Krefelder Stadtgeschichte : Krefeld-Filme aus vier Jahrzehnten

Das Stadtarchiv hat historische Aufnahmen aufbereitet und präsentiert sie erstmals der Öffentlichkeit.

Sabine Weber kann ihre Berufsbezeichnung derzeit guten Gewissens von Archivarin auf Detektivin ändern. Die Mitarbeiterin des Stadtarchivs kümmert sich seit Mitte des Jahres 2017 darum, den Filmbestand des Hauses zu sichten und zu digitalisieren. Ein aufwändiger Job bei etwa 450 Filmrollen, die zuvor eher nicht im Blickfeld des Archivs lagen.

Die ersten aufbereiteten Aufnahmen zeigt das Archiv nun erstmals in einer öffentlichen Vorführung. Am Freitag können sich Interessierte Bilder aus vielen Jahrzehnten anschauen. „Wir beginnen mit einem Film aus den 1920er Jahren und arbeiten uns in Schritten von zwei Jahrzehnten vor“, sagt Weber. Vier Filme gibt es.

Die Aufbereitung historischer Aufnahmen ist teuer

Damit das überhaupt möglich ist, muss Weber einiges tun. Ihr Job sei es zum Beispiel, zu bestimmen, von wann die Aufnahmen stammen und was sie zeigen, sagt Weber. Manche Rollen muss sie zuvor von Staub und Schimmel befreien. „Teilweise riechen sie oder lösen sich auf“, sagt Weber. Die anschließende Digitalisierung der Filme kostet. 800 bis 1200 Euro muss das Archiv für 50 Minuten Material an eine Spezialfirma zahlen.

Das hat sich offenbar gelohnt: Die Resultate sind beeindruckend.

Ein Farbfilm von 1961 zeigt Luftaufnahmen von Krefeld. So ist der Bahnhof zu erkennen genau wie die alte Verseidag an der Girmesgath.

Besonders erschreckend sind die Kriegsaufnahmen. Die entsprechende Filmrolle sei schlicht mit dem Titel „Bombennacht 1943“ bezeichnet gewesen, sagt Weber. Die Bilder zeigen unter anderem das zerbombte und ausgebrannte Rathaus. „Der Film stammt aus dem Nachlass eines damaligen Ratsherren der NSDAP“, sagt Weber.

Deutlich heiterer geht es in einer Art Imagefilm für die Stadt Krefeld aus den 1920er-Jahren zu. Der US-Amerikaner Bob kommt nach Krefeld, um einen Partner für seine Krawattenproduktion zu finden. „Dabei entdeckt Bob Krefeld“, sagt Weber. Natürlich nicht nur die Industrie, sondern auch das Vergnügen, wie das Pferderennen. Manches bleibt, werden sicher einige Zuschauer feststellen.