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„Die Mädchen nutzen Sprache als Waffe“

„Die Mädchen nutzen Sprache als Waffe“

Ein Jahr lang hat Bettina Blümner drei Mädchen in Kreuzberg begleitet. Morgen hat ihr Kinofilm „Prinzessinnenbad“ Premiere.

Frau Blümner, Sie sind in Düsseldorf geboren. Die im Film porträtierten Mädchen stammen aus Kreuzberg. Empfinden Sie einen großen Unterschied zu Ihren eigenen Erinnerungen?

Blümner: Ich habe viele Dinge fünf bis sechs Jahre später erlebt. Doch die Probleme decken sich. Es geht um Freiheiten, ums lange Ausgehen und Jungs. In der Großstadt kommt das wohl etwas früher.

Im Filmtitel weisen Sie auf das Prinzenbad in Kreuzberg hin. Dort spielt auch die erste Szene. Sehen Sie Klara, Mina und Tanutscha als Prinzessinnen?

Blümner: Ja schon. Zwar haben die drei viele Probleme und keine prinzessinnenhafte Umgebung. Sie kämpfen um ihre Zukunft. Aber sie sind sehr mutig und stark.

Die blonde Klara steht auf türkische Männer. Ist das ein typisches Kreuzberger Phänomen?

Blümner: Klara kennt fast gar keine deutschen Jungs. Das ist schon speziell in Kreuzberg. Die Mädchen sagen: ,Deutsche Männer sind bio.’ Das ist sehr abwertend. Aber die geben ihnen eben auch keine Getränke aus, hofieren sie nicht.

Die Berliner Hochbahn und das Schwimmbad ziehen sich als Motive durch den Film.

Blümner: Die U 1 und die U 15 fahren mitten durch Kreuzberg. Es ging mir darum, den Film zu verorten. Aber eigentlich ist es eine sehr universelle Geschichte über das Erwachsenwerden.

Glauben Sie, dass die Freundschaft der Mädchen die Teenagerzeit überdauert?

Blümner: Ich vermute schon. Der Kontakt besteht schon so lange. Die Mütter arbeiten zusammen. Klar verbringen sie jetzt nicht mehr so viel Zeit wie früher miteinander.

Die drei stammen aus so genannten Patchwork-Familien, abwesende Väter und neue Freunde der Mütter sind ein wichtiges Thema.

Blümner: Damit haben sie sich schon früh auseinander setzen müssen. Es hat mich sehr erstaunt, wie offen sie darüber reden, wie gut sie ihre Gedanken artikulieren können. Aber wirklich abwesend sind nicht alle Väter. Mina hat einen sehr engen Draht und Tanutscha hat wieder Kontakt.

Die Mädchen sind erstaunlich wortgewandt.

Blümner: Sie sagen selber, dass sie Sprache als Waffe benutzen, wenn sie sich auf der Straße wehren müssen.

Wie haben sie auf den Film reagiert?

Blümner: Das schwankt sehr. Erst fanden sie ihn blöd, dann toll und jetzt vor dem Kinostart haben sie wohl auch ein bisschen Angst.

Ein ganzes Jahr haben Sie sie begleitet. Gab es Momente, in denen die drei genug von Ihnen hatten?

Blümner: Sie haben mich oft versetzt. Es gab viele Momente, in denen ich mich gefragt habe, ob sie wirklich durchhalten.

Welche Erfahrungen nehmen Sie aus dieser Zeit mit?

Regie: Die Regisseurin Bettina Blümner wurde 1975 in Düsseldorf geboren. Sie hat Medienkultur und Gestaltung in Weimar, Szenische Regie an der Filmakademie Baden-Württemberg studiert und die Escuale Internacional de Cine y TV auf Kuba besucht. "Prinzessinnenbad" ist ihr erster Langfilm.

Premiere: Bereits auf der diesjährigen Berlinale sorgte der Film für Aufsehen und gewann den Preis für den besten Film in der Sektion Perspektive Deutsches Kino. Am morgigen Mittwoch, 19.30 Uhr, präsentiert die Regisseurin ihn persönlich in der Black Box, Schulstraße 4. Telefon 0211/899 24 90.