David Garrett: Sonnyboy mit Geige

David Garrett: Sonnyboy mit Geige

David Garrett begeistert 15 000 Fans im ISS Dome Düsseldorf.

Düsseldorf. Vom Himmel herab kommt David Garrett, auf einer versenkbaren Säule stehend, bei seinem Auftritt im Düsseldorfer ISS Dome am Samstag. Die rund 15 000 Zuschauer fassende Halle ist ausverkauft, als der flippige Star-Geiger mit seiner Band sein Cross-over-Programm „Rock Anthems“ auf so olympische Weise auf die Bühne bringt. Kein Violinist der Welt wurde von seinem Publikum jemals so jauchzend empfangen wie dieser Sonnyboy mit blondem Pferdeschwanz und legeren Klamotten.

Er trifft mit seinem locker-studentischen Auftreten wohl den Zeitgeist. Garretts Show ist ausgefeilt und bis ins Detail kalkuliert, doch sein Habitus suggeriert etwas wie „Ich bin zwar süß, smart und spiele Stradivari wie ein Gott, bleibe aber auf dem Teppich“. So schlendert er publikumsnah geigend durch die vorderen Reihen oder öffnet sein familiäres Fotoalbum mit Bildern von 1980, seinem Geburtsjahr, bis 1995 auf der Leinwand. Welche Musik würde da besser passen als „Yesterday“ von den Beatles?

Das Publikum reagiert entzückt. Und als Garrett mit melancholischem Augenaufschlag verrät, dass er bei einer Tournee im fernen Australien etwas Heimweh verspürt habe, geht ein mütterliches „Oh“ durch den Saal.

Neben der schillernden Show mit fauchenden Flammenwerfern, beeindruckt Garrett freilich mit seinem Geigenspiel. Schließlich ist er klassisch ausgebildeter Violinist — unter Klassik-Fans zwar nicht so hoch gehandelt wie Frank-Peter Zimmermann oder Christian Tetzlaff — doch jemand, der seine Stradivari vollendet spielt und keine technischen Limits kennt.

Die süßesten Klänge entlockt er seinem Instrument in dem Song „Groovy Kind of Love“ nach einem klassischen Stück von Muzio Clementi. Garrett guckt dabei so romantisch drein, als würde er mit seiner Stradivari flirten.

Die „Rock-Anthems“ sind ein Stilmix aus Klassik, Evergreens, Rock und Pop. Auch Beethovens Neunte Symphonie hat Garrett im Programm, aber nicht die populäre „Ode an die Freude“, sondern das fetzigere Scherzo, das für den abgefahrenen Feuerkopf Beethoven steht. Garrett spielt es mit seiner Band so zackig und rockig, dass es nur so mitreißt. Kein Musik-Pädagoge könnte die ewige Lebendigkeit Beethovens besser auf den Punkt bringen.

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