BER - Der Flughafen-Zombie

Meinung : BER - Der Flughafen-Zombie

Die ganz Akribischen zählen in der Hauptstadt mit. Am Freitag waren es 2736 Tage seit Nicht-Eröffnung des Berliner Flughafens. Ergibt knapp 90 Monate oder siebeneinhalb Jahre. So lange dauert nun schon die weltweit beachtete Posse um den BER. Sie soll jetzt konkret am 31. Oktober 2020 enden. Wenn das mal gut geht.

Wirklich glauben will man an die neue Starterlaubnis für den Chaos-Airport nicht. Zumindest sollte man sich gut überlegen, worauf man eine Wette abschließen würde – klappt oder klappt nicht. Denn Geschichte kann sich wiederholen. Nicht nur, weil der neue Eröffnungstermin inzwischen der siebte (!) ist. Sondern auch, weil zeitliche Puffer auf der Baustelle wieder aufgebraucht sein sollen, einige Versprechen erneut nicht gehalten wurden und die aktuellen Probleme irgendwie den alten gleichen. Stichwort Brandschutz oder Mängel bei den Kabelverbindungen. Der bereits zu kleine BER ist jedenfalls zu einem Milliardengrab geworden, aus dem sich nun ein Flughafen-Zombie erheben soll.

Fest steht: Erst, wenn die ersten Passagiere abgefertigt sind und ihr Flieger auf dem Rollfeld steht, dann kann man sagen, es ist vollbracht. Allerdings – in der Hauptstadt ist alles möglich. Irgendwas funktioniert immer nicht. Da wird ein fertiger BER dann keine Ausnahme sein. Womit endlich auch die Politik ins Spiel kommt. Ihre Berliner Vertreter überschätzen sich gerne, wie das Beispiel des Pannenflughafens zeigt. Oder sie überlassen die Stadt sich selbst.

Ein Kommentar von Hagen Strauß. Foto: nn

Dass macht ja auch irgendwie den Charme Berlins aus. Deshalb ist die Hauptstadt so beliebt bei Touristen, weil unfertig und mitunter morbide. Nur, wenn die ganze Welt über einen lacht, ah, Berlin, da wo der Flughafen nicht fertig wird, ha, ha, ha, ist das dann doch nicht mehr so charmant. Zum Feiern wird den Berlinern jedenfalls nach neun Jahren Pleiten, Pech und Pannen keinesfalls zumute sein. Falls der BER am 31. Oktober 2020 überhaupt…