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Fotografie: Ein Meister der Kamera und der Selbstironie

Fotografie: Ein Meister der Kamera und der Selbstironie

Das NRW-Forum zeigt bisher unveröffentlichte Mode-, Akt- und Landschafts-Aufnahmen von Jeanloup Sieff. Seine Witwe stellte die Schwarz-Weiß-Bilder aus seinem Nachlass zusammen.

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p class="text"><strong>Düsseldorf. Seine Aufnahmen erschienen in der "Vogue", "Elle" und dem "Rolling Stone", er prägte die Mode-, Akt- und Porträtfotografie: Jeanloup Sieff. Das NRW-Forum Kultur und Wirtschaft zeigt jetzt in der Ausstellung "Inédits" bisher Unveröffentlichtes des französischen Künstlers. Seine Witwe Barbara, selbst Fotografin, stellte die Schwarz-Weiß-Bilder aus dem Nachlass von Sieff zusammen. Herausgekommen ist eine sehenswerte Ausstellung, die die erstaunliche Vielfältigkeit des Künstlers zeigt.

Ein Frauenkörper, der aus einem riesigen Puschel besteht

Das Bild einer Frau sticht ins Auge, deren Körper aus einem riesigen Puschel zu bestehen scheint. Ihre Augen sind dick mit Kajal umrandet, wie es für die 60er-Jahre typisch ist. Sieff beeinflusste gerade die Fotografie dieser Zeit, deshalb stehen die 60er wohl am Anfang der nach Jahrzehnten eingeteilten Ausstellung - noch vor den 50ern, was leicht verwirrt. Porträts von Berühmtheiten ziehen sich durch die Ausstellung: von Romy Schneider, die sinnlich an einer Zigarette zieht, bis hin zu einem lachenden Jean-Paul Gaultier aus 2000, Sieffs Todesjahr. Besonders beeindruckend ist eine Aufnahme von François Truffaut, der gerade ein Messer geworfen hat. Seine Hand ist noch ausgestreckt, die Augen fixieren wild das Messer, das in der Luft vor ihm schwebt. Sieff gelingt es meisterhaft, die Energie des Regisseurs einzufangen.

Bizarr: Zwei Nonnen werben in der Wüste für ein Auto

Sieffs Werbe- und Modeaufnahmen sind teilweise wunderbar bizarr. Von einem Fiatwagen etwa zeigt er nur eine Autotür - Mittelpunkt des Bildes sind zwei Nonnen, die händchenhaltend durch die Wüste laufen. Für eine Reihe hat er Modefotografien in ungewöhnlichen Umgebungen - Mülleimer, hinter Gittern - inszeniert und erneut fotografiert. So ergibt sich eine faszinierende Doppeldeutigkeit: Etwa wenn ein an einem Faden aufgehängtes Bild ein Model zeigt, das einen Strick um den Hals trägt. Bisweilen sind Jeanloup Sieffs Bilder düster, beinahe gothichaft - zum Beispiel die Aufnahme einer schattenumhüllten Ruine.

Porträts, Akt- und Modefotografien dominieren im NRW-Forum. Daneben werden auch Reportagefotos gezeigt: Entzückend ist etwa die Aufnahme von zwei alten britischen Ladys in Shakespeares Heimatort Stratford Upon Avon, die mit ihren Fahrrädern in Spurrinnen feststecken.

Auch weniger bekannte Landschaftsaufnahmen finden sich, vor allem aus den 80er-Jahren. Meisterhaft spielt Sieff mit Kontrasten, etwa auf einem Bild, in dem der karge Boden im Vordergrund ganz nah wirkt, als wenn der Künstler aus einem Erdloch heraus fotografierte, während ein einzelner Baum unendlich weit weg erscheint.

Künstler: Jeanloup Sieff wurde am 30. November 1933 in Paris geboren; begann mit 14 Jahren zu fotografieren; er starb am 20. September 2000

Ort: NRW-Forum Kultur und Wirtschaft, Ehrenhof 2

Öffnungszeiten: Bis 26. August; Dienstag bis Sonntag, 11 bis 20 Uhr, Freitag bis 24 Uhr

www.nrw-forum.de