Der Standup-Comedian Markus Barth kommt ins Düsseldorfer Savoy

Comedy : Standup-Comedian Markus Barth kommt ins Düsseldorfer Savoy

Interview Standup-Comedian Markus Barth kommt mit dem Programm „Haha ... Moment, was?“ ins Savoy. Im Visier: Rechtspopulismus, Öko-Boom und die digitale Gesellschaft.

Herr Barth, Ihre neue Show nennt sich „Haha … Moment, was?“ Wofür steht der Titel?

Barth: „Haha … Moment, was?“ ist diese klassische Situation, dass mir jemand etwas erzählt und ich spontan lache und kurz darauf merke: Oh scheiße, der meint das ernst. Und das passiert immer öfter im Privaten, im Gesellschaftlichen und Politischen und darüber handelt die Show.

Bevor Sie Ihr Programm entwickelt haben, waren Sie länger auf Reisen. Das Reisen thematisieren Sie auch immer wieder. Diesmal auch?

Barth: Das Programm behandelt zunächst einmal die Zeit vor der Reise, als ich gemerkt habe: Oh, in der Welt passiert gerade etwas, was in eine komische Richtung geht. Stichwort: Die Wahl von Donald Trump. Dann habe ich ein halbes Jahr lang diese Reise gemacht, erst sechs Wochen in Amerika, dann viereinhalb Monate durch Europa. Und als ich wieder kam, hab ich gemerkt: Oh, die Welt ist noch ein bisschen nervöser geworden in der Zeit, als wir weg waren. Und wie man damit umgeht, wenn man erst von außen auf die Gesellschaft guckt und plötzlich wieder mittendrin ist, das ist der Inhalt des Programms.

Inwiefern ist für Sie die Welt nervöser geworden?

Barth: Die Leute lassen sich von Meldungen im Internet immer mehr verunsichern. Die Gesellschaft wirkt wieder rückwärtsgewandt. Da gibt es Dinge, von denen ich dachte: Die haben wir doch hinter uns, wie die Ehe für alle. Die gibt es jetzt ein Jahr und hat offensichtlich niemandem geschadet. Aber plötzlich gibt es Politiker, die das wieder rückabwickeln wollen. Wo ich mir denke: Leute, setzt euch mal kurz hin, trinkt einen Roibusch-Vanille-Tee und entspannt euch einfach ein bisschen und wir lachen mal wieder miteinander, vielleicht fehlt das einfach in der Welt.

Sie spielen an auf die AfD, die gegen die Ehe für alle kämpft. Sie selbst sind mit einem Mann verheiratet. Erleben Sie, dass die Homophobie zunimmt?

Barth: In meiner idealen Welt würde ich einfach sagen: Ich bin mit einem Mann verheiratet. Ende der Geschichte. Dann könnte ich mir zehn Minuten Programm sparen und alles wäre super. Ich trete auch in Bauernkäffern auf und sag denen: Mein Mann kommt gleich noch. Das interessiert keinen Menschen. Das interessiert nur die AfD, die versucht da ein Feindbild zu schaffen. Es ist das Normalste von der Welt, dass man gerne mit dem Menschen zusammen sein möchte, den man liebt.

Der Rechtspopulismus erlebt ja weltweit eine Renaissance. Man denke nur an Jair Bolsonaro, den neuen Präsidenten von Brasilien. Und nicht zuletzt steht dafür ja Donald Trump. Gehen Sie auf dieses Thema auch ein?

Barth: Ja, wir leben in einer Zeit, in der man das Gefühl hat, dass Lügen und Betrügen keine Konsequenz mehr hat. Wir erleben es gerade mit dem Parteispenden-Skandal der AfD, da wird wahrscheinlich auch wieder nicht viel passieren. Ich denke, wir waren zivilisatorisch gesehen schon mal weiter. Jemand, der sich abfällig über Frauen äußert, der Minderheiten diskriminiert, der nach Strich und Faden lügt, dürfte eigentlich kein politisches Amt mehr bekleiden. Und das finde ich schade, dass von dieser Kultur viel verloren gegangen ist.

Sie blicken auch kritisch auf die digitale Gesellschaft. Gibt es neuere Entwicklungen, die Ihnen Sorgen bereiten?

Barth: Es hilft manchmal, diesen digital detox zu machen und das Handy einfach mal auszulassen. Ich war ja vier Monate in Europa unterwegs und zum Glück nicht immer nur in Gegenden, wo es Handyempfang gab. Man wundert sich, wie viel in so einen Tag passt, wenn man einfach mal das Handy auslässt, wenn man mal nicht bei Facebook ist, und nicht bei Twitter. Und da deute ich nicht mit dem Zeigefinger auf andere Leute. Ich bin da wirklich selber schlimm. Ich verbringe sehr viel Zeit am Tag im Internet. Ich merk aber nur, dass es mir teilweise besser geht, wenn ich es lasse.

Auch den Öko-Boom nehmen Sie aufs Korn. Was stört Sie an der „grünen Welle“?

Barth: Ich kritisiere den Öko-Boom nicht. Man kann gar nicht genug für die Umwelt tun und es schadet nicht, beim Einkauf auf die Herkunft seiner Lebensmittel oder auf Saisonalität zu achten.Ich finde es nur schwierig, wenn man sich ökologisch und gesund ernähren will und dann Quinoa aus Südamerika kauft, das über den halben Kontinent geschippert wird, und dort den Preis für die Quinoa-Konsumenten in die Höhe treibt, so dass die sich das nicht mehr leisten können.

Info: Markus Barth tritt am Sonntag mit seinem Programm „Haha ... Moment, was?“ um 19 Uhr im Savoy Theater auf. Adresse: Graf-Adolf-Str. 47.