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Klavierbauer: Die Brüder Enzenauer suchen den perfekten Klang

Klavierbauer: Die Brüder Enzenauer suchen den perfekten Klang

Die Brüder Enzenauer lassen Klaviere besser klingen. Und nebenbei bauen sie ihren eigenen Flügel.

Burscheid. Vergoldete Schrauben, ein maßgefertigter Gussrahmen und ein Kleber, den die Firma Henkel eigens für ihn entwickelt hat: Jan Enzenauer erfüllt sich seinen Traum. Und darin geht es um den perfekten Klang. Denn den gibt es nicht mehr, sagt der Klavierbaumeister. Er will ihn wiederfinden.

Vor 17 Jahren hat der 49-jährige Burscheider sich selbstständig gemacht. Sein Geld verdient er mit der Reparatur und dem Stimmen von Instrumenten in seiner Werkstatt an der Luisenstraße. Doch Enzenauer ist nicht nur Feingeist, sondern auch Wissenschaftler.

„Ich wollte das Klavier entmystifizieren. Ich wollte wissen, was genau passiert, wenn man eine Taste anschlägt“, sagt er. Wie verhält sich eine Saite? Wie schwingt sie? Wie verändern sich die feinen Holzteile, wenn das Instrument gespielt wird? Jan Enzenauer fand es heraus, mit eigenen Studien und einer Hochgeschwindigkeitskamera.

So drang er immer weiter in den Bereich der Klangoptimierung vor. Daraus ergaben sich zwei Projekte. Das eine wird in der kommenden Woche auf der Frankfurter Musikmesse vorgestellt und heißt „REE Premium Edition“. Das andere soll dem perfekten Klang sehr nahekommen: ein eigener Konzertflügel — entwickelt und gebaut von einer Firma aus Burscheid.

2009 gründete Jan Enzenauer zusammen mit seinem Bruder Michael die „Enzenauer Flügel-Manufaktur“. Seit Januar haben sie ein Geschäft in Witzhelden. Dort riecht es nach Holz, Lack und Leim. Dutzende Pianos und Flügel reihen sich aneinander, sie alle stammen von der Firma Feurich. Jan Enzenauer hat sie optimiert.

Drei bis fünf Tage dauert diese Arbeit pro Klavier. Enzenauer zerlegt das Instrument, die Hölzer, alle beweglichen Teile. Und dann baut er sie so zusammen, dass sie besser klingen als vorher. „Ich bringe zum Beispiel kleine Masseteile am Resonanzboden an. Sie beeinflussen die Schwingungen, geben dem Klang mehr Brillanz oder machen ihn satter“, erklärt Jan Enzenauer. Dabei geht es oft um wenige Millimeter, die Arbeit dauert Stunden.

Entstanden sind so zwei unterschiedliche Versionen der ursprünglichen Feurich-Instrumente — die „REE Premium Edition“ mit einem sogenannten Wiener Klang. Den gibt es entweder klassisch, warm und satt — oder modern, heller und brillanter. „Am Mittwoch stellen wir die Instrumente auf der Musikmesse zum ersten Mal vor“, sagt Enzenauer. Danach gibt es sie weltweit in allen Feurich-Niederlassungen und im Laden in Witzhelden zu kaufen.

Doch Jan Enzenauer will mehr. Die Instrumente nur zu verbessern, reicht ihm nicht. Er will sie möglichst perfekt haben — und er will sie selbst machen. „Es ist viel Wissen verloren gegangen. Eigentlich gibt es keine Firma mehr, die Flügel baut, die den Ansprüchen der besten Pianisten gerecht werden“, sagt er. Seit vier Jahren schon plant er deshalb sein Meisterwerk: den eigenen Flügel, entwickelt in Burscheid. „Das ist mein Traum“, sagt er.

Und der hat greifbare Form angenommen. Viele Teile für den ersten Enzenauer-Flügel sind bereits da. In seiner Werkstatt in Burscheid stapeln sich fertige Holzelemente, Schrauben liegen dort, unzählige Einzelteile warten darauf, zusammengebaut zu werden.

Noch aber fehlt ein wichtiges Teil: der Gussrahmen. Es ist das Teil, in das später die Klaviersaiten gespannt werden, das den Klang und die Schwingungen weiterleitet. „Hier gibt es das meiste Potenzial, etwas besser zu machen als die Konkurrenz“, sagt Jan Enzenauer.

Damit das gelingt, arbeitet er mit vielen Firmen zusammen, lässt am Computer Modelle erstellen, berechnet, wie sich die Klangwellen ausbreiten. In einem Jahr soll alles fertig sein. Läuft alles perfekt, könnte der Flügel danach sofort in Serie gehen. „Mein Ansatz ist immer, dass ich erst einmal träume“, sagt Jan Enzenauer. Wie sich so ein Traum in der Realität anhört, wird er bald wissen.