Kultur : Neue Musik trifft auf Comicwelten

Optimismus gehört zu den Dingen, die sich Philharmonie-Intendant Louwrens Langevoort und sein Team auch in den schwierigen Zeiten der Corona-Krise bewahrt haben. Aktuell ist das große Konzerthaus zwar wie alle anderen Kultureinrichtungen wegen des anhaltenden Lockdowns für das Publikum geschlossen.

Das bedeutet aber nicht, dass für die Zukunft weiter geplant wird. Das gilt auch für die elfte Ausgabe des Acht-Brücken-Festivals, das vom 30. April bis zum 9. Mai in Köln stattfinden soll.

An den zehn Tagen sind 50 Veranstaltungen, darunter 18 Uraufführungen, an 18 verschiedenen Spielorten in der Stadt geplant. Diese reichen vom Saal der Philharmonie über Clubs wie das Gloria oder dem Platz vor den Physikalischen Instituten der Uni bis zur Lagerstätte für mobile Hochwasserschutzelemente. Insgesamt soll es 60 Stunden neue Musik, elektronische Musik, Jazz und Weltmusik beim diesjährigen Festival geben.

Dieses steht unter dem Titel „Kosmos/Comic“ und bezieht auch die Veranstaltung aus dem vergangenen Jahr mit ein, die wegen der Pandemie als Publikumsveranstaltung abgesagt werden musste. Zum Himmel wird zum Beispiel beim am 4. Juni geplanten Nachholkonzert im Kölner Fußballstadion geschaut. Dann erklingt in Müngersdorf Karlheinz Stockhausens „Sternklang“ in den Weiten der großen Fußballarena. Weitere Nachholkonzerte von 2020 sollen im Zeitraum zwischen dem 17. und 28, März realisiert werden – nach aktuellem Stand wird dies allerdings noch nicht wie geplant vor Publikum möglich sein. Ob gestreamt, verlegt oder abgesagt wird, kommunizieren die Veranstalter auf der Website des Festivals.

Den Auftakt zum neuen Festival macht ein Abend mit elektronischer Musik unter dem Titel „Descendants of Drexciya“ im Stadtgarten mit dem Detroiter Musikprojekt Doppelereffekt, Afrodeutsche und Viola Klein. Für dem 1. Mai ist der traditionelle Freihafen eingeplant. Denn Beginn übernimmt hier eine Ausstellung mit Künstlern der Kunsthochschule für Medien mit individuell bestückten Ausstellungsrahmen im öffentlichen Raum. In der Philharmonie steht das Ensemble Ascolta mit der irischen Komponistin und Multimediakünstlerin Jennifer Walshe auf der Bühne. Dort sind live projizierte Comiczeichnungen aus „Meanwhile, back at the Ranch“ zu sehen.

Am selben Tag ist der WDR-Rundfunkchor und das Sonic.Art Saxophonquartett zu Gast im Funkhaus. Dort wird es unter anderem die Uraufführung von Peter Eötvös „Drei Aphorismen von Heinricht Heine“ und die Uraufführung von Gordon Kampes „Gespenster und Fahnen“ geben. In der Philharmonie wird das Asko-Schöneberg-Ensemble Richard Ayres groteskes Drama „The Garden“ aufführen. Am Abend gibt es mit Gordon Kampes Comic-Oper zur Graphic Novel „Ernst Busch – der letzte Prolet“ unter anderem mit dem Ensemble Ascolta im Funkhaus eine weitere Uraufführung. Der Freihafen endet mit dem Projekt des Astrophysikers Volker Ossenkopf Okada „Leuchtstoffraum 1“ auf dem Platz vor den Physikalischen Instituten.

Zu den Highlights des 2. Mai zählt Richard Ayres Werk „Strand“, das vom Ensemble Musikfabrik in der Philharmonie aufgeführt wird. Für sein Werk hat sich Ayres den Animationsfilmer Paul Barritt ins Team geholt hat. Neben „Vaporised Tivoli“ von Andreas Hillborg erklingen Uraufführungen von Anthony Cheung und Nina Senk, die jeweils Filmmusiken zum kanadischen Stummfilm „Stump the Guesser“ geschrieben haben. Im Gloria tritt das Ensemble Modern mit Fausto Romitellis „Professor Bad Trip“ auf.

Am 3. Mai ist das Ensemble Erma mit dem Projekt „Hero“ im Funkhaus zu Gast. Der 4. Mai bietet im Stadtgarten zwei Jazzkonzerte mit dem Hendrika Entzian Quartett und der Sängerin Veronika Morscher sowie mit dem Subway Jazz Orchestra mit Tamara Lukasheva. In der Lagerstätte für mobile Hochwasserschutzelemente gibt es am 5. Mai das Nachholkonzert des internationalen Acht-Brücken-Kompositionswettbewerbs. Ebenfalls für 2020 angesetzt war in der Philharmonie das Konzert von Django Bates und der HR-Bigband mit der Beatles-Hommage „Saluting Sgt. Pepper“.

Unter dem Motto „Happiness Seriousness – a Counterpoint“ trifft das Klangforum Wien am 6. Mai in der Philharmonie auf Künstler verschiedener Sparten und präsentiert ein Programm in fünf Kapitel und einem Epilog. Dieses reicht von Musik und Kurzfilmen bis zu einer Artistin auf dem Drahtseil. Am 7. Mai spielt das Orchester der Hochschule für Musik und Tanz als Heimspiel Caspar Johannes Walters Stück „Gekrümmt Räume“.

Am 8. Mai rückt die Musik von Frank Zappa bei den Konzerten des Studio Dan im Gloria in den Mittelpunkt. Am Abend steht das WDR-Sinfonieorchester in der Philharmonie bei „Spiel der Elemente“ auf der Bühne. Unter der Leitung von Baldur Brönnimann erklingt Musik unter anderem von Agata Zubel, Unsuk Chin und Jonathan Harvey. Mit „How is your Bird“ gibt es mit dem Studio Dan im Bürgerzentrum Chorweiler nochmals Musik von Frank Zappa, diesmal speziell für Kinder. Zum Festivalabschluss stehen die beiden portugiesischen Ensemble Trio Ruido Vermelho und das Remix Ensemble Casa da Musica in der Philharmonie im Rampenlicht.