Lesung: Rückkehr eines Freundes

Lesung: Rückkehr eines Freundes

Der Autor Rafik Schami gilt als begnadeter Erzähler. Jetzt besuchte er erneut Benrath.

Düsseldorf. Bevor Rafik Schami die Bühne in der ausverkauften Aula des Benrather Schloß-Gymnasiums betritt, bittet er zuerst um mehr Licht. „Ich will die Leute sehen, sonst schlafen sie doch ein“, sagt der Autor, der als begnadeter Erzähler gilt. Am Mittwoch erzählte er Geschichten aus seinem Werk „Die Frau, die ihren Mann auf dem Flohmarkt verkaufte: Oder wie ich zum Erzähler wurde“.

Die 400 Zuschauer folgen gebannt den Geschichten des syrisch-deutschen Schriftstellers, der mit jedem neuen Buch zu einer Lesung nach Benrath kommt. Dafür bedankt er sich bei seinem Freund Ulrich Ohm, den er in seiner Begrüßung Uli nennt. „Wir sind seit mehr als 20 Jahren befreundet“, sagt Ohm, der die Buchhandlung Dietsch zusammen mit seiner Frau Ursula leitet und die Lesung organisiert hat.

Als sie sich 1990 das erste Mal auf einer Buchmesse trafen, haben sie sich auf Anhieb verstanden. „Mein damals fünfjähriger Sohn hatte extra seine Spielsachen für Schamis Sohn mitgebracht, der ungefähr im selben Alter ist“, erinnert sich Ohm.

„Wir haben gleich gemerkt, dass wir auf einer Welle sind. Auch wenn er nur alle paar Jahre nach Düsseldorf kommt, so ist es immer, als haben wir uns erst vor kurzem das letzte Mal getroffen“, sagt der Buchhändler. Wenn Schami ein neues Buch veröffentlicht, kommt er auch nach Benrath. „Darauf kann ich mich verlassen, wie man sich auf einen alten Freund verlassen kann.“

2009 unternahmen Ulrich und Ursula Ohm eine Reise in Schamis Heimat Syrien, die dieser selbst organisiert hatte. Ohne den Schriftsteller — der nicht mehr in sein Land zurückkehren darf, nachdem er vor mehr als 40 Jahren floh, um dem Militärdienst und der Zensur seiner Werke zu entgehen — besuchten sie die Orte aus seinen Büchern. „Als ich die Bücher nach unserer Reise erneut las, habe ich vieles wiedererkannt“, sagt Ohm. „Ich sah den jungen Schami durch seine Gasse rennen und Murmeln spielen.“

Schami schätzt an Ohm besonders seinen Einsatz. Er sei jemand, der sich als Buchhändler sehr engagiere. „Deswegen komme ich auch heute noch gern in die Buchhandlungen, die mich schon unterstützt haben, als ich noch nicht so bekannt war.“

Nach der Lesung reden die Freunde noch lang miteinander. „Es ist, als würde man einen Witz zu Ende erzählen“, so Ohm — „wir verstehen uns einfach.“

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