Nach der Randale im Rheinbad: Sicherheitsdienst für die Bäder?

Polizei : Nach der Randale im Rheinbad: Sicherheitsdienst für die Bäder?

Polizei sieht sich nicht in der Pflicht. Bäderchef Kettler zieht den Vergleich zu Einsätzen beim Fußball.

Gleich zweimal wurde das Rheinbad am Wochenende zum Erlebnisbad. Es waren allerdings Erlebnisse, die sich Familien mit Kindern lieber erspart hätten, denn der Badebetrieb wurde jeweils mit einem Großeinsatz der Polizei beendet. An beiden Tagen war eine Gruppe von mehreren hundert jungen Männern so aggressiv, dass sich die Leitung des Rheinbades zur Räumung entschloss. Nun wird darüber nachgedacht, ob wie in anderen Städten Sicherheitsdienste engagiert werden. „Ich halte aber nichts von einem Schnellschuss“, erklärte Roland Kettler, Geschäftsführer der städtischen Bädergesellschaft.

Das war geschehen: Am Samstag war ein türkischer Familienvater mit Jugendlichen in Streit geraten, nachdem er sie „Nafris“ (eigentlich ein polizeiinterner Begriff für nordafrikanische Intensivtäter) genannt hatte. Die Auseinandersetzung schaukelte sich so hoch, dass die Familie plötzlich durch eine Horde von etwa 400 aggressiven jungen Männern eingekreist war und bedroht wurde. Als die Polizei die Familie aus dem Bad begleiten wollte, wurde sie von den Jugendlichen beleidigt und mit Wasserkartons beworfen. Zeugen hatten ausgesagt, dass die Jugendlichen der Sprache nach vermutlich arabischer oder nordafrikanischer Herkunft waren. Wegen des Tumults stellte die Polizei keine Personalien fest.

Neben dem Bademeister wird kein Polizeibeamter sitzen

Am Sonntag wiederholte sich die Szenerie. Diesmal hatten sich zwei deutsche Familien im Rheinbad geprügelt, es wurde eine Strafanzeige erstattet. Als die Bäderleitung Hausverbote durchsetzen wollte, kam es wieder zu einer Konfrontation mit den Jugendlichen. Um 19.15 Uhr wurde das Bad erneut von der Polizei geräumt. Später wurden am Kennedydamm zwei Badegäste aus dem Iran festgenommen, weil sie Polizeibeamte beleidigt haben sollen.

Die Polizei sieht sich bei der Sicherheit der Bäder nicht in der Pflicht. „Es wird nicht so sein, dass wir dort Streife gehen oder dass neben dem Bademeister ein Polizeibeamter sitzt“, erklärte Polizeisprecher Kim Freigang. Es handele sich um ein privates Gelände und dies sei Aufgabe des Betreibers, also der Bädergesellschaft. Natürlich greife die Polizei ein, wenn es wie am Wochenende zu gefährlichen Situationen kommt.

In den anderen großen Bädern war es voller und friedlich

Roland Kettler wiederum erinnert daran, dass die Polizei auch bei Fußballeinsätzen mit viel Personal zur Verfügung steht: „Wir arbeiten schon intensiv zusammen. So wird unser Personal gemeinsam mit der Polizei ausgebildet.“ Er zweifelt daran, dass ein Sicherheitsdienst am Wochenende gegen die mehreren hundert Jugendlichen etwas hätte ausrichten können. Trotzdem will die Bädergesellschaft jetzt darüber nachdenken.

Kettler sieht das Problem in der Klientel, die sich im Rheinbad versammelt. Denn in den anderen großen Bädern war es am Wochenende ebenfalls sehr voll, ohne dass es Ausschreitungen gab. Über 12 000 Badegäste waren es in Lörick, am Unterbacher See sogar 19 000. Zum Vergleich: An beiden Tagen zusammen wurden im Rheinbad weniger als 10 000 Besucher gezählt. Es kann allerdings eine Rolle spielen, dass mit Benrath und Flingern gleich zwei Freibäder geschlossen sind und sich mehr problematische Gruppen im Rheinbad treffen.

„Wir haben auch schon mal Probleme. Aber dann sprechen wir die Leute an und regeln das“, so Peter von Rappard, Geschäftsführer vom Unterbacher See. Zu solchen Zuständen wie im Rheinbad sei es bisher nicht gekommen: „Wir haben ein gut gemischtes Publikum. Das liegt vielleicht auch an unserem FKK-Bereich.“ Trotzdem denkt auch er darüber nach, einen Sicherheitsdienst einzusetzen. Das wird auch Thema beim Zweckverband Unterbacher See sein, der Dienstag tagt.

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