Wie eine Düsseldorferin zur Inhaberin einer Ballettschule wurde

Ballett : Düsseldorferin lebt den Traum von der eigenen Ballettschule

Lia Rosenthal wollte Bühnentänzerin werden, doch ihr Körper machte ihr einen Strich durch die Rechnung. Heute besitzt die 35-Jährige zwei Ballettschulen, eine davon hat sie gerade erst in der Carlstadt eröffnet. Sie möchte zeigen: Ballett ist viel mehr als nur ein Leistungssport.

Es war der Nussknacker. Tschaikowsky, der schon so vielen kleinen Mädchen den Einstieg in die Welt des Balletts ebnete, schaffte es auch bei der fünf Jahre alten Lia. Die getanzte Geschichte, die mitreißende Orchestermusik, die fließenden, grazilen Bewegungen und die prachtvollen Kostüme hypnotisierten sie. Heute, knapp 30 Jahre später, leitet Lia Rosenthal zwei Ballettschulen. Die erste hat sie 2015 übernommen, die andere vor kurzem an der Bastionstraße eröffnet. „Ich wollte unbedingt etwas komplett selbst auf die Beine stellen. Etwas, das 100-prozentig von mir kommt“, sagt sie. Mit einer eigenen Ballettschule in der Carlstadt habe sie sich ihren Kindheitstraum erfüllt.

Dabei hatte die Halb-Japanerin zunächst ganz andere Pläne. Nach den ersten Jahren im Kinderballett, bei dem der Spaß im Vordergrund stand, intensivierte sie das Training, um später einmal auf der großen Bühne ihr Geld zu verdienen. „Mit 17 habe ich jeden Tag drei Stunden trainiert, um mich auf die Aufnahmeprüfungen an den Hochschulen vorzubereiten“, sagt sie. An drei Schulen durfte sie schließlich vortanzen, aber nicht an allen führte es zu dem begehrten Ausbildungsplatz. An einer der drei Schulen überzeugte sie zwar beim Vortanzen, aber bei der anschließenden physiotherapeutischen Untersuchung hieß es dann: leider doch nicht. „Meine Körperhälften sind nicht ganz gleich. Der Körper ist das Instrument. Und das Instrument muss gestimmt sein“, sagt sie und überspielt mit einem Lächeln gekonnt die Enttäuschung von damals.

Die junge Tänzerin ließ sich nicht entmutigen und begann ihr Studium in München an der Iwanson International School of Contemporary Dance. Doch schon nach einem Jahr machte ihr Instrument nicht mehr mit. „Ich bekam Probleme mit den Gelenken. Das verunsicherte mich total“, erinnert sie sich. Sie brauchte eine Pause vom Tanz und beschloss, die Zeit sinnvoll zu nutzen. Bei Aigner machte sie eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau. „Ich habe in dieser Zeit das Tanzen sehr vermisst“, sagt sie. „Der Einzelhandel – das war nicht meins.“

Das Unterrichten brachte den Spaß am Tanzen zurück

Um den Körper nicht zu strapazieren und doch gleichzeitig mit dem Tanz den Lebensunterhalt zu verdienen, ging Lia Rosenthal einen Weg, den viele Tänzer nach Verletzungen oder der Bühnenkarriere gehen: Sie unterrichtete in einer Ballettschule. „Das machte mir so viel Spaß. Ich war wieder in meinem Element“, sagt sie und strahlt. Beim deutschen Institut für Tanzpädagogik bildete sie sich fort, studierte schließlich Tanztherapie und angewandte Tanzpsychologie in Münster.

2015 wagte Lia Rosenthal den großen Schritt und übernahm die Ballettschule in Meerbusch, in der sie bereits unterrichtete. „Ich wollte einen Schritt weiterkommen und mich natürlich auch für die Zukunft absichern“, sagt sie. „Selbst wenn man im Alter vielleicht selbst nicht mehr so viele Stunden unterrichten kann, so kann man zumindest noch die Leitung übernehmen.“

Knapp vier Jahre später kommt nun die zweite Ballettschule hinzu. „Ich wollte unbedingt ein eigenes Baby. Nicht nur ein Stiefkind“, sagt sie. Und unbedingt in der Carlstadt. Der Stadtteil, der sie schon immer magisch anziehe. „Hier gibt es so viele Galerien, das Stadtmuseum, das K21 ist gleich um die Ecke. Gefehlt hat immer nur eine Ballettschule.“

An der Bastionstraße 9, wo bis zum Umzug in den Medienhafen jahrzehntelang die Düsseldorfer Likörfabrik Peter Busch Hochprozentiges der Marke Killepitsch gebraut hat, später eine Galerie und dann ein Concept Store einzogen, können heute in zwei Tanzsälen wöchentlich mehr als 20 Kurse abgehalten werden. Neben Ballett für alle Altersgruppen werden auch Jazz Dance und Pilates angeboten. Die Schule liegt im Hinterhof. Die Räume sind puristisch, aber mit Liebe zum Detail gestaltet. Mädchenhafte Accessoires sind zurückhaltend platziert. „Ein bisschen Mädchen muss sein“, sagt die 35-Jährige und lacht. Damit die Ballettschule einziehen konnte, mussten Wände eingezogen und begradigt werden. Vor allem beim Boden wurde nicht gespart: Den sogenannten Tanzteppich hat Rosenthal doppelt verlegen lassen. „Er gibt leicht nach. Das schont die Gelenke“, erklärt sie.

Lia Rosenthal ist sich sicher, mit ihrer Ballettschule in der Carlstadt eine Lücke geschlossen zu haben. Und die Anmeldezahlen geben ihr recht. Nach wenigen Wochen sind viele Kurse bereits gut gefüllt, einer ist sogar schon ausgebucht. Zu Rosenthals Überraschung und Freude ist das nicht der klassische Kurs für Kinder, sondern einer für Erwachsene. „Die meisten Erwachsenen denken sonst immer, um Ballett zu machen, muss man mit fünf Jahren angefangen haben. Aber das ist natürlich Quatsch“, sagt sie. Der Einstieg sei jederzeit möglich. Ballett sei perfekt, um Stress abzubauen und sich nur auf seinen Körper zu konzentrieren. „Durch die Detailarbeit mit und am Körper im Zusammenspiel mit der Musik bleibt kein Raum für andere Gedanken“, sagt sie.

Diese „Auszeit“ vom Alltag kann sich aber nicht jeder leisten: Die Preise beginnen bei 55 Euro im Monat für eine Kursstunde in der Woche. Bei drei Kurseinheiten pro Woche verringert sich der Stundenpreis auf 30 Euro.

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