Stadt schließt Abriss der Theodor-Heuss-Brücke in Düsseldorf nicht aus

Überlastetes Bauwerk : Die Stadt schließt den Abriss der Theodor-Heuss-Brücke in Düsseldorf nicht aus

Die Theodor-Heuss-Brücke in Düsseldorf ist alt und kann das aktuelle Verkehrsaufkommen kaum noch stemmen. Wie es jetzt mit dem überlasteten Bauwerk weitergeht – die wichtigsten Fragen und Antworten.

Die Stadt muss das Verkehrsaufkommen auf der Theodor-Heuss-Brücke einschränken, da das Bauwerk aus dem Jahr 1957 laut aktuellen Berechnungen überlastet wird. Was das für die Zukunft der Brücke heißt, ist noch offen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

In welchem Zustand ist die Brücke? Laut Stadt gibt es „altersbedingte Schäden, einige sind auf eine erhöhte Verkehrsbelastung zurückzuführen“.  Erste Sanierungsschritte waren geplant, jetzt wartet die Stadt auf die Ergebnisse einer umfänglichen Analyse.

Wie wird der Verkehr eingeschränkt? Ab sofort dürfen keine schweren Lkw mit einem Gewicht von 30 Tonnen und mehr auf der Brücke fahren. Außerdem gilt ein Überholverbot für Laster, genehmigungspflichtiger Schwerlastverkehr bekommt keine Erlaubnis mehr.

Wie hat sich der Verkehr auf der Brücke entwickelt? 1962, fünf Jahre nach Eröffnung, waren es noch 18 000 Fahrzeuge pro Tag. 1980 überquerten schon 41 000 Autos und Lkw die Brücke, im Jahr 2000 – unmittelbar vor Eröffnung der Rheinbrücke A 44 – waren es sogar 95 000. Eine Verkehrszählung im Jahr 2016 ergab 72 500 Überquerungen.

Wie ist die Überlastung ermittelt worden? Nicht nur in Düsseldorf werden zurzeit viele ältere Brücken untersucht, ob sie den gestiegenen Verkehrsbelastungen noch standhalten. Dazu dient die im Jahr 2011 vom Bundesministerium vorgelegte „Richtlinie zur Nachrechnung von Brücken im Bestand“. In Düsseldorf beschloss die Politik die Analyse im Jahr 2016.

Wieso hat die Berechnung der Belastung drei Jahre gedauert? Die Stadt verweist auf den komplexen Prozess mit „Vergabe, umfangreichen Grundlagenermittlungen, statischen Berechnungen in mehreren Vertiefungsstufen“. Die Stadt sagt sogar, dass die Berechnung zeitintensiver sei als die „ Errichtung einer neuen Rheinbrücke“.

Was waren die Ergebnisse der Berechnung? In Bezug auf die Standsicherheit des im Strom stehenden Brückenteils treten laut Stadt „Spannungsüberschreitungen von bis zu 70 Prozent auf“, lokale Überschreitungen von lediglich 24 Prozent sind laut beauftragtem Ingenieurbüro allerdings für einen vorübergehenden Zeitraum tolerabel.

Wie laufen die Untersuchungen weiter? Die Stadt will sich ein noch genaueres Bild vom Zustand und von der Haltbarkeit der Brücke verschaffen. Abgewartet werden soll zunächst die noch ausstehende Untersuchung der links- und rechtsrheinisch an Land stehenden Teile der Brücke. Ergebnisse soll es Mitte 2020 geben. Zudem werden an relevanten Bauteilen so genannte „Dehnungsmessstreifen“ angebracht, um laut Stadt in einem Monitoringverfahren zu ermitteln, „ob und in welcher Größe die errechneten Spannungsspitzen tatsächlich auftreten“. Dazu wird es auch Probebelastungen geben, mit Hilfe von Lkw-Gewichten. Der Befund soll im dritten Quartal 2020 vorliegen.

Zur Sicherheit werden die Kontrollen der Brücke verstärkt, vor allem von sensiblen Tragwerksteilen. Konkret heißt das, dass häufiger Begehungen stattfinden, womit gegebenenfalls auftretende Ermüdungsschäden frühzeitig erkannt werden sollen.

Sind weitergehende Überfahrungsverbote denkbar? Ja, das hängt vom Verlauf der weiteren Untersuchungen ab.

Wird die Brücke saniert oder sogar neu gebaut? Das will die Stadt noch nicht beantworten und verweist auf ausstehende Untersuchungsergebnisse. Allerdings schließt sie auf explizite Nachfrage unserer Redaktion auch nicht aus, dass die Brücke abgerissen und neu gebaut werden muss.

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