Neviges: Idee der Piratenpartei stößt auf Ablehnung

Neviges : Idee der Piratenpartei stößt auf Ablehnung

Der Vorstoß der Fraktion, vorhandene Geschäfte zum Rosenhügel umzusiedeln, werden von Händlern heftig kritisiert.

. Die Piraten-Fraktion schlägt vor, den Nahversorgungsbereich Am Rosenhügel zu erweitern, weil sich dieser großer Beliebtheit erfreut, sogar Kunden aus Wuppertal kaufen dort ein. „Warum nicht das Gute und Beliebte stärken und dort weitere Geschäfte ansiedeln?“, fragen Thomas Küpper, stellvertretender Vorsitzender der Piraten-Partei im Velberter Rat, so wie Ulrich Weber, beratendes Mitglied im Bezirksausschuss Neviges. Sie regen an, dass Geschäfte gezielt aus der Nevigeser Innenstadt in den Nahversorgungsbereich verlagert werden, um ihnen dort eine neue, bessere Perspektive zu bieten. Die Innenstadt könnte zur Kulturmeile und zum Gastronomieviertel weiterentwickelt werden.

„Als ich das las, habe ich gedacht, die haben wohl einen Knall“, sagt Ingrid van Scheven „Wie kann man auf so einen unverschämten Gedanken kommen“, fragt sich die Kauffrau, die einen Modeladen an der Elberfelder Straße betreibt und auf keinen Fall umziehen würde. „Das dauert ziemlich lange, bis da gebaut werden kann, zum anderen ist die Kaufkraft ganz weg aus der Innenstadt.“

Kollegin Kati Maier denkt ebenfalls nicht an einen Umzug: „Für mich hat Neviges Potenzial. Das kriege ich auch von meinen Kundinnen mit. Was hier fehlt, ist eben ein Rossmann oder ein Tedi, das würde angenommen. Gut angekommen ist zum Beispiel ihr Late-Night-Shopping am ersten Freitag im Monat. Da machen jetzt auch die Geschäfte in der Nachbarschaft mit.“

Gegenvorschlag: Öffnung der unteren Elberfelder Straße

„Ich habe bewusst meinen Laden in die Innenstadt verlegt, damit die Stadt wieder aufleben kann“, begründet Bettina Stellwag die Standortentscheidung für ihren Weinhandel. „Auf diesen Vorschlag der Piraten zu antworten, wäre eine Aufwertung einer völlig unqualifizierten Äußerung“, regt sich Barbara Knapp auf. Stattdessen schlägt die Betreiberin eines Mittagstisches vor, die untere Elberfelder Straße für den Autoverkehr zu öffnen. Auch den Gedanken, den Busbahnhof mit den Parkplätzen Auf der Beek zu tauschen, hält sie für sinnvoll: „Das ist allerdings eine langfristige Aufgabe. Was wir brauchen, ist Unterstützung durch die Stadt. Als mein Bruder bei der Wirtschaftsförderung Rat suchte, wie er mit der Schließung seiner Metzgerei umgehen soll, sagte man ihm: ,Dann machen Sie doch zu.’“

Passantin Mechthild Forchtmann hält den Piraten-Vorschlag für das Allerletzte. „Das hat keine Perspektive, das ist nichts für die Zukunft“, stellt sie fest. „Umzug? Auf keinen Fall!“, lautet die eindeutige Reaktion einer Kauffrau von der unteren Elberfelder Straße, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. „Wer möchte denn am Rosenhügel was machen, da ist es doch nicht gemütlich“, so ihr Urteil über das Einkaufszentrum auf der grünen Wiese. „Die alten Menschen müssten mit dem Bus dorthin fahren, außerdem brauchen die Kontakte, die wird es da so nicht geben“ , sagt sie.

Dabei verweist die Einzelhändlerin auf die geplanten und im Bau befindlichen altengerechten Wohnungen am Rande der Nevigeser Innenstadt. „Dann man kann doch hier nicht die Läden zu machen.“ Ähnlich sieht es Augenoptiker Thomas Zeyen, auch er verweist auf das Seniorenwohnen: „Es gibt Branchen, die nah an ihren Kunden sein müssen.“ „Was die Piraten geäußert haben ist völlig unpassend“, so die persönliche Meinung von Helmut Wulfhorst, der zweiten Vorsitzenden der Werbegemeinschaft Neviges. „Das war wohl die erste und die letzte Wahlperiode der Piraten. Die haben keine Impulse für Neviges gebracht.“

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