erfahrung aus sieben Jahren mit dem kleineren Uno-Club an der St.-Anton-Straße und mit Events im Südbahnhof mit ein, als sie 2003 das Meilenstein in den Hallen der alten Bahnhofsgaststätte eröffneten. Die Schließung fällt in eine Zeit, in der es Großraumdiskotheken und größere Clubs allgemein schwerer haben als in den Hochzeiten der 1970er, 80er und 90er Jahre. Wo die Nachtschwärmer oft nur noch durch Veranstaltungen angesprochen werden, im Gegensatz zu Sportsbars und Restaurants, die gut laufen. 2017 schloss bereits die Diskothek Königsburg. Weniger Jugendliche, viele Angebote.

Zu den Gründen für das Aus des Meilensteins sagt der 46-jährige Isayas Tedla: „Die Welt verändert sich. Wir sind älter geworden. Wir wollen mehr in Richtung ruhige Gastronomie gehen.“ Die drei Inhaber haben längst Familien gegründet, wollen nach über zwei Jahrzehnten mit langen Nächten bis zum Morgengrauen andere Wege einschlagen. Am Standort soll ein neuer Club unter neuem Inhaber öffnen, so das Ziel. Die Gespräche mit Nachfolgern laufen.

Die junge Generation müsse mit neuen Gesichtern, Lösungen und Reizen angesprochen werden, findet Ermias Tedla, 48, der über das Ende sagt: „Man braucht Veränderungen. Nach all den Jahren entwickeln sich auch die Persönlichkeiten.“ In den vergangenen Jahren seien die Top-Künstler zudem mehr und mehr unbezahlbar geworden, sagt sein Bruder Isayas. Sie, die früher die Clubs bespielten, zögen mittlerweile die Festivals vor, füllten mitunter auch Stadien. Das Meilenstein versuchte es in der Folge mehr mit Mainstream, daneben immer wieder Themen-Partys. „Die Nachfrage ist etwas gesunken“, sagt Isayas Tedla: „15 Jahre mit einem Namen. Da muss etwas her, was Lust auf Neues macht.“

Das absehbare Ende der Club-Szene? So weit will Ermias Tedla nicht gehen: „Clubs sind etwas für Junge und Junggebliebene. Es wird immer Clubs geben, wo getanzt und angebandelt wird.“ Und so freut sich das Trio auf den letzten großen Abend und Tanz am 18. Januar im Meilenstein. Der letzte Flyer ist schon gedruckt: „Goodbye Meilenstein“. Eine Danksagung an die Künstler und Djs dieser Ära. 600 Zusagen für die Party habe es am ersten Tag der Veröffentlichung schon bei Facebook gegeben. Ermias Tedla: „Es wird ein letztes Wiedersehen nach den langen Jahren.“