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All Night Long: Musik-Drama feiert Uraufführung

All Night Long : Musik-Drama feiert Uraufführung

Colin Sinclair will ein englisches Theater in der Stadt etablieren. Jetzt hat er sein erstes Stück verfasst — mit viel Musik.

Düsseldorf. Musical-Tänzer, Tanzlehrer, Model, Designer mit eigenem Label, Choreograph, Filme- und Theatermacher — Colin Sinclair ist ein wahres Allround-Talent. „Der Erfolg kommt nicht angeflogen, sondern man muss hart dafür arbeiten“, so seine Erfahrung. In den vergangenen Wochen probte er mit sechs Darstellern und vier Musikern für ein außergewöhnliches Projekt: Am Samstag wird es in Sinclairs Showroom, Reservat-Atelier, uraufgeführt.

All Night Long: Musik-Drama feiert Uraufführung
Foto: Tanzhaus/Sinclair

Der in London geborene Künstler, dessen Eltern in den 1960er Jahren von der Karibik an die Themse zogen, setzt das Musik-Drama „All night long“ in Szene. Das Außergewöhnliche: Er schrieb die Dialoge für diese Bühnenfassung selbst. Und die Figuren spielen, swingen und singen Jazz-Klassiker. Darunter Ohrwürmer, Rock und Broadway-Klassiker, wie „All night long“, „Today“, „Stormy Weather“ oder „Day ‚n’ night“. Nach der Performance sind die Besucher zu einer After-Show-Party eingeladen.

Das Drama endet mit einem Eifersuchts-Mord. Frei nach Shakespeares Othello, sagt Sinclair lächelnd, der vor 15 Jahren nach Deutschland kam und seit 2003 mit seiner Familie in Düsseldorf lebt. „Ich sah den gleichnamigen Schwarz-Film, als ich 15 war.“ Und machte daraus eine Story um den Playboy und Jazz-Liebhaber Rodney, der eine Party für den Bandleader Rex gibt. Dessen Frau Delia, die ihre Gesangskarriere einst für die Ehe mit Rex aufgab, möchte ihren Mann überraschen und probt ein Lied mit dessen Freund Kass. Klar, dass sich daraus für Delia einige Konflikte entwickeln, wie gesagt mit tödlichem Ausgang.

Begleitet wird das Stück von der Band, die dazu auch Filmmusiken spielen wird. Gespielt und gesungen wird in Englisch. „Ein englisches Theater fehlt in unserer internationalen Stadt. Düsseldorf braucht dringend eins.“ Davon ist Sinclair, der nebenbei auch Sprachunterricht gibt, überzeugt und macht sich deshalb auf die Suche nach Sponsoren. Es soll eine Alternative zu den etablierten Theatern sein, für kleine Kompanien. Geplant ist zumindest eine Produktion pro Jahr. Seine Darsteller sprechen zwar alle Englisch, aber zum Teil mit starkem Akzent. „Ich liebe Akzente. Sie machen Sprache lebendig und natürlich.“ In seiner semiprofessionellen Truppe sind daher Laien willkommen.

Im Gespräch sprüht Sinclair vor Leidenschaft und Energie. Das war wohl bisher in seinem Leben immer so. Nach einer Odyssee durch Norwegen, Schweden und Portugal - auch als Model auf Laufstegen in Paris und London landete er 2000 in Oberhausen. Wegen Peter Maffays „Tabaluga“. Und Sinclair trat dort einige Jahre in der Inszenierung des Märchen-Musicals als Sänger und Tänzer auf. Vor fünf Jahren dann in Düsseldorf, wo er im Tanzhaus NRW Jazz-Dance unterrichtet, begann Sinclair, auch Mode zu entwickeln. Zunächst kreierte er nur für sich. „Ich bin früher viel ausgegangen und wollte immer in extravaganten Klamotten in Clubs auftreten.“

Heute ziert sein Name Kleidung und Accessoires, vom T-Shirt bis zur Ledertasche. Wenn er die Stücke auch in Asien fertigen lässt („sonst sind die Preise nicht konkurrenzfähig“), so entstehen alle seine Designs in kreativer Atmosphäre — in seinem Atelier in Oberkassel.