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Tschechows „Möwe“ das Blut ausgesaugt

Tschechows „Möwe“ das Blut ausgesaugt

Generalintendantin Amélie Niermeyer inszeniert leise und unspektakulär.

Düsseldorf. Der Beginn der neuen Theaterspielzeit in Düsseldorf ist zugleich ein Abschied. Generalintendantin Amélie Niermeyer geht 2011 als Dozentin an die Hochschule für Theater und Musik in Salzburg. Am Samstag läutete sie ihren Weggang mit der Inszenierung "Die Möwe" von Anton Tschechow ein und sagte dem Publikum auf vertraute Weise Lebewohl: leise und unspektakulär.

Von der Tragik unerfüllter Leidenschaften und Talente, von der Unbeweglichkeit gelangweilter Träumer, denen es unter dem Gewicht der Zerstreuungslust nicht gelingt, bis zu ihrer Verzweiflung durchzudringen, erzählt Tschechows Komödie.

Der junge Schriftsteller Kostja (Ilja Niederkirchner), seine Mutter, die berühmte wie exzentrische Schauspielerin Irína Arkádina (Maria Schrader) und deren Liebhaber, Schriftststeller Trigórin (Götz Schulte), verbringen den Sommer auf dem Landgut von Irínas Bruder Sorin (Fritz Schediwy). Dort verliebt sich Kostja in das Mädchen Nina (Natalia Belitski), das Schauspielerin werden möchte und seinerseits Trigórin vergöttert.

Am Ende bleiben alle auf der Strecke, weil sie das Unglücklichsein dem Veränderungswillen vorziehen. Kostja, der nach "neuen Formen" von Kunst und Leben sucht, hält die Schwermut nicht aus und erschießt sich.

Tschechows Stück ist die uralte Geschichte vom Druck schaler Existenz, die in Amélie Niermeyers Inszenierung bloß zu einem flachen Abbild derselben wird. Niermeyer verpasst es, den melancholischen Charakteren eben jenes Maß an Radikalität einzuhauchen, das notwendig ist, damit die seelischen Ödnis der Personen ein ergreifendes und unterhaltendes Moment erhält.

Das Publikum applaudiert bis auf einige Bravo-Rufer verhalten. Für die Premierenfeier reicht die Begeisterung jedoch nicht. Die meisten verlassen das Theater gleich nach der Vorstellung.