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Mozart-Oper „Così fan tutte“: Die Welt gerät ins Wanken

Mozart-Oper „Così fan tutte“: Die Welt gerät ins Wanken

Gregor Horres inszeniert an der Musikhochschule die Mozart-Oper „Così fan tutte“.

Düsseldorf. In die moderne Geschäftswelt verlegt Regisseur Gregor Horres Mozarts „Così fan tutte“. Dass dieses dramaturgische Mittel seit den 80er Jahren auf deutschen Opernbühnen nichts Außergewöhnliches ist, stört ihn nicht. „Entscheidend ist, ob ich mit der Übertragung und Interpretation die Kernaussage des Stoffes treffe, den Charakteren, der Geschichte Leben einhauche.“

In der Arbeit mit Studenten, hier mit der Opernklasse der Robert-Schumann-Hochschule, sieht Horres günstige Voraussetzungen, Neues zu wagen. „Junge Sänger denken im Hier und Jetzt und haben einen frischen Zugang zu den Werken.“

Auf die Idee, die Protagonisten als Business-Leute zu zeigen, sei er durch den Film „The Game“ gekommen, sagt Horres. Dort lasse sich ein erfolgreicher Geschäftsmann auf ein abenteuerliches Spiel ein. Sämtliche Konstanten seines Lebens würden Stück für Stück zertrümmert, alles um ihn gerate ins Wanken. „Wir leben, so glaube ich, in einer Welt, wo Schein und Sein immer stärker verwischen“, sagt der Regisseur. Das gehe Hand in Hand mit einem Verlust und einer Suche nach Werten, nach konstanten Säulen.

Nun spielt bei Mozart die Musik zuweilen eine kommentierende Rolle. Man denke nur an das Wind-Terzett in „Così“, wo Don Alfonso, der alle Fäden des Verwirrspiels in der Hand hält, in den melancholischen Trennungsschmerz-Gesang der beiden verlassenen Frauen einstimmt. Das ist komponierte Heuchelei. Opernfachmann Horres hält es für entsprechend notwendig, die Musiksprache mit zu berücksichtigen. Gerade in Mozarts Musik verberge sich viel Psychologie. „Die Musik stellt das in Frage, was im Text behauptet wird.“

„Così“, Mozarts dritte und letzte Kooperation mit Da Ponte, der auch das Libretto für den „Figaro“ und „Don Giovanni“ verfasste, gehört zum Subtilsten, was Mozart für das Musiktheater geschrieben hat. Gesangsstimmen werden so kontrapunktisch geführt wie in den späten Kammermusikwerken und Klaviersonaten. Mozarts Zeitgenossen soll die Handlung allerdings zu frivol gewesen sein. Aus heutiger Sicht bezaubert diese „Schule der Liebenden“ durch die Leichtigkeit und Eleganz, mit der Mozart und Da Ponte das Thema Versuchung und Untreue musiktheatralisch illuminieren.