Wo Kinder in Düsseldorf die Welt der Kunst und Kultur entdecken

Kinderspielhaus : Wo Kinder die Welt der Kunst und Kultur entdecken

Das Kinderspielhaus in Flingern feiert in diesem Jahr sein 40-jähriges Bestehen. Die Jugendfreizeiteinrichtung setzt auf Kulturangebote und schafft Berührungspunkte zu bekannten Künstlern.

Auf der Dorotheenstraße donnert der Verkehr auf vier Spuren durch die Stadt, auch die meisten anderen Straßen in Flingern bieten nur wenige Freiflächen für Kinder. Vor 40 Jahren entstand deshalb die Idee, einen Indoorspielplatz für Kinder zu schaffen. „Es sollte eine Kinderfreizeiteinrichtung mit dem Schwerpunkt Kultur werden“, sagt Joachim Wagner. Er hat das Kinderspielhaus bis Ende 2018 geleitet. Jetzt konzentriert er sich auf seine Arbeit als bildender Künstler. „Damals war es neu, Kultur und Jugendarbeit zu verbinden“, sagt Wagner, der das Konzept mit dem ehemaligen Bürgermeister Günter Karen-Jungen (Grüne) entwickelte. Das Kinderspielhaus war die erste Einrichtung dieser Art in Düsseldorf.

Die sozialen Schichten haben sich gemischt

Zunächst waren aber viele Familien in Flingern froh, dass es einen Ort für ihre Kinder gab, so Wagner. In dem dichtbesiedelten Viertel wohnten Ende der siebziger Jahre viele marokkanische und türkische Familien mit zahlreichen Kindern auf wenig Raum. „Die Galerie im Kinderhaus gab es von Anfang an und viele bekannte Künstler wie Jean Claude und Christo haben hier ihre Werke ausgestellt“, sagt Wagner. Das habe auch Eltern aus anderen sozialen Schichten ins Kinderspielhaus gebracht.

„Dadurch ist in den vergangenen Jahrzehnten eine gute Mischung gelungen. Die Besucher des Hauses spiegeln die Bevölkerung in Flingern komplett wider“, findet Wagner.

Hinter den Mauern des Kinderspielhaus kann man auch heute noch den Lärm der Stadt hinter sich lassen. Schon der Flur mit Graffiti auf gelben Untergrund zeigt, dass das Kinderspielhaus ein Raum für Kinder ist. Auf einer Fläche von 2000 Quadratmetern befinden sich ein Werk- und ein Kreativraum, eine Kinderdisco, eine Küche und die sogenannte „Zockerlounge“. „Die wird aber nur zwei Mal in der Woche für eine bestimmte Zeit geöffnet“, berichtet Lina Hoffmann, Sozialpädagogin und stellvertretende Leiterin der Einrichtung.

Der Fokus liege darauf, lieber gemeinsam zu spielen. Der große Saal im Obergeschoss bietet nicht nur eine Alternative für Tage mit schlechtem Wetter. Hier steht auch eine Bühne, auf denen Kinder ihren Eltern Theaterstücke oder Tänze präsentieren.

Im Sommer spielt sich das Leben vor allem im Garten des Kinderspielhauses ab. Der etwa 1000 Quadratmeter große Innenhof ist durch die umstehenden Wohnblöcke vor dem Straßenlärm geschützt und wirkt wie eine Oase in der Großstadt. Hier können sich die Kinder im Bambusdschungel verstecken, Fußball spielen, die Riesenrutsche hinunterrutschen, Obst und Gemüsebeete bepflanzen oder sich im Sommer im Wasserstrudel erfrischen. „Wir haben den Garten mit den Kindern zusammen geplant und bieten ihnen hier auch Rückzugsorte“, sagt Hoffmann.

Schwerpunkt ist der kultur- und kunstpädagogische Ansatz

Täglich besuchen etwa 100 Kinder im Alter zwischen 6 und 14 Jahren das Kinderspielhaus. Nach der Schule kommen Schüler aus den umliegenden Grundschulen zur Hausaufgabenbetreuung, ab 14 Uhr öffnet der offene Bereich, der sich an alle Kinder richtet. Sie können aus verschiedenen Angeboten wie zum Beispiel Kochen, Werken oder Töpfern wählen. Schwerpunkt ist der kultur- und kunstpädagogische Ansatz.

„Wir wollen die Kinder nicht nur beschäftigen. Sie sollen ihren Horizont erweitern, Neues ausprobieren und über sich hinauswachsen“, sagt Lina Hoffmann. Die Kinder könnten aber täglich entscheiden, ob sie bei einem Angebot mitmachen wollen oder ob sie lieber mit ihren Freunden spielen wollen.

Das Kinderspielhaus ist ein Ort, an dem Kinder aber nicht nur große Spiel- und Erlebnismöglichkeiten haben, sie finden hier auch einen sicheren Rahmen und in den Sozialpädagogen Ansprechpartner. „Die Kinder besuchen das Haus über einen langen Zeitraum. Es ist toll, dass wir die Kinder beim Aufwachsen begleiten können“, sagt Lina Hoffmann. Und die Bindung bleibt häufig bestehen: Viele Erwachsene, die als Kinder ihre Freizeit im Kinderspielhaus verbracht haben, schauen immer mal wieder vorbei oder bringen heute ihre eigenen Kinder vorbei.

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