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Wenig Geld und viel Idealismus

Wenig Geld und viel Idealismus

Jubiläum: Vor 15 Jahren gründeten Musiker die Jazz-Schmiede. Heute ist das Programm international.

Düsseldorf. Auftritte für 40 Mark Gage. Über ein Jahr lang sammeln für einen Flügel - hört man heute die Geschichten aus der Gründerzeit der Jazz-Schmiede, dann klingen sie, als sei der Laden uralt. Tatsächlich fand hier im September 1995 das erste Konzert statt. Am Freitag wird der 15. Geburtstag mit einem großen Fest und viel Musik gefeiert.

Zu den Gründungsmitgliedern gehören die beiden Schlagzeuger Peter Weiss und Peter Baumgärtner. Baumgärtner erinnert sich an die späten 80er Jahre in Düsseldorf: "Nachdem das Downtown zugemacht hatte, gab es nicht mehr viel Jazz: ein paar Konzerte im Zakk oder an der Uni." Peter Weiss hält das aber für eine geschönte Darstellung: "Das war hier 1990 Diaspora."

Weiss ist ein Düsseldorfer Jazz-Urgestein. Sein Zusammenspiel mit Wolfgang Engstfeld steuert auf das 40-jährige Bestehen zu, in den 90er Jahren hat er ein paar Jazz Rallys mitorganisiert. Dass es nach dem Downtown in seiner Heimatstadt keine vernünftige Spielstätte mehr für modernen Jazz gab, das fand er "ein bisschen doof".

Weiss nahm also Kontakt zum Kulturamt auf und bat um Hilfe. Mehrere Angebote für Räumlichkeiten lehnte er ab, bis man ihm die fast schon ruinöse Schmiede auf dem alten Jagenberg-Gelände zeigte. Nun war es Zeit für Verstärkung. Weiss - nicht arm an Kontakten - holte Gleichgesinnte mit ins Boot, sie gründeten den Verein Jazz in Düsseldorf.

Die finanzielle Ausstattung war zunächst bescheiden. Über ein Jahr mussten die Mitglieder sammeln, bis sie das Geld für den Flügel zusammenhatten. "Freitags wusste wir manchmal nicht, ob wir die nächste Woche noch überleben." Deshalb standen die Vereinsmitglieder am Anfang häufig selber auf der Bühne, was manche Kollegen neidisch machte: "Die haben vielleicht nicht bedacht, dass wir für nur 40 Mark Gage aufgetreten sind."

Heute ist das Programm sehr international. Und modern, Swing und Dixieland sind kaum zu hören, dafür hat der Verein sich vor einigen Jahren für Weltmusik und Songwriting geöffnet. Dogmatik ist Peter Baumgärtner fremd: "Ich höre auch mal gern Led Zeppelin." Dazu kommen regelmäßige Kleinkunsttermine, um die Auslastung des Hauses zu erhöhen.

Mit der finanziellen Ausstattung ist der Verein noch immer nicht zufrieden. Das Geld reicht nur für eine Vollzeitkraft, Geschäftsführer Lars Wallat, Werbung ist kaum möglich. Ansonsten steckt viel ehrenamtliche Arbeit in der Schmiede., dazu gehörten damals auch die Entwürfe für das Logo und den Umbau. Ist einmal Expertenwissen zum Beispiel in juristischen Fragen gebraucht, kennt der Vorstand sicher jemanden unter den Stammgästen, den man fragen kann.