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Roncalli: Poetisches Spektakel ohne Stallgeruch

Roncalli: Poetisches Spektakel ohne Stallgeruch

Das neue, tierlose Programm „Storyteller“ wurde bei der Premiere im Düsseldorfer Rheinpark bejubelt. Pferde gibt es nur noch als Hologramm.

Düsseldorf. Wenn Bernhard Paul in der Vergangenheit angesprochen wurde, was Roncalli von der große Konkurrenz Cirque du Soleil hält, war der Unterschied in einem Satz gesagt: „Bei uns riecht es nach Manege“. Doch bei der Premiere im Düsseldorfer Rheinpark riecht nichts mehr. Jedenfalls nicht mehr nach Pferd. Ganz verschwunden sind die Tiere, die immer eines der Markenzeichen des poetischen Spektakels waren, allerdings nicht. Als Hologramme dürfen sie noch teilnehmen. Das Ende der Premiere im Rheinpark war dann ganz wie immer: Tosender Jubel im Festzelt, danach durften die Zuschauer mit Clowns und Artisten Walzer tanzen.

Was die Roncalli-Fans erlebten, könnte ein Blick in die Zirkus-Zukunft gewesen sein. Da galoppierten Pferde per Hologramm rund um die Manege und trafen auf ein lebensecht aussehendes Exemplar, in dem zwei Akrobaten steckten. Auch in den Zirkuselefanten stecken mit Hamza Benini und Moustapha Niasse zwei Menschen, die normalerweise als Koch und Kellner im Zirkus-Café arbeiten. Wer mit Roncalli unterwegs ist , muss eben sehr flexibel sein

„Storyteller“ hat Bernhard Paul sein neues Programm genannt, mit dem er den Zirkus nach 42 Jahren mal wieder neu erfinden will. Dass die poetische Reise in eine fremde Welt ganz ohne die beliebte Pferdenummer stattfindet, gefällt nicht allen. Zeitgeist muss keineswegs heißen, alle Traditionen, einschließlich des Stallgeruchs, über Bord zu werfen.

Aber vieles bleibt dann doch so, wie man die Roncalli-Fans es lieben. Akrobaten wie Haitao Kong treiben es auf die Spitze und ihren Stuhlturm fast bis zur Zirkuskuppel, um darauf ihr Können zu demonstrieren. Mit den ikarischen Spielen und am Trapez scheint das Gesetz der Schwerelosigkeit für die Cedenos Brothers nicht mehr zu gelten. Wild wirbeln die Südamerikaner durch die Lüfte.

Akrobatik der Spitzenklasse bietet auch Bernhard Pauls Tochter Vivian gemeinsam mit ihrer Partnerin Natalia Rossi, die sich für ihre Luftdarbietung einen funkelnden Kronleuchter ausgesucht haben. Über eine ungeheure Fingerfertigkeit verfügt Magier Mike Chao, wenn er Bälle und Karten ganz nach Belieben erscheinen und verschwinden lässt.

Im Mittelpunkt des neuen Programms stehen wieder einmal die Clowns. So zieht Weißclown Gensi mit zwei Dudelsack-Clowns in die Manege. Ihren Schabernack mit dem Publikum treiben auf höchst sympathische Weise Eddy Neumann und Anatoli Akermann. Sehr romantisch zeigt sich Paolo Carillon mit seinem Hunde-Roboter und der außergewöhnlichen Geliebten. Neu in der Roncalli-Manege ist Chistirrin aus Mexiko, der sich fast angstfrei auch ans Trapez wagt. Für Begeisterung sorgt zudem Comedian Kai Eikermann, der als vermeintlicher Zuschauer von Beatboxer Robert Wicke zum Tanzen gebracht wird.

Zur Premiere gab sich die Düssseldorfer Lokalprominenz die Ehre, darunter Schauspielerin Jenny Jürgens, Leo Lietz, Gründer der unvergesslichen Lords, Sportreporter-Legende Heribert Faßbender, Musiker Paul Falk, NRW-Innenminister Herbert Reul und Oberbürgermeister Thomas Geisel.

Ob die eingefleischten Roncalli-Fans sich in der Welt des „Storytellers“ zurecht finden, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Der Zirkus gastiert noch bis zum 24. Juni im Rheinpark. Tickets gibt es an der Kasse und im Internet.