Sicherheitskontrollen: Das Philadelphia Orchestra in Düsseldorf

Sicherheitskontrollen: Das Philadelphia Orchestra in Düsseldorf

Das Philadelphia Orchestra spielte mit Hélène Grimaudin der Tonhalle. Unter strengeren Sicherheitsvorkehrungen als gewöhnlich.

Düsseldorf. Zu den glücklichsten Paarungen des gegenwärtigen Klassik-Betriebs gehört die Verbindung zwischen dem Philadelphia Orchestra und dem kanadischen Dirigenten Yannick Nézet-Séguin. Der junge Chefdirigent, der sich zunächst als Leiter der Rotterdamer Philharmoniker einen exzellenten Namen gemacht hatte, stieg mit dem neuen Posten vor wenigen Jahren in die Weltspitze auf, dirigiert er doch nun federführend eines der US-amerikanischen „Big Five“.

(Solistin des Abends war Pianistin Hélène Grimaud. Foto: Mat Hennek)

Und Nézet-Séguin stellt unter Beweis, dass er mehr als würdig ist, Meistern wie Leopold Stokowski, Wolfgang Sawallisch, Christoph Eschenbach und Charles Dutoit nachzufolgen. Zugleich energisch und differenziert dirigierte er nun in der Tonhalle. Auf dem Programm standen Kabinettstücke der deutschen Romantik: das Erste Klavierkonzert d-Moll von Johannes Brahms, Robert Schumanns Vierte Symphonie und die Tondichtung „Don Juan“ von Richard Strauss. Den Solopart im Brahms-Konzert übernahm die französische Star-Pianistin Hélène Grimaud.

Außergewöhnlich war nun nicht nur die Besetzung des Konzertabends, sondern auch die sicherheitstechnischen Rahmenbedingungen. Vor dem Haupteingang fanden Kontrollen von Taschen statt, in die mit Taschenlampen geleuchtet wurde. Links und rechts vom Konzertpodium nahmen zwei streng in den Saal blickende Herren Platz. Das gab es noch nie in der Tonhalle. Aufklärung verschaffte Burkhard Glashoff, Geschäftsführer der veranstaltenden Konzertagentur Heinersdorff: Im Rahmen der Tournee des Orchesters sei es in einer Stadt zu lautstarken Protesten während der Aufführung gekommen. Denn das Philadelphia Orchestra macht auch Station in Israel, was wohl Israel-Kritiker veranlasst habe, die Veranstaltung zu stören.

In Düsseldorf störte niemand. Offenbar waren alle Anwesenden ausschließlich der Musik willen im Saal. Los ging es mit Brahms. Hélène Grimaud spielt das d-Moll-Konzert schon lange. Vor rund 20 Jahren war sie schon einmal als Solistin dieses Werkes in der Tonhalle, damals noch ziemlich am Anfang ihrer Karriere. Und das Stück passt zu ihr. Die zierliche Frau lässt es hier ziemlich krachen. Diabolische Oktav-Triller und mächtige Akkordarbeit bewältigt sie mit eindrucksvollen Kraftreserven. Die lyrische Stimmung im Mittelsatz überbringt sie mit sehr innigem Ausdruck.

Pianistin und Orchester sorgen gleichermaßen für starke Plastizität. Bereits die dramatische Orchestereinleitung besaß in der Darbietung durch das Philadelphia Orchestra enorme Durchschlagskraft. Nicht minder mitreißend gelang Schumanns „Vierte“. Gerade hier erwies sich Yannick Nézet-Séguin als ausgefuchster Gestalter. Die von Schumann auskomponierten Tempo-Steigerungen setzt der Dirigent perfekt in Szene. Wunderbar gelingt dies vor allem im Finalsatz. Schnell und schneller geht es hier zu. Aber der Schluss-Akkord muss wieder eine gewisse Gesetztheit besitzen. Und genau hier zeigt sich, wie genau der Kanadier arbeitet und eine Punktlandung nach der anderen macht.

Der Abend endet glanzvoll mit Strauss, jenem Orchester-Zauberer, dessen Werke einen Konzertsaal mit irisierendem Schönklang fluten. Ein Luxus-Apparat wie das Philadelphia Orchestra liefert bei Strauss freilich das große Gesamtpaket mit sahnigem Wohlklang, technischer Brillanz und virtuoser Agilität. Dass den wetterfühligen Hörnern an jenem schwülen Mai-Abend mancher Kiekser unterläuft, geht in der Fülle musikalischer Wohltaten gnädig unter. Rauschender Beifall.