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IHK Köln: Die Situation in der regionalen Wirtschaft hat sich weiter verschärft

IHK Köln : Die Situation in der regionalen Wirtschaft hat sich weiter verschärft

Die Wirtschaft in der Region der IHK Köln befindet sich in der Rezession, das zeigen die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage. Vom 30. November 2020 bis 7. Januar dieses Jahres wurden die Unternehmen zu ihrer Lage und ihren Erwartungen befragt.

In diese Zeit fiel der Teil-Lockdown im November sowie der Beschluss des harten Lockdowns ab dem 16. Dezember. „Inzwischen hat sich die Situation wegen der Verzögerungen bei den Impfungen und Sorgen um Virus-Mutationen sogar noch weiter verschärft. Würde man die Unternehmen heute fragen, wären die Erwartungen sogar noch pessimistischer“, sagt Dr. Nicole Grünewald, Präsidentin der IHK Köln.

Die Wirtschaft ist
mittlerweile zweigeteilt

„Bisher war unser Wirtschaftsstandort von einem stabilen Branchenmix geprägt, der uns beispielsweise bei der letzten Krise gut geholfen hat. Mittlerweile ist die Wirtschaft zweigeteilt: In Betriebe, die durch die Pandemie in Existenznot geraten sind, und in Wirtschaftszweige, denen die Krise fast gar nichts anhaben konnte“, so Grünewald. „Eine Erholung auf breiter Front ist allerdings noch nicht in Sicht. Wenn die angekündigten Hilfen nicht bald die Unternehmen erreichen, wird die Situation noch dramatischer. Viele Betriebe stehen mit dem Rücken zur Wand. Wir fordern dazu weitere Erleichterungen, wie zum Beispiel weniger Bürokratiekosten, schnellere Genehmigungsverfahren und Erleichterungen, wo es nur geht. Nur so haben wir die Chance, dass wir nach der gemeinsamen Bewältigung der Pandemie wieder eine starke Wirtschaftsregion mit vielen unterschiedlichen Branchen werden.“

Wenn ganze Branchen wirtschaftlich in die Knie gehen, sind auch die Strukturen dahinter gefährdet. „Gelingt es uns nicht, große Teile der betroffenen Branchen über die Dauer der Pandemie zu retten, hat das gravierende Auswirkungen auf die Innenstädte und Ortskerne in unserer Region. Das müssen wir verhindern“, sagt Grünewald.

Relativ gut durch die Krise gekommen sind bislang Teile der Industrie, hierbei besonders die chemische und pharmazeutische Industrie sowie der Maschinenbau. Dienstleistungsbereiche wie Immobilienwirtschaft, Unternehmensberatungen und die Informationswirtschaft sowie der produktionsorientierte Großhandel sind ebenfalls nicht so stark von der Krise betroffen.

„Zum Glück für den gesamten Bezirk sind nicht alle Branchen gleichermaßen betroffen“, sagt Eva Babatz, Leiterin der IHK-Geschäftsstelle Leverkusen/Rhein-Berg. „Allerdings bedeutet dies, dass auch in diesen Branchen Umsatz- und Erlösrückgänge zu verzeichnen sind. Auch die Geschäftslage ist weiterhin angespannt und wegen der großen Unsicherheit sind die Investitions- und Beschäftigungspläne sehr zurückhaltend.“

Im Gegensatz dazu stehen die Reisebranche, Gastronomie, Hotellerie, Messewesen, Veranstaltungsbranche, Einzelhandel und konsumorientierter Großhandel sowie Freizeit/Sport und Kultur seit Monaten fast ohne Einnahmen da. „Betroffen sind auch bestimmte Teile der Industrie, wie zum Beispiel die Nahrungs- und Genussmittelindustrie, der Fahrzeugbau oder die Hersteller von Eisen, Blechen und Metallen und die Elektroindustrie“, schildert Babatz die Lage. „Dies resultiert neben der geringeren Nachfrage auch aus Störungen bei der Produktion im In- und Ausland oder Schwierigkeiten bei den Lieferketten.“

Die Geschäftslage bleibt mit minus zwei Prozent im negativen Bereich. Die Erwartungen hinsichtlich der Geschäftsentwicklung in den kommenden zwölf Monaten sind im Vergleich zur Vorumfrage im Herbst von minus 9,8 auf minus 3,1 Punkte gestiegen. Es überwiegen also auch bis Anfang Januar noch die Unternehmen, die von einer schlechteren Entwicklung in den kommenden zwölf Monaten ausgehen. Die Investitionsabsichten sind per saldo um 10,7 Punkte gestiegen, liegen aber immer noch mit minus 12,9 im zweistelligen Negativbereich.

„Die ganz leichten Entspannungszeichen im Befragungszeitraum sind wahrscheinlich auf die positiven Erwartungen zurückzuführen, die im Dezember wegen der beginnenden Impfungen vorherrschten. Hier zeichnete sich für kurze Zeit eine Perspektive ab. Heute sähe das wahrscheinlich schon wieder schlechter aus, das belegen auch die Zahlen der aktuellen bundesweiten Befragungen“, sagt Eva Babatz.

„Die Prognosen der Wirtschaftsforschungsinstitute gehen von einem Wirtschaftswachstum im Jahr 2021 aus – aber eine weitere Verlangsamung der Dynamik ist jederzeit möglich.“ Bis die Wirtschaft wieder auf das Ausgangsniveau des Winters 2019/20 zurückgekehrt sei, könne sich auch noch bis 2022 verschieben, und: „Wenn diese unsichere Phase andauert, sind die Schäden für einzelne Unternehmen und ganze Branchen nicht mehr reparabel“, befürchtet Babatz.

Besonders hart trifft es den Einzehlhandel. Jedes dritte Unternehmen meldet eine schlechte Geschäftslage. Besonders die Einzelhändler sind weiter pessimistisch, über 40 Prozent gehen von einer schlechteren Entwicklung aus. Dabei nutzen rund die Hälfte der Händler auch digitale Vertriebskanäle. Als Risiken gelten die Inlandsnachfrage, die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen und der Fachkräftemangel.

Über Eigenkapitalrückgang klagen 36 Prozent der Betriebe, jedes fünfte Unternehmen hat mit Liquiditätsengpässen und Forderungsausfällen zu tun. Die Investitionsbereitschaft und die Bereitschaft, neue Mitarbeiter einzustellen, bleibt sehr zurückhaltend.

Die Situation hat sich auch im Hotel- und Gaststättengewerbe dramatisch verschlechtert: 96 Prozent der Unternehmen melden eine schlechte Lage. Rund 20 Prozent erwarten Umsatzausfälle von über 50 Prozent, weitere 14 Prozent befürchten Umsatzausfälle zwischen 25 und 60 Prozent. Über ein Drittel kann die Situation zurzeit nicht einschätzen.

Als Risiken gelten die Inlandsnachfrage, die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen und die Arbeitskosten. Von Eigenkapitalrückgängen ist über die Hälfte der Unternehmen betroffen, ebenso von Liquiditätsengpässen. Folgerichtig ist die Investitionsbereitschaft sehr zurückhaltend und rund 64 Prozent der Unternehmen planen mit weniger Personal.