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Kultur: Große Häuser machen Düsseldorf wieder zur Kunstmetropole

Kultur : Große Häuser machen Düsseldorf wieder zur Kunstmetropole

Kunstpalast und Kunstsammlung melden einen deutlichen Anstieg der Besucherzahlen. Ihre jüngsten Ausstellungen wurden mindestens bundesweit beachtet - und die nächsten wichtigen Eröffnungen folgen.

Videotext mag eine etwas altmodische Form der Information sein, aber er ist auch bedeutungsvoll. Da er sich auf die Themen konzentriert, die mindestens bundesweit relevant sind, ist dort vorzukommen, ein gutes Zeichen. Vergangene Woche tauchte Düsseldorf dort und damit eben in ganz Deutschland wieder auf. „Kunstpalast zeigt Peter-Lindbergh-Ausstellung“ lautete die Nachricht und rückte damit die NRW-Landeshauptstadt erneut mit seinen Schauen und Museen in den Fokus. Die Botschaft: Düsseldorf ist wieder eine Kunstmetropole.

Die Besucherzahlen, die Kunstpalast und Kunstsammlung auf Anfrage unserer Redaktion mitteilten, bestätigen den Trend: 2019 besuchten rund 440 000 Menschen das K20 und das K21, im Jahr zuvor waren es rund 210 000. Allein die Ai-Weiwei-Ausstellung verzeichnete rund 200 000 Besucher. Die Prognose für die laufende Schau zu Edvard Munch lautet 115 000 bis 120 000 Gäste. Der Kunstpalast verzeichnete einen Anstieg von rund 198 500 auf gut 208 000 im vergangenen Jahr.

Den Rang der Ausstellungen verdeutlichen darüber hinaus die Gäste. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eröffnete „Utopie und Untergang. Kunst in der DDR“ im Kunstpalast mit einer Rede, die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit sah die Bilder ihres Landsmanns Munch im K20. Zur erwähnten Ausstellung mit Arbeiten des Fotografen Peter Lindbergh (10 000 Besucher in den ersten zehn Tagen) kamen am ersten Abend Filmregisseur Wim Wenders und Sänger Herbert Grönemeyer.

Susanne Gaensheimer, Direktorin der Kunstsammlung, sieht Düsseldorf bei den deutschen Kunststädten in den Top 3: „Die Stadt gehört zu den großen Leuchttürmen.“ Die Häuser K20 und K21 seien bei den großen Schauen voll, aber auch danach sehr lebendig, weil sie sich für ein breites Publikum geöffnet haben. Deshalb erführen nicht nur die großen Namen in Deutschland und Europa Aufmerksamkeit. Auch besondere Ausstellungen wie Banu Cennetoglu oder „I’m not a nice girl“ würden in internationalen Magazinen besprochen und in Sozialen Netzwerken stark beachtet. Da Düsseldorf ein vielfältiges Angebot mit Museen, Privatsammlungen, Galerien und Ateliers habe, würden immer mehr Kunstinteressierte auf die Stadt aufmerksam und auf unterschiedliche Weise von ihr beeindruckt.

Der Bestsellerautor Karl Ove Knausgård hat eine üppige Ausstellung mit Bildern von Edvard Munch gestaltet – zu sehen in der Kunstsammlung. Foto: dpa/Federico Gambarini

Der Chef des Kunstpalastes, Felix Krämer, nennt ein Alleinstellungsmerkmal der Landeshauptstadt: „Im Verhältnis zur Größe der Stadt findet sich in Düsseldorf ein unvergleichliches Angebot im Bereich der Kunst nach 1945 – keine andere Stadt in Deutschland kann derzeit mit der Ausstellungsvielfalt und -dichte mithalten“, sagte Krämer. „Uns wird die bundesweite Aufmerksamkeit, die Düsseldorf in diesem Feld zugute kommt, immer wieder gespiegelt.“ Auch der Kunstpalast habe seine überregionale Wahrnehmung und Reichweite steigern können, unter anderem mit Titelseiten in der „Süddeutschen Zeitung“ und der „Neuen Züricher Zeitung“.

Beide Museumsleiter dürfen optimistisch sein, dass sich der Trend fortsetzt. Der Kunstpalast eröffnet am 19. Februar die Ausstellung „Sichtweisen“. Darin zeigt das Haus Teile der Sammlung Kicken, die es in einem viel beachteten Ankauf erworben hat. Die rund 3000 Werke bilden die Geschichte und Bandbreite der Fotografie ab, nun werden die ersten 150 dieser Arbeiten präsentiert.

In der Kunstsammlung läuft die Munch-Ausstellung noch bis zum 1. März. Ab Samstag, also in den letzten beiden Wochen der Schau, wird der Andrang am Grabbeplatz in der Altstadt voraussichtlich noch einmal wachsen. Dann werden auch noch Werke von Pablo Picasso aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges zu sehen sein – und vielleicht ja auch im Videotext erwähnt werden.