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Musikprofessor Alexander Schmalcz „Wir haben eine Krise des Zuhörens“

Musikprofessor Alexander Schmalcz „Wir haben eine Krise des Zuhörens“

Musikprofessor Alexander Schmalcz setzt auf bewusstes Hören bei Liederabenden. Ständiges Gedudel führt zu Passivität, meint er.

Herr Schmalcz, Sie sagen, dass Musik heute allgegenwärtig sei und wir das Zuhören verlernt hätten.

Schmalcz: Das ist noch freundlich formuliert. „Berieselung“ wäre das treffendere Wort. Es ist schon so, dass, wohin man geht, irgendwas gedudelt wird. Die Berieselung führt dazu, dass man Musik oft nur noch als Hintergrund wahrnimmt. Dabei wird Passivität gefördert. Was wir brauchen, ist Aktivität. Wir haben eine Krise des Zuhörens.

Und Liederabende bedürfen besonderer Konzentration?

Schmalcz: Ja, denn gerade der Liederabend ist als vielleicht intimste Form eine ganz persönliche Kommunikation zwischen Künstlern und Publikum.

Ist es entsprechend logisch, dass diese Gattung im heutigen Konzertleben immer seltener auftaucht?

Schmalcz: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Menschen am Ende eines Liederabends immer begeistert sind. Viele Leute sind erstaunt, wie unmittelbar Gefühle und Sehnsüchte angesprochen werden und man damit zur Selbstreflexion angeregt wird. Die Reduzierung auf das Wesentliche in der Musik und Lyrik ist das Besondere an dieser Gattung.

Sie sind nun Professor an der Robert-Schumann-Hochschule, haben aber schon seit 1999 als Lehrbeauftragter im Bereich Liedbegleitung gearbeitet: Was ist jetzt anders für Sie?

Schmalcz: Inhaltlich zunächst einmal gar nichts. Natürlich ändert sich der Umfang der Arbeit, und ich kann, worüber ich sehr glücklich bin, jetzt aktiv die Struktur des Unterrichts und der Studienpläne mitgestalten.

Welche sind das?

Schmalcz: Zum Beispiel, dass die Pianistenausbildung auch in Richtung Lied aufgebaut wird. Jeder Pianist sollte sich ein bis zwei Semester mit dem Lied und damit dem Gesang auseinandergesetzt haben. Zum Einen, weil es wunderbare Literatur ist. Zum Anderen bin ich überzeugt, dass das Singen die natürlichste Form des Musizierens ist und wir davon lernen können, wie man atmet, natürlich phrasiert, Text gestaltet und diesen mit Inhalten erfüllt.

Sie haben sich ja als Pianist aufs Liedbegleiten spezialisiert. Strebten Sie jemals eine Solisten-Karriere an?

Schmalcz: Nein, mein Werdegang ist auch nicht klassisch. Ich war als Jugendlicher im Dresdner Kreuzchor und habe schon innerhalb des Chors Sänger begleitet, beim Einstudieren geholfen, Proben begleitet. Lied und Kammermusik — das wurde dann meine Richtung.

Wie gefällt Ihnen denn das Düsseldorfer Musik- und Kulturleben aus der Sicht eines Experten?

Schmalcz: Düsseldorf hat ein sehr gutes Musikleben, wenn auch leider ohne regelmäßige Liederabende. Aber der eigentliche Reiz für mich ist die kulturelle Vielfalt der Region, dass man auch schnell in der Kölner oder Essener Philharmonie ist.