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Rheinkirmes: So anstrengend ist der Einsatz als Kellner im Bierzelt

Rheinkirmes: So anstrengend ist der Einsatz als Kellner im Bierzelt

Im Teil zwei des Kirmes-Selbsttestes ist WZ-Mitarbeiter Andreas Krüger Gläserblitz. Dabei geht er an seine Grenzen.

Düsseldorf. Nachdem ich festgestellt habe, dass das Backen von Fischbrötchen zwar eine Menge Spaß macht, aber wahrscheinlich nicht meine zukünftige Lebensaufgabe sein wird, teste ich im zweiten Teil meines Kirmes-Praktikums meine Fähigkeiten als Gläserblitz. Und zwar bei Thea Ungermann in der Schumacher Scheune. Wir kennen uns schon lange, aber irgendwie ist es doch etwas anderes, wenn man als Mitarbeiter bei ihr arbeitet. Ich wusste bisher gar nicht, dass sie auch so streng sein kann.

Foto: Andreas Krüger

Natürlich bekomme ich von Thea Ungermann erst einmal eine Einweisung. Dann gebe ich eine Autogrammstunde, denn ich muss den Erhalt der Dienstkleidung quittieren, dass ich die Sicherheitsanweisungen verstanden habe und noch diverse andere Papiere. Und dann gibt die Chefin noch eine Ansage mit auf den Weg. „Bis 22 Uhr herrscht hier striktes Alkoholverbot!“ Ich trau mich noch ganz kurz die Frage zu stellen: „Und wenn die Gäste mir einen ausgeben?“ Die Antwort ist knapp und präzise: „Was an dem Satz ’Striktes Alkoholverbot bis 22 Uhr’ ist so schwer zu verstehen?“ Okay, damit ist eigentlich alles gesagt. Aber trotzdem denke ich so bei mir, wenn man im Bierzelt arbeitet, ohne dabei ein Bier trinken zu dürfen, das ist ja ungefähr so, als wenn man ans Meer fährt, ohne schwimmen zu dürfen.

Doch bevor ich mich an mein Werk mache, stärke ich mich erst einmal am Personalessen. Fast 40 Mitarbeiter werden täglich mit warmen Essen versorgt. Heute gibt es Roulade mit Erbsen, Möhren und Salzkartoffeln. Und das schmeckt richtig lecker.

Das Zelt ist ziemlich voll und neben leeren Gläsern liegt auch ständig etwas auf den Tischen, was abgeräumt werden muss. Dazu in der rechten Hand das Tablett mit Gläsern. Das liegt übrigens nach einem kleinen Rempler von einem Gast zum ersten Mal nach 15 Minuten auf dem Boden. Aber ich habe Glück, nur drei Gläser standen darauf und eins bleibt auch noch ganz. Also erst mal den Besen holen und aufkehren. „Mach dir nichts draus, das passiert jedem, wenn er neu in dem Job ist“, meint Kellner Pascal. Ich bin froh, dass die Gläser nicht voll waren, denn das hätte ich dann selbst bezahlen dürfen.

Aber nach einer Stunde tut mir schon der Arm weh und mein Rücken macht sich auch bemerkbar. Ich frage mich, wie die Kellner das so viele Tage und Stunden aushalten. Der Respekt in mir vor deren Leistung steigt minütlich mit meinen Schmerzen.

Inzwischen hat mich Ex-Karnevalsprinz Günter Korth entdeckt. Der macht mit seinem Verein, den Düsseldorfer Radschlägern, einen Kirmes-Bummel. Erst ein ungläubiger Blick und die Frage: „Hast du den Job gewechselt?“ Dann hält er mir ein Bier unter die Nase, doch ich muss leider ablehnen. Dabei wird man bei knapp 40 Grad im Zelt ganz schön durstig. Aber es ist nur der Wasserverbrauch, der bei mir stark ansteigt. Aber weil Günter gerne und viel redet, schafft er es nicht, auch nur eine meiner Runden mit dem Tablett unkommentiert zu lassen und mir einen lockeren Spruch mitzugeben.

(Als Gläserblitz hat man in der Schumacher Scheune bei der „Großen Kirmes am Rhein“ eine Menge Aufgaben. Foto: akrü)

Ein Junggesellinnen-Abschied feiert auch im Zelt. 15 sehr hübsche junge Damen bitten mich, ein Foto zu schießen. Das lass ich mir doch nicht zweimal sagen. Aber auch deren Bier muss ich leider dankend ausschlagen.

Dann treffe ich Carsten Gossmann, den Karnevalsprinzen der vergangenen Session. Wir haben gut und gerne zusammen gearbeitet und ich freue mich, ihn zu sehen. Wir quatschen und quatschen und auf einmal steht die Chefin hinter mir und fragt süffisant: „Hast du nichts zu tun?“ Natürlich wartet eine Menge Arbeit auf mich. Aber ich muss auch noch zuschauen, wie die beiden gemütlich ein Bierchen trinken - ohne mich.

Thea Ungermann war am Ende meiner Schicht zufrieden mit mir. „Du bist ganz gut bei den Gästen angekommen“, lobt sie. Und sie fragt mich, ob ich am Donnerstag noch mal wieder kommen könnte. Aber da bin ich schon von der Niederkasseler Tonnengarde eingeladen - in der Schumacher Scheune. Außerdem, wenn ich ehrlich bin, ist der Job echt anstrengend.