Polizei räumt Rheinbad in Düsseldorf - erst am Samstag, dann auch am Sonntag

Räumung : Polizei räumt Rheinbad in Düsseldorf - erst am Samstag, dann auch am Sonntag

Am Samstagnachmittag ist ein Streit zwischen einem Mann und einer großen Gruppe Jugendlicher eskaliert. Und auch am Sonntag musste das Bad frühzeitig mit Hilfe der Polizei geräumt werden.

Großeinsatz für die Polizei am Samstag gegen 17.45 Uhr im Rheinbad in Düsseldorf-Stockum: Ein 53-jähriger Familienvater war mit einer Gruppe Jugendlicher in einen Streit geraten – und die Gruppe wurde immer größer. Am Ende sollen dem Mann mehrere Hundert sich solidarisierende Jugendliche gegenübergestanden haben. Die Polizei konnte beide Lager trennen, jedoch wurde das Freibad geräumt und vom Betreiber früher geschlossen. Bei dem Vorfall am Samstag blieb es aber nicht: Auch am Sonntagabend wurde das Rheinbad früher, ab 19.15 Uhr, geschlossen – wieder mit Hilfe der Polizei.

Was passiert war: Laut Polizei sollen sich zunächst zwei Jugendliche aus der Gruppe in die Haare bekommen haben. Sie rauften sich, und zwar auch über die Decken einiger Unbeteiligter hinweg, so fielen sie beispielsweise über einen älteren Herrn. Als die zwei auf die Familie des 53-Jährigen zustürmten, stellte der sich vor die seinen, der die zwei Jugendlichen dann „wegdrängte oder auch schubste“, so ein Polizeisprecher auf Nachfrage unserer Redaktion. Möglicherweise könnte der Vater die zwei Jugendlichen auch beleidigt haben.

Dann schaukelte die Situation sich hoch: Immer mehr Jugendliche kamen hinzu, solidarisierten sich mit den zwei vorigen Streithähnen und umringten die Familie. Die Polizei spricht von mehreren Hundert Jugendlichen, bis zu 400 sollen es gewesen sein.

Glücklicherweise war die Polizei schon viel früher gerufen worden, nämlich schon aufgrund des Streits der zwei Jugendlichen und einiger Diebstahldelikte, die laut Polizei auch von Jugendlichen begangen sein sollen. So kam es, dass die Polizei genau in dem Moment eintraf, als die Familie den hunderten Jugendlichen gegenüber stand. „Wir haben genau diese Situation im Schwimmbad vorgefunden. Weil wir dann aber sofort eingreifen konnten, ist es nicht zu körperlichen Auseinandersetzungen gekommen“, so der Polizeisprecher. Sogleich sei auch Verstärkung angefordert worden.

Doch zunächst sollen die Jugendlichen – überwiegend männlich – sich von der Polizei nicht zurückdrängen lassen wollen. Die Polizisten sollen aus der Menge heraus „angepöbelt“ worden sein und mit leeren Getränkekartons beworfen worden sein. Daraufhin hat die Polizei auch Pfefferspray eingesetzt, was die Jugendlichen dann „schnell überzeugt“ haben soll und sie zurückweichen ließ.

Der 53 Jährige wurde von Beamten mit seiner Familie aus dem Schwimmbad begleitet. Am Ende entschied sich die Einsatzleitung aber auch, das Freibad zu räumen. Zuvor hatte der Betreiber des Bades angekündigt, das Rheinbad vorzeitig schließen zu wollen, da auch die übrigen Badegäste stark verunsichert gewesen sein sollen, so die Polizei. Die Räumung des Bades verlief dabei weitestgehend störungsfrei. Lediglich ein renitenter Badegast sei kurzzeitig in Gewahrsam genommen worden, teilte die Polizei mit. Um 18.50 Uhr hatten alle etwa 1500 Badegäste das Rheinbad verlassen. Insgesamt waren 63 Polizeibeamten im Einsatz. Es kam zu keinem Sachschaden und zu keinen Körperverletzungen. Es wurde eine Strafanzeige wegen Beleidigung gestellt. Die Liegewiesen im Rheinbad sind durch das Öffnen von Zäunen noch erweitern, was auch am Wochenende der Fall war.

Unsere Redaktion erreichte den Geschäftsführer der Bädergesellschaft, Roland Kettler, telefonisch während seines Urlaubes. Er erklärte, dass es sich bei solchen Vorfällen um Ausnahmen handle, wenngleich derartiges immer wieder vorkommen könne. Deshalb gebe es auch ein ausgefeiltes Personaltraining, um in solchen Fällen deeskalierend einzuwirken. Die Polizei habe einen guten Job gemacht und sehr professionell agiert, resümierte er.

Nach der Räumung des Schwimmbads kam es am Messebahnhof zu einem weiteren Einsatz. Anwohner hatten die Polizei wegen einer Gruppe „aggressiver Jugendlicher“ gerufen. Auch hier kam es weder zu Sachschäden, noch zu Körperverletzungen.

Wie die Polizei mitteilt, ist das Rheinbad auch am Sonntagabend früher geschlossen worden, weil die Leitung des Bades sich aufgrund der „allgemeinen, aufgeheizten Stimmung“ dazu entschlossen hatte. Am Abend hatte es wohl eine Schlägerei unter ein paar Jugendlichen gegeben. Als dann die Polizei eintraf, hätten sich wieder zahlreiche Jugendliche zusammengerottet und die Polizisten bedrängt. Ab 19.15 Uhr sei das Bad dann mit Hilfe der Polizei geräumt worden, um 20 Uhr war der Vorgang noch nicht beendet. Auch sei die Polizei über den Tag immer wieder wegen kleinerer Auseinandersetzungen und Körperverletzungen zum Schwimmbad gerufen worden. Die Bädergesellschaft war am Sonntagabend für eine Stellungnahme, auch zum weiteren Vorgehen, nicht mehr zu erreichen. In Düsseldorf sind wegen Baumaßnahmen derzeit nur zwei von vier Freibädern geöffnet.

(nel/jh/laki)
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