E-Scooter-Verleiher wollen nach Düsseldorf

Mobilität : Chancen für Elektro-Tretroller zum Leihen in der Stadt steigen

Die internationalen Anbieter wollen nach Düsseldorf. Die Stadt sieht darin Chancen, es gibt freilich auch Risiken.

In der Stadt unterwegs zu sein, ist auf immer neue Arten möglich. Vor allem Sharing-Modelle verbreiten sich schnell: Elektrische Vespas („Eddy“) lassen sich mittlerweile per App buchen, wie auch Fahrräder und Autos. Nun bringen sich die Verleiher von elektrischen Tretrollern in Stellung, da ihre Zulassung bevorsteht. Schon bald wollen sie ihren Service in Düsseldorf anbieten. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wie steht es um die Zulassung von Elektro-Scootern? Noch gibt es keine, doch sie rückt näher. Das Bundeskabinett hat am Mittwoch für eine entsprechende Verordnung gestimmt. Nun fehlt noch die Zustimmung des Bundesrats.

Was sieht die Verordnung vor? Die Roller sollen bis zu 20 Stundenkilometer schnell sein und auf Fahrradwegen gefahren werden dürfen. Roller, die langsamer sind als zwölf Stundenkilometer, sollen auch auf Gehwegen zugelassen werden.

Wie sehen die Verleih-Unternehmen das Potenzial in Düsseldorf? Anbieter Voi aus Schweden wirbt schon bei Facebook damit, auch am Rhein den Verleih von E-Scootern aufzuziehen. „Wir kommen nach Düsseldorf“, heißt es da. Mit einer Anmeldung ließen sich sogar schon Freifahrten gewinnen. In 15 Städten ist Voi vertreten, etwa auch in Portugal und Spanien. Sprecher Claus Unterkircher sagt: „Wir wollen in die wichtigsten Städte und da gehört Düsseldorf dazu.“ Aber er sagt auch, dass man das Angebot eng mit den Kommunen abstimmen und nicht gegen ihren Willen auf den Markt drängen werde. Damit hatten andere Städte mit anderen Anbietern Probleme, etwa San Francisco.

Auch MyTaxi hat mit seinem Leihservice „Hive“ die Stadt im Visier. „Schon aufgrund seiner Größe ist Düsseldorf interessant“, sagt ein Sprecher. Zudem sei MyTaxi auch bereits in der Stadt präsent. Hive will nach einem Test in Lissabon nun europaweit wachsen, und das mit Daimler und BMW im Rücken.

Ein weiterer Teilnehmer im Wettrennen um den sich wohl bald öffnenden Markt in Deutschland heißt „Lime“. Senior Account Director Nina Trofimova sagt: „Grundsätzlich ist für 2019 geplant, in allen größeren deutschen Regionen aktiv zu sein. Düsseldorf befindet sich in der engeren Auswahl, denn die Stadt steht neuen Technologien offen gegenüber und zählt zu den lebenswertesten Städte der Welt.“

Was sagt die Stadt zu E-Tretroller-Sharing? Da die rechtliche Grundlage für elektrische Tretroller noch fehlt, will die Stadt genau die erst einmal abwarten, wie Ingo Pähler, Leiter des Amtes für Verkehrsmanagement, sagt. Aber er fügt hinzu, dass E-Scooter eine „sinnvolle Ergänzung“ des Straßenverkehrs in Düsseldorf sein könnten. Vor allem kurze Strecken etwa bis zur nächsten Bahnhaltestelle könnten mit den elektrischen Tretrollern zurückgelegt werden.

Pähler vergleicht das Angebot mit „Eddy“ und den Leihfahrrädern. Zwar sei es richtig, dass natürlich niemand wolle, dass der öffentliche Raum mit diesen Gefährten zugestellt werde, allerdings sei „die Beschwerdelage“ da bislang sehr gering.

Wie sehen Verleih-Modelle in anderen Städten aus? Die Kosten liegen etwa bei Hive und Voi bei einem Euro pro Leihvorgang und 15 Cent pro Minute Nutzungsdauer. Die Gefährte werden mit der App gefunden und aufgeschlossen und können innerhalb des Geschäftsgebietes flexibel abgestellt und ausgeliehen werden.

Welche kritischen Aspekte gibt es? Beispiel San Francisco: Die Stadt machte so negative Erfahrungen mit einer großen Zahl von Leih-E-Scootern in der Stadt, dass sie zunächst komplett verboten wurden. Es war zu Unfällen gekommen, und die Fahrzeuge hatten wild in der Gegend herum gestanden. In Verhandlungen mit den Anbietern blieben jetzt zwei von ihnen übrig, die ihre Roller wieder auf die Straße bringen dürfen. Grund: Sie gingen weit genug auf die Bedürfnisse der Kommune ein. Eine solche Kooperationsbereitschaft sagen einige Anbieter nun auch für Düsseldorf zu. Ob darauf Verlass ist, wird die Stadtverwaltung im Blick haben müssen.

Die Anbieter versuchen zu beschwichtigen, in dem sie etwa darauf hinweisen, dass die Roller immer wieder zum Aufladen eingesammelt werden müssen. Dadurch habe man auch Einfluss auf die Platzierung im Stadtraum. Man könne sogar sehr flexibel auf die Wünsche der Stadt eingehen, betont etwa Voi, in welchen Gebieten gefahren werden könne und wo nicht. In Lissabon etwa gelten für die Nutzer am Wochenende andere Vorgaben als wochentags.

Kritiker führen jedoch auch andere Aspekte jenseits von zusätzlicher Gefahrenquelle im Straßenverkehr und verstopften Gehwegen ins Feld. So wird etwa auch ein ökologischer Effekt zum Besseren angezweifelt. So ist tatsächlich die Frage, wo der Strom herkommt, mit dem die Scooter betrieben werden. Zudem müssen die E-Roller zumeist aufwendig zum Wiederaufladen mit Lastwagen eingesammelt und durch die Stadt kutschiert werden. Und diese Transporter selbst kommen oft nicht ohne Verbrennungsmotor aus. Zudem ist die Frage, welche Wege durch E-Sccoter ersetzt werden. Da es sich hier oft um die so genannte letzte Meile handelt, werden hier oft wohl keine Autofahrten, sondern eher Fußmärsche ersetzt.

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