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Rheinoper: "La Bohème" - Tod im prachtvollen Blumenmeer

Rheinoper: "La Bohème" - Tod im prachtvollen Blumenmeer

Mit Puccinis „La Bohème“ landet die Rheinoper endlich wieder einen Volltreffer.

Düsseldorf. Ein verlorenes Häuflein von Künstlern kauert frierend in einem spartanischen Zimmer ohne sichtbares Dach. Das Rohr eines schwarzen Feuerofens ragt schier endlos in den Himmel von eisigem Blau. Ringsrum herrscht weiß-kalte Leere.

Es ist kein nostalgisches Liliput-Paris, das Regisseur Robert Carsen an der Deutschen Oper am Rhein zeigt. Seine Protagonisten der Puccini-Oper "La Bohème", die ja in der Pariser Künstlerszene spielt, wirken wie Schiffbrüchige auf einem Floß im Nirgendwo.

Herrscht im ersten Akt das winterliche Himmelblau vor, erstrahlt das darauf folgende Bild im Künstler-Café goldorange (Licht: Jean Kalman). Bühnen- und Kostümbildner Michael Levine schafft dafür die Atmosphäre eines Etablissements, wo das Leben der Bohemiens pulsiert. Aber auch hier verzichtet man auf Naturgetreues, also auf das konventionelle Verfahren, eine Nachbildung des Café Momus im Quartier Latin auf die Bühne zu zimmern. Zwei abgetakelte Klaviere werden hereingeschoben, Tische und Stühle angeschleppt - fertig ist der fröhliche Künstler-Treff.

Carsen setzt auf die Synthese aus Konkretem und Abstraktem. Besonders eindrucksvoll gelingt dies im letzten Bild: Die Bohemiens finden sich auf dem Boden ihrer kargen Behausung wieder, diesmal aber inmitten eines Blumenmeers - fast eine Insel der Glückseligen. Die leuchtend zum Vorschein kommenden gelben Narzissen sind aber Frühlings- und Todesboten zugleich. Denn das Los der lungenkranken Mimì soll es sein, den Winter nicht zu überleben.

Neben den eindrucksvollen Bildern macht auch die lebhafte und fein justierte Personenregie diese "Bohème" zu einem bewegenden Erlebnis. Großen Anteil daran hat der Spielleiter Frans Willem de Haas, der die von 1994 stammende und von der Vlaamse Opera Antwerpen übernommene Carsen-Inszenierung für die Rheinoper neu einstudierte.

Auch die Ohren werden verwöhnt: Mit dem jungen italienischen Tenor Giuseppe Varano fand sich eine Idealbesetzung für den Rodolfo. Mit Leichtigkeit und lyrischem Schmelz bewältigt er diese schwierige Partie und erlangt ein strahlendes hohes "C". Die stets umjubelte Nataliya Kovalova als Mimì verfügt nicht mehr ganz über das weiche Timbre vergangener Jahre, manche Höhe gerät etwas starr. Stimmlich zwar dünner, dafür aber blitzsauber in der Intonation: Julia Elena Surdu als kokette Musetta.

Darstellerisch besonders dynamisch agiert der litauische Bariton Laimonas Pautientius in der Rolle des um Musetta eifersüchtigen Marcello. Und aus dem Orchestergraben dringt ebenfalls Erfreuliches. Kapellmeister Giordano Bellincampi entlockt den Düsseldorfer Symphonikern einen wonnigen Puccini-Klang, transparent, sinnlich und kraftvoll. Mit dieser "Bohème" landet die Rheinoper endlich wieder einen Volltreffer.

Inszenierung: 5 von 5 Punkten

Gesang: 4 von 5 Punkten

Orchester: 4 von 5 Punkten