Pianist Martin Stadtfeld: „Singen ist ideal fürs gute Hören“

Pianist Martin Stadtfeld: „Singen ist ideal fürs gute Hören“

Pianist Martin Stadtfeld über das Grundschul-Projekt „Singpause“, das er mit einem Konzert in der Tonhalle unterstützt.

Düsseldorf. Zugunsten des Chor-Projekts „Singpause“ an Düsseldorfer Grundschulen gibt der berühmte Pianist Martin Stadtfeld am 3. Mai ein Benefizkonzert in der Tonhalle. Bereits gestern griff er in die Tasten, um Kinder der Singpausen-Klasse der Maxschule zu begleiten.

Herr Stadtfeld, was halten Sie von dem Chor-Projekt an Düsseldorfer Grundschulen?

Martin Stadtfeld: Die „Singpause“ hat mich schon von der Idee her völlig begeistert. In unserer Gesellschaft wird Kindern die Musik regelrecht vorenthalten. Hier können sie im Miteinander etwas Musikalisches schaffen. Es ist so schön und bereichernd, etwas gemeinsam aufzuführen und stolz darauf zu sein, wenn es klappt.

Kann Singen auch das Hören schärfen?

Stadtfeld: Ja, Singen ist die ideale Voraussetzung, um gut und vor allem vielschichtig zu hören. Man kann korrigieren, es immer wieder schöner machen. Das führt letztendlich dazu, ein bewusster, kritischer und fühlender Hörer zu werden.

Haben Sie mal im Chor gesungen?

Stadtfeld: Ja, ganz früher habe ich das getan. Aber ich bin kein guter Sänger, habe dafür nicht die richtige Stimme. Mein Traum war es aber immer, und ist es eigentlich immer noch, einmal Bachs Matthäuspassion mitzusingen, mich bei der Aufführung in der Gemeinschaft von der Musik durchströmen zu lassen. Als Pianist ist man immer einsam auf dem Podium. Da hat man nicht diesen wunderbaren Effekt eines kollektiven Empfindens. Heutige Konzertveranstalter versuchen ja, mit speziell aufbereiteten Reihen Jugend für die Klassik zu gewinnen.

Ein richtiger Weg?

Stadtfeld: Es ist schwierig, ab einem bestimmten Alter noch anzudocken. Das Erweckungserlebnis, dass man sich plötzlich für klassische Musik begeistert, findet oft früh in der Jugend statt. Bei Älteren ist es meist zu spät. Und daher versuchen die Veranstalter, die jungen Leute dort abzuholen, wo sie stehen.

Mit welcher Methode sprechen Sie mit Kindern über Musik?

Stadtfeld: Ich hole die Kinder gerade nicht da ab, wo sie stehen. Ich erzähle etwas über Bach, wie er gelebt und auch gelitten hat und wie sich das in der Musik widerspiegelt. Kinder und Jugendliche sehnen sich nach Geschichten, bei denen sie merken, dass sich auch so jemand wie Bach vor 300 Jahren schon mal einsam fühlte. Die haben dann auch Spaß an einer Fuge, wenn ich sage, dass es da manchmal hoch her geht wie an einem großen Familientisch, wo alle reden und wider reden. Bei Bach zu Hause ging es ja auch richtig rund.

Darf man jungen Hörern auch schwierige Musik zumuten?

Stadtfeld: Auf jeden Fall. Ich mache ja sehr gute Erfahrungen mit Bach. Und ich glaube auch, dass Mahler etwas für Jugendliche ist. Denn gerade junge Menschen wollen etwas erleben, wo es um alles geht.

Bei Ihrem Benefizkonzert spielen Sie Dvoráks Klavierkonzert. Warum wird es so selten aufgeführt?

Stadtfeld: Ich kann mir das mittlerweile selbst nicht mehr erklären. Früher habe ich das Konzert auch einmal nicht so beachtet. Jetzt bin ich ganz vernarrt in dieses Stück. Es besteht aus wunderschönen Melodien und müsste eigentlich ein Gassenhauer sein.

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