NRW-Innenministerium besorgt über Freibad-Pöbeleien

Düsseldorfer Bad zwei Mal hintereinander geräumt : NRW-Innenministerium besorgt über Freibad-Pöbeleien

Allein das Düsseldorfer Rheinbad wurde zwei Tage in Folge geräumt, weitere Vorfälle gab es in ganz NRW. Man verfolge, ob sich eine Kultur entwickele, heißt es.

In Nordrhein-Westfalen häufen sich derzeit gewalttätige Auseinandersetzungen in Freibädern. Das Düsseldorfer Rheinbad musste am Wochenende gleich an zwei Tagen in Folge vorzeitig geschlossen werden, weil die aggressive Stimmung vieler Badegäste sich derart aufgeladen hatte. Das NRW-Innenministerium ist alarmiert.

Wie berichtet war am Samstag ein türkischer Familienvater im Düsseldorfer Bad in Konflikt mit jungen Männern geraten, in der Spitze sollen sich bis zu 400 – vorwiegend wohl nordafrikanischer oder arabischer Herkunft – zusammengerottet und auch die angerückte Polizei angepöbelt haben. Am Sonntag wurden erneut Einsatzkräfte aggressiv angegangen, als sie im Rheinbad ein Hausverbot gegen junge Störer durchsetzen wollten, berichtet Präsidiumssprecher Kim Ben Freigang.

Bereits zuvor hätten Verantwortliche des Bades Sorge geäußert, weil Familien das Gelände verließen und sich vor allem besagte Männergruppen dort konzentrierten. Schließlich sei die Polizei dann wieder zur Unterstützung gerufen worden, um eine vorzeitige Räumung des Freibades abzusichern.

Personalien, so Freigang, wurden nur außerhalb des Bades von zwei 17-jährigen Iranern festgestellt, welche den Einsatzkräften den Mittelfinger gezeigt hatten. Im Bad selbst sei das aufgrund der Masse an Menschen nicht praktikabel, aber wohl auch rechtlich nicht zulässig gewesen, da das Verhalten des Großteils provokativ, aber nicht strafbar gewesen sei. Zudem hätten die Polizisten sich selbst und die anwesenden Familien angesichts der großen Zahl von Störern schützen müssen. „Einsatzziel war ganz klar Deeskalation“, sagt Freigang. Und das diese durch Maßnahmen wie Identitätsfeststellungen nicht erreicht werde, „auch das ist polizeiliche Erfahrung mit dieser Klientel“.

Die Vorfälle seien „in dieser Qualität neu“ für Düsseldorf, so der Polizeisprecher. Doch ähnliche Begebenheiten häuften sich in den vergangenen Tagen in NRW. Am Wochenende randalierten 16- bis17-Jährige in einem Freibad in Rhede im Münsterland und verhielten sich auch der Polizei gegenüber renitent. In der vergangenen Woche wurden eine Frau und ein Mann in einem Bad im Kreis Soest attackiert, der Mann geschlagen, die Frau in den Bauch getreten.

Am Mittwochabend wurde in einem Gelsenkirchener Freibad ein 23-Jähriger nach einem eskalierenden Streit mit einem Messer lebensgefährlich verletzt, am Dienstag war es in Haltern am Pommes-Stand eines Bades zu einer Massenschlägerei gekommen, am Montag hatte eine Gruppe junger Männer zwei Bademeister und ein zwölf Jahre altes Mädchen in Essen angegriffen.

Innenministerium: In der Pflicht sind die Bäderbetreiber

Im Innenministerium heißt es auf Anfrage, man werde das Phänomen jetzt im Auge behalten: „Man muss sorgsam beobachten, ob sich da eine Kultur entwickelt“, erklärt ein Sprecher. Zwar könne man nicht valide sagen, ob es tatsächlich eine Steigerung gibt, da Freibäder als Einsatz- oder Tatorte nicht statistisch erfasst würden. Aber insbesondere die Vorfälle in Düsseldorf an gleich zwei aufeinander folgenden Tagen seien durchaus „ungewöhnlich“.

Allerdings sei die Polizei erst in zweiter Linie in der Pflicht: „Es gibt jemanden, der im Bad das Hausrecht hat, und der muss erst einmal dafür sorgen, dass es sicher ist“, so der Ministeriumssprecher. Zur Not in jedem Freibad mit privaten Sicherheitsdiensten. „Das ist schade, aber wohl nicht zu ändern.“

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